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Von Palmen- und Ölbaumzweigen
 
Der Olivenbaum – in vielen alten Kulturen ein heiliger Baum
 
Jetzt ist die Zeit der „Palmkätzchen“, die am Palmsonntag und im österlichen Brauchtum, in Ermangelung echter Palmen- und Ölbaumzweige, die es nur in südlicheren Ländern gibt, bedeutsam sind.


Der Ursprung des Palmsonntags liegt in Jerusalem, wo es bereits um 400 im Gedenken an den Einzug Jesu in Jerusalem eine feierliche Prozession – mit Palmen- und Ölbaumzweigen - vom Ölberg in die Stadt gab. Die Segnung von Palmzweigen wird für die Mitte des 8. Jahrhunderts bezeugt. Eine Palmprozession ist sehr bald auch in Konstantinopel, dann in Gallien und im 11./12. Jahrhundert auch in Rom nachweisbar.


Ölzweige auf der UNO Flagge

Der blühende Ölbaumzweig
(Bild oben) wird zu Ostern
in nördlichen Breiten
aufgrund der Ähnlichkeit der
Blätter mit der Weide (Bild unten)

durch
blühende Weidenzweige
("Palmkätzchen") ersetzt.

Die kätzchenförmigen Blüten
der Weiden erscheinen
noch vor den Blättern. (Foto: F. Biba)
Die Palme galt in der Antike als Zeichen des Lebens, der Hoffnung, des Sieges und war ein Attribut der Märtyrer, während der Ölzweig, der auch Zeus und Athena schmückt, ein Symbol für Sieg und Frieden sowie lang dauernder Stärke und Kraft darstellt. Auch auf der Flagge der Vereinten Nationen umgreifen Ölzweige als Sinnbild des Friedens die Weltkugel.

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Der Ölbaum – in vielen alten Kulturen ein heiliger Baum

Der Mittelmeerraum ist die Heimat des Ölbaumes (Olea europea), einer Pflanze von einzigartiger kulturhistorischer Bedeutung, die zu den ältesten Kulturpflanzen des Mittelmeerraumes gehört. Der Baum wächst sehr langsam, erreicht aber ein sehr hohes Alter, und trägt noch Früchte, wenn er innen hohl ist. Man nimmt an, dass einige Olivenhaine in Israel schon über 1000 Jahre alt sind. Olivenöl wurde schon von den Assyrern hergestellt und als Brennstoff in Öllämpchen verwendet. Schon die Ägypter benützten das Öl der Olive auch für die Hautpflege – und als Heilmittel. Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass Olivenöl vielfältige positive Einflüsse auf Herz, Gefäße und Stoffwechsel aufweist.

In den Vorstellungen der alten Ägypter war der Ölbaum ein Geschenk der Göttin Isis, Ehefrau des Osiris. Nach der griechischen Mythologie soll es dagegen Pallas Athene gewesen sein, die den ersten Ölbaum in Attika wachsen ließ. Unter einem Olivenbaum das Licht der Welt zu erblicken, galt als Zeichen göttlicher Abkunft, wie bei Artemis und Apollo, den Zwillingen der Nymphe Leto. Auch Romulus und Remus, die sagenhaften Gründer der Stadt Rom, wurden unter einem Olivenbaum geboren.

Im Alten Testament gibt es eine Vielzahl von Hinweisen auf den Ölbaum, so im 1. Buch Mose, der Genesis. Hier wird von einer Taube erzählt, die einen frischen Ölzweig zu Noah in die Arche brachte. Kaum bewusst ist vielen Menschen, dass die Friedenstaube mit dem Ölzweig im Schnabel auf diesen biblischen Text zurückgeht.

Bei den Griechen bildeten Oliven-Bäume in Tempelbezirken „heilige Haine“. Damit verknüpft sind zugleich besondere Heilwirkungen und Wunderkräfte. So sei aus dem Saft der Olive ein Salböl gewesen, dessen wunderbarer Kraft sich auch Göttinnen bedienten. In Olympia ehrte man die Sieger mit einem Kranz von Olivenzweigen.

Das Olivenöl

Aus dem altgriechischen “elaion” (Olivenöl) und “elaia” (für Baum und Frucht) machten die Lateiner “oleum” und “oliva” (Öl und Olive), Namen, die in fast alle europäischen Sprachen mehr oder weniger abgewandelt für das Olivenöl gebräuchlich sind.

Olivenöl (im Arzneibuch unter der Bezeichnung „Oleum olivae“ zu finden) wird durch Auspressen aus dem Fruchtfleisch der Früchte (Oliven) des Ölbaums gewonnen. Es ist ein feines, hochwertiges Speiseöl. Olivenöl hat eine hellgelbe bis goldgelbe Farbe und den typischen olivenartigen Geruch und Geschmack, der leicht süßlich ist. Kaltgepresstes Olivenöl wird auch als Jungfernöl bezeichnet, welches besonders wertvoll ist. Es ist dünnflüssig, hell und klar. Das warmgepresste Olivenöl ist braun (Öl zweiter Pressung). Olivenöl wird als Speiseöl sowie in der Textilindustrie, in der Pharmazie und im kosmetischen Bereich verwendet.

Olivenöl ist eine der Hauptkomponenten der mediterranen Diät, die einen besonders schützenden Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem hat. Olivenöl enthält bis zu 84 Prozent Ölsäure und nur maximal 21 Prozent Linolsäure, eine einzigartige Fettsäurekomposition, noch bedeutsamer ist jedoch, dass Olivenöl ein beträchtliches Spektrum an Polyphenolen, Flavonoiden und anderen Antoxidantien bietet. Schon länger ist die blutdrucksenkende Wirkung von Extrakten aus Olivenblättern bekannt. Dafür verantwortlich ist der Gehalt an Oleuropein und Hydroxytyrosol, zwei potente Antioxidantien. Beide chelatisieren Metallionen und fangen freie Radikale ab.


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Link:
Pflanzen in der Bibel, Österreichische Apotheker-Zeitung ÖAZ 6/2005