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Arzneipflanze des Jahres 2014: Spitzwegerich
 
Der Fuß des weißen Mannes
 
Der Spitzwegerich ist eine der bekanntesten Arzneipflanzen und sehr vielseitig einsetzbar. Er lindert Hustenreiz und hilft bei Insektenstichen. Aus diesem Grund wurde er vom "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2014 gewählt.

Der Name leitet sich von der indogermanischen Silbe "–rich" ab, was übersetzt "König" bedeutet - Spitzwegerich, der "König der Wegränder". Nicht ohne Grund, da er als recht genügsame und ausdauernde Pflanze an fast allen Wegrändern und Wiesen Europas, Nord- und Mittelasiens gedeiht. Die Indianer bezeichnen ihn den "Fuß des weißen Mannes", da überall dort, wo die Siedler hin traten, Spitzwegerich zu wachsen begann. Das lässt auch schon auf die weite Verbreitung des Spitzwegerich schließen.

Die Form der Blätter, die für seinen wissenschaftlichen Namen Plantago lanceolata verantwortlich ist, erinnert an einen Fußabdruck. "Planta" ist lateinisch und bedeutet "Fußsohle" und "agere" so viel wie "darstellen". "Lanceolata" beschreibt die lanzettenförmige Erscheinung.

Der Spitzwegerich ist eine sehr alte Heilpflanze, um den sich viele Mythen ranken. Schon die Germanen nutzten ihn. Erste Aufzeichnungen gab es bereits in der Antike vom griechischen Arzt Dioskurides (1. Jahrhundert), der bei Fiebererkrankungen in Wasser und Wein gekochte Spitzwegerichwurzeln empfahl. Auch Plinius erwähnte ihn vor 2000 Jahren schriftlich und rühmte seine heilsame Wirkung. Hildegard von Bingen setzte ihn zur äußerlichen und innerlichen Anwendung ein. Als Saft gegen Gicht und das Wurzelpulver gegen Gift und Zauberworte. Als Einlauf schützt er vor dem Liebeszauber, der die Liebe eines Menschen anfachen soll. Im 2. Weltkrieg wurden die Wunden der Verletzten mit Spitzwegerich als "Antibiotikum" versorgt. Auch heute sollen die Blätter bei langen Fußmärschen das Wundlaufen verhindern, was ihm im Volksmund den Namen "Wundwegerich" einbrachte.
Bei kleinen Verletzungen oder Insektenstichen etwas gereinigte Spitzwegerichblätter zerreiben (oder zerkauen) und auf die wunde Körperstelle aufbringen. Auch Shakespeare wusste von dieser wundheilenden Wirkung und führt in seinen Dramen oftmals „plantain“ als Mittel gegen Verletzungen auf der Haut an.

Nicht nur aufgrund seiner heilsamen Wirkung ist der Spitzwegerich beliebt, sondern auch als Nahrungsmittel. Die gesamte Pflanze ist essbar. Die jungen Blätter schmecken besonders als Rohkost im Salat oder in Aufstrichen. Wer den leicht bitteren Geschmack ein wenig abschwächen möchte, legt die Blätter kurz in ein Salzwasserbad. Die etwas älteren können wie Spinat gekocht, gedünstet oder angebraten werden. Die Knospen haben ein leicht nussiges Aroma, ähnlich den Champignons.

Spitzwegerich pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Plantago lanceolata L. (Plantaginaceae)

Volksnamen: Spießkraut, Heilwegerich, Wegbreit, Wegtritt, Wundwegerich, Lungenblattl, Schaf-, Lämmer- oder Schlangenzunge

Botanik: Rosettenpflanze, grundständige Blätter, lineal-lanzettlich. Blüten in 1-3 cm langer, eiförmiger bis walzlicher Ähre. Krone mit 4 bräunlichen Zipfeln. Staubblätter sind gelblich.

Verwendeter Pflanzenteil: Spitzwegerichblätter (Plantaginis folium)

Offizinell:
Plantaginis folium
Sirupus plantaginis

Inhaltsstoffe:
Iridoidglykoside: 2-3%, darunter Aucubin und Catalpol
Polysaccharide: ca 2% Schleim
weitere Inhaltsstoffe: Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, Phenylethanoide (Acteosid, Verbascosid)

Anwendungsgebiete:
wissenschaftlich belegt:
Innere Anwendung:
Katarrhe der Luftwege; entzündliche Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Durch die einhüllende Wirkung des Schleims werden entzündete Schleimhäute vor lokalen Reizungen geschützt, wodurch der Hustenreiz peripher unterdrückt werden kann. Das Abhusten des Bronchialsekrets wird dabei nicht behindert.
Äußere Anwendung:
entzündliche Veränderungen der Haut.

Volksmedizinische Anwendung:
als Auswurf förderndes Mittel, "gegen Schwindsucht", bei Geschwüren im Mund und als Wundheilungsmittel sowie als Hämostyptikum

Weitere Wirkungen:
antibakterielle Wirkung (Aucubin), leberprotektive Wirkung, adstringierend

Phytopharmaka
Spitzwegerich-Extrakte und Presssäfte sind in zahlreichen Präparaten als Brionchialtherapeutika enthalten (Säfte und Tropfen).

Teebereitung:
2-4 g geschnittene Droge werden mit kochendem Wasser übergossen und nach 10-15 min durch ein Teesieb gegeben. 1 TL = ca 0,7 g
Zum Spülen und Gurgeln sowie für Umschläge nimmt man den Kaltwasserauszug: 2 TL je Tasse unter öfterem Umrühren 1-2 Stunden stehen lassen, 3-4 mal täglich verwenden.

Unerwünschte Wirkungen:
Die für reines Aucubin berichteten toxischen Effekte sind wegen der geringen Menge in der Droge für die Therapie nicht relevant.


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TV-Apothekerin Mag.pharm. Irina Schwabegger-Wager in der Sendung "Heute Leben" am 16. 10. 2013 zum Thema:
Spitzwegerich
Vor kurzem hat der Studienkreis an der Universität Würzburg die Arzneipflanze 2014 gewählt: es ist der Spitzwegerich.
Sobald der Sommer vorbei ist, beginnt sie wieder - die Erkältungssaison. Der Hals kratzt, quälender Reizhusten vor allem in der Nacht und rinnende Nasen. Ein bewährtes Hausmittel und eine häufige einheimische Heilpflanze ist der Spitzwegerich (Plantago lanceolata). Der enthaltene Schleim legt sich im Rachenraum an und schützt so vor lokalen Reizungen. In den Apotheken wird er in zahlreichen Zubereitungen angefertigt. Besonders der Sirup wird von Kindern gern genommen.

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