Arzneipflanze des Jahres 2010: Der Efeu
 
Der Arznei-Efeu erleichtert das Abhusten, lindert Hustenreiz und verbessert spürbar die Atmung.
 
    Der Efeu, eine immergrüne Pflanze, die mit ihren Haftwurzeln an Bäumen und Mauern bis zu 20 m emporklettert, ist zur Arzneipflanze des Jahres 2010 gekürt worden. Die Heilkraft der Pflanze war bereits in der Antike bekannt, Efeu galt sogar als Wahrzeichen ewigen Lebens, als Symbol für Liebe und Treue. Dichter wurden mit Efeu bekränzt, weil er auch eine heilige Pflanze der Musen war. Extrakte aus Efeublättern sind heute noch beliebte Phytopharmaka, die Linderung bei akuten Entzündungen der Atemwege und chronischen Bronchialerkrankungen bringen.

    Heimisch ist Efeu in beinahe ganz Europa. Auffällig ist der Blattdimorphismus: an nichtblühenden Zweigen sind die Blätter ledrig, 3- 5 eckig gelappt, dunkelgrün und glänzend. An Zweigen mit Blüten ähneln die Blätter denen des Birnbaums, sind rautenförmig bis lanzettlich, ganzrandig und matt. Die Blüten bilden erbsengroße Beeren, die erst grün und im Winter zur Reifezeit blauschwarz aussehen.

Sämtliche Pflanzenteile des Efeus sind giftig. Schon nach Einnahme von zwei bis drei Beeren kann es zu einem Brennen im Rachen, Durchfall und/oder Erbrechen, Kopfschmerzen und Krämpfen kommen. Nach Aufnahme großer Mengen (unwahrscheinlich, da sehr bitter) kann Schock und Atemstillstand eintreten. Efeu-Arzneimittel aus der Apotheke gewährleisten eine wirksame und unbedenkliche Dosierung.

Efeu kann ein Höchstalter von 450 Jahren erreichen.

Es gibt 15 verschiedene Efeuarten, die vom Mittelmeerraum bis nach Ostasien verbreitet sind.
Der Arznei-Efeu, von dem hier die Rede ist, wächst in unseren Breiten und heißt botanisch "Hedera helix Linné".

Der Arznei-Efeu pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Hedera helix L.

Volksnamen: Rankenefeu, Mauerefeu, Totenranke, Eppig

Synonyme: Folia Hederae helicis; Common ivy, Woodbind (engl.). Lierre commun (franz.)

Stammpflanze: Hedera helix L. Familie der Araliengewächse (Araliaceae)

Verwendeter Pflanzenteil: Laubblätter (Folium Hederae)

Inhaltsstoffe:
        2-6 % Saponine (Hauptkomponente ist das Hederageninglykosid Hederacosid C),
        Phenolcarbonsäuren: Dicaffeoylchinasäure u. a.
        Weitere Inhaltsstoffe: Polyacetylene, Flavonoide (z. B. Rutosid), ätherisches Öl sowie Spuren des Alkaloids Emetin, Glykoside, organische Säuren und Jod.
Anwendungsgebiete:
        Als Expektorans, Sekretolytikum und Antispasmolytikum bei Katarrhen der Luftwege, symptomatische Behandlung chronisch-entzündlicher Bronchialerkrankungen.
Teebereitung:
        Kaum gebräuchlich. Etwa 0,5 g Droge mit siedendem Wasser übergießen, 10 min ziehen lassen und abseihen. 1 – 3-mal täglich eine Tasse, eventuell mit Honig gesüßt trinken.
        1 Teelöffel Droge = etwa 0,8 g.
Empfohlene Dosierung:
        Tinktur: bei spastischem Husten 5-10 Tropfen als Einzeldosis, nicht mehr als 40-50 Tropfen tgl.
        Darreichungsformen ohne Ethanol erfordern eine deutlich höhere Extraktmenge, um gleiche therapeutische Effekte zu erzielen.
Unerwünschte Wirkungen:
        Saponine können in höheren Dosen Reizerscheinungen im Magen-Darmtrakt verursachen. Beim Verzehr von Efeufrüchten drohen durch deren hohen Saponingehalt ernste Vergiftungen. Der Saft frischer Efeublätter kann allergische Hautreaktionen verursachen. Beim Zurückschneiden der Pflanze sollte man daher direkten Hautkontakt vermeiden. Auch selbst hergestellte Abkochungen zur äußerlichen Anwendung sind nicht empfehlenswert.
Verwendet werden vor allem Fertigpräparate, die aus den getrockneten Blättern gewonnen werden.
        Efeu-Präparate haben schleimlösende, krampflösende und hustendämpfende Wirkung. Fertigarzneien gewährleisten eine wirksame und unbedenkliche Dosierung. Die Präparate gibt es als Kapseln, Tropfen, Tabletten, Brausetabletten oder Hustensaft ohne Alkohol für Kinder.
Anwendung in der Homöopathie:
        Das Homöopathikum "Hedera Helix" aus den frischen, unverholzten Trieben wird in den Potenzen D3-D12 wegen des Gehalts an Jod gegen Überfunktion der Schilddrüse, aber auch bei Schleimhautkatarrhen, Husten und Keuchhusten, bei Schnupfen, Asthma, Ephysem und bei Magen- und Gallenbeschwerden, sowie auch bei Rheuma und Gicht angewendet.

Link:
Wer wählt die Arzneipflanze bzw. Heilpflanze des Jahres