Mikrochip überwacht die Compliance
 
 
Das Wort Compliance bezeichnet in der Pharmazie die Einhaltung von Verhaltensmaßregeln durch Patienten. Die besten Arzneimittel können nicht wirken, wenn sie zur falschen Zeit eingenommen werden, oder wenn der Patient manchmal vergisst, sie einzunehmen. Zur Verbesserung und auch zur Überwachung der Compliance gibt es verschiedene Hilfen. Stora Enso, ein führender Hersteller von pharmazeutischem Verpackungsmaterial, bringt nun eine bahnbrechende Verpackung für Medikamente auf den Markt: Ein in der Packung integrierter Mikrochip zeichnet die Einnahme der Arzneimittel auf und kann auch noch weitere Funktionen übernehmen.
    Compliancy Connection ist ein standardmäßiges, kostengünstiges elektronisches Modul, das auf einem einzigen RFID-Mikrochip basiert und in pharmazeutische Verpackungen integriert werden kann. Der "Wegwerf-Computer" verfügt über 32 KByte Speicher und kann nach Angaben des Herstellers mehrere Druckseiten verschlüsselter Daten speichern und bearbeiten. Auf der Schachtel sind elektronische Sensoren aufgedruckt, die beispielsweise erfassen, wann eine Dosis des Medikaments entnommen wird.

    Darüber hinaus kann die Arzneimittelpackung mit einem akustischen Signal ausgestattet werden, das den Patienten daran erinnert, seine Medikamente zu nehmen. Das System ist mit den neuesten Handytechnologien kompatibel: So kann auch das Handy die Einnahme der Arzneien aufzeichnen und den Patienten per SMS daran erinnern. Zudem wurde ein eigenes bedienerfreundliches Lesegerät entwickelt, mit dem Daten von der Verpackung auf einen PC übertragen werden können.

    Laut Ismo Saarinen, Direktor der Abteilung Pharmazeutische Lösungen bei Stora Enso, wird das System zunächst in klinischen Versuchen eingesetzt und für die Verpackungsoptimierung bei Medikamenten verwendet, die besonders hohe Therapietreue und deren Überwachung erfordern.
Der Mikrochip kann auch zur Produktidentifikation auf Einzelartikel-Ebene den derzeitigen Strichcode ablösen und allgemein für die Authentifikation, die Rückverfolgbarkeit und die Lokalisierung von Produkten verwendet werden. Damit könnten die Anforderungen an fälschungssichere Packungen, Herkunftsnachweise und in weiterer Folge auch eine Kontrolle der Lagerungsbedingungen (Kühlkette!) vom Minicomputer auf der Schachtel übernommen werden. Einige dieser Anwendungen wurden in der Pharmaindustrie bereits in einem Pilotprojekt getestet.

RFID (Radio Frequency Identification) ist eine technische Entwicklung, um Daten berührungslos und ohne Sichtkontakt zu lesen und speichern. Das Sysem funktioniert mittels eines Transponders (Mikrochip mit Antenne) und erlaubt eine automatische Identifikation über eine kurze Distanz in Echtzeit.

Weitere Informationen sowie ein kleines Video zur intelligenten „Pharma DDSi“-Verpackung unter www.storaenso.com/pharma.

Sie befinden sich hier: www.apotheker.or.at/Für Sie gelesen/2008