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Eibisch schützt die Schleimhäute
 
Im Winter und der Übergangszeit haben Atemwegserkrankungen Hochsaison
 
© Institut für Pharmakognosie, Universität Wien
Die meisten Erkältungen fangen mit dem typischen, trockenen Reizhusten ohne Auswurf an, der die Schleimhäute irritiert, im Hals kratzt und besonders in der Nacht quälend den Schlaf raubt. Häufig sind auch Kopfschmerzen die Folge des andauernden Hustens.
    Pflanzliche Schleime, wie sie in Eibisch, Isländischer Flechte (=Isländisches Moos), Malve, Spitzwegerich und Königskerze enthalten sind, lösen sich in Wasser und können entzündete Schleimhäute im hinteren Rachenraum einhüllen und vor lokalen Reizungen schützen, wodurch peripher der Hustenreiz unterdrückt werden kann.
      Tipps vom Apotheker:
      · Es ist darauf hinzuweisen, dass die Symptomatik bei den so genannten Erkältungskrankheiten, die mit Reizhusten beginnen, sich innerhalb kurzer Zeit ändern kann, sodass ein Wechsel zu Teemischungen mit mehr schleimlösenden Komponenten angezeigt sein kann.
      · Für alle Hustenformen gleichermaßen gilt: viel trinken!
      · Grenzen der Selbstmedikation sind erreicht, wenn der Husten länger als zwei Wochen anhält, von eitrigem und blutigem Auswurf oder hohem Fieber begleitet wird, beziehungsweise mit Schmerzen oder Rasselgeräuschen beim Atmen einhergeht.

      Der Echte Eibisch pharmazeutisch betrachtet

      Lateinische Bezeichnung: Althaea officinalis L.
          Der Name althaea leitet sich von dem griechischen Wort altho ab und bedeutet so viel wie heilen. Der deutsche Name Eibisch (mittelhochdeutsch ibesch(e), althochdeutsch ibisca) wurde aus lateinisch (h)ibiscum entlehnt, das seinerseits aus dem Keltischen stammt.
      Volksnamen: Adewurzel, Altheeblätter, Alter Thee, Driantenwurzel, Flußkraut, Heilwurz, Heimischwurzel, Ibsche, Schleinwurzel, Schelimtee, Weiße Malve, Weiße Pappel, Weißwurzel

      Synonyme: Marshmallow leaves, Marshmallow root (engl.), Feuilles de guimauve, Racine d’althée, Racine de guimauve (franz.).

      Stammpflanze: Althea officinalis L (Echter Eibisch), Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Bekannte Heilpflanzen aus dieser Pflanzenfamilie sind die Malven (Käsepappel), neuerdings zählt man aber auch die Linden und der Kakao zu den Malvaceaen.
        Verwendeter Pflanzenteile: Laubblätter (Folium Althaeae); geschälte Wurzeln (Althaeae radix).

        Inhaltsstoffe:
            Schleimstoffe: Blätter: 6-9 % (höchster Gehalt in Blättern, die kurz vor der Blüte geerntet werden), im wesentlichen aus Arabinogalaktanen und Galakturonorhamnanen bestehend.
            Wurzeln: bis 20 %, Gemische aus mindestens drei Hauptfraktionen (einer neutralen Glukanfraktion, einer neutralen Arabinogalaktanfraktion, einer sauren Rhamnogalakturonanfraktion). Der Schleimgehalt ist stark saisonabhängig, die höchsten Gehalte werden im Spätherbst erreicht, im Frühjahr liegt das Minimum vor.
            Weitere Inhaltsstoffe:
            Blätter: Spuren ätherischen Öls, Stärke und Pektine.
            Wurzeln: kleine Mengen an Sterolen, große Mengen an Stärke, Rohrzucker und Invertzucker, Pektine.
        Offizinell (im Arzneibuch):
            Eibischblätter (Folium Althaeae), Eibischwurzel (Althaeae radix), Eibischsirup (Sirupus Althaeae),
            Eibischtee (Species Althaeae): 55 Teile Eibischblatt, 25 Teile Eibischwurzel, 15 Teile Süßholzwurzel, 5 Teile Malvenblüte.
            Brust- und Hustentee (Species pectorales): Je 10 Teile Malvenblüte, Königskerzenblüte und Thymianblatt, je 20 Teile Eibischblatt und Eibischwurzel, 25 Teile Süßholzwurzel, 5 Teile Anis.
        Der Echte Eibisch wird bei folgenden Indikationen eingesetzt:
            Wissenschaftlich belegt:
                Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und damit verbundener trockener Reizhusten. Zur Reizlinderung bei leichten Entzündungen der Magenschleimhaut.
            Erfahrungsmedizin:
                Bei Insektenstichen wird das Auflegen frischer, angequetschter Blätter empfohlen.
        Empfohlene Zubereitungen:
            1-2 Teelöffel Eibischblätter (fein geschnitten) mit kaltem Wasser ansetzen, mehrmals täglich 1 Tasse trinken.
            Etwa 1 Esslöffel voll
            Eibischwurzel (fein zerschnitten) wird mit kaltem Wasser angesetzt und ca. 90 Min. unter öfterem Umrühren stehengelassen und dann abgeseiht. Mehrmals täglich 1 Tasse leicht erwärmten, aber frisch zubereiteten Tee trinken. Teemischungen mit Komponenten mit antimikrobieller Wirksamkeit (Isländische Flechte, Spitzwegerich) verzögern mikrobielles Wachstum in den auf diese Weise hergestellten Teegetränken über mehrere Stunden.

            Der Eibischsirup kann direkt angewendet werden (empfohlene Tagesdosis ca. 30 g), er ist aber auch in verschiedenen Arzneispezialitäten enthalten.

            Eine beliebte Darreichungsform ist der in Apotheken erhältliche Eibischteig.
        Tee heiß oder kalt zubereiten?
        Im Zusammenhang mit schleimhältigen Hustenmitteln war die optimale Zubereitungsart des Arzneitees über viele Jahre ein Diskussionsthema. Es wurde vermutet, dass heißes Wasser die Polysaccharide zerstören könnte. Deshalb findet man in der Literatur meist den Hinweis, dass Eibischtee mit kaltem Wasser angesetzt werden sollte. Allerdings regten sich gewisse Bedenken wegen der mikrobiellen Qualität derartiger Zubereitungen. Kaltes Wasser reduziert im Gegensatz zu heißem die natürliche Keimbesiedlung der Arzneidrogen nicht, und Polysaccharide bieten darüber hinaus einen guten Nährboden für Mikroorganismen. Eine Dissertation am Department für Pharmakognosie der Universität Wien schuf diesbezüglich Klarheit: die physikalischen Bedingungen bei der Teebereitung mit heißem Wasser schaden den langkettigen Polysacchariden nicht.
        Konkret bedeutet dies für Eibisch: Eibischblätter, die ohnehin meist in Mischungen mit anderen Arzneidrogen angewendet werden, können als ganz herkömmlicher Teeaufguss zubereitet werden (ca. 1 Teelöffel Tee mit 150 ml heißem Wasser übergießen, ca. 10 Minuten ziehen lassen, abseihen, nicht zu heiß trinken). Eibischwurzel sollte, sofern sie in einer Teemischung angewendet wird, in der gleichen Art zubereitet werden. Ein Tee, der nur aus Eibischwurzel besteht, sollte hingegen mit kaltem Wasser angesetzt werden (Tagesbedarf: ca. 3 Teelöffel mit ½ Liter kaltem Wasser ansetzen, etwa 90 Minuten unter gelegentlichem Umrühren stehen lassen, abseihen, leicht erwärmt trinken). Der Grund: Eibischwurzel enthält sehr viel Stärke, die bei Kontakt mit heißem Wasser verkleistert. Die Wurzelstückchen sind daher sofort von einer „Isolierschicht“ umzogen, die wertvollen Schleime werden nur mehr zu einem Bruchteil extrahiert. (Univ.-Prof. Mag.pharm.Dr. Reinhard Länger in Phytotherapie 1/07)

        Unerwünschte Wirkungen:
        Nebenwirkungen von Eibischzubereitungen sind keine bekannt, lediglich die Resorption gleichzeitig eingenommener Arzneimittel kann verzögert sein.