Arzneipflanze des Jahres 2004: Die Pfefferminze
 
Pfefferminze enthält ätherisches Öl mit dem Hauptbestandteil Menthol
 
Die Pfefferminze (Stammpflanze: Mentha x piperita L., Lamiaceae, "Lippenblütler") ist in Europa und Nordamerika weit verbreitet und meist kultiviert. Sie wird 50 cm bis 90 cm hoch, der meist kahle Stängel ist häufig violett unterlaufen und die Blätter duften beim Zerreiben charakteristisch nach Menthol. Beheimatet war die Pfefferminze ursprünglich im Fernen Osten, sie kam über Nordafrika und Südeuropa nach England, wo sie erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts Fuß fasste. Über Holland kam sie dann in unsere Gegend. In der jetzigen Kulturform wurde die Pfefferminze erstmalig von Dr. Eaton in Hertfort/England beobachtet. Eine erste Beschreibung der Pflanze erfolgte 1696 durch den britischen Biologen Ray (lat.:Raius), der ihr 1704 den Namen Mentha palustris (Peper-Mint) gab.

Die Pfefferminze aus der Apotheke ist ein Mischling aus verschiedenen Minzarten, sie kann daher nur vegetativ vermehrt werden, d.h. durch Ableger/Wurzelausläufer. Vermehrt man sie durch Samen, so spaltet sie sich in stark abweichende Formen ohne Menthol auf.

Die Pflanze ist auch unter folgenden Synonymen bekannt: Balsam, Balsme, englische Minze, Hausminz, Minze, Katzenkraut, Mutterkraut, Prominzen, Schmecker, Peppermint (engl.), Menthe poivreé, Feuilles de menthe (franz.).

Offizinell, also im Arzneibuch angeführt ist das Pfefferminzblatt, Menthae piperitae folium: die Ganzdroge mit mind. 1,20 % ätherisches Öl, die Schnittdroge mind. 0,90 % ätherisches Öl.
Pfefferminzöle werden vorwiegend aus in Japan und Brasilien kultivierter Mentha arvensis var. glabrata gewonnen.


    Krauseminze – die „Schwester“ ohne Menthol.
    Die Krauseminze (lat. Mentha Crispata), findet heute ebenso vielfältige Verwendung, vor allem in der Küche und in der Mundhygiene. Im Gegensatz zum deutschen Namen der mildaromatischen Pflanze, die auch als Ährenminze, Grüne Minze, Rossminze oder Frauenminze bezeichnet wird, ist ihre englische Bezeichnung ungemein populär: Spearmint. Den Ruhm verdankt sie einem Kaugummi mit dem Namen Spearmint, welcher seit den fünfziger Jahren in den USA mit ihrem Öl produziert wird.
    Im Gegensatz zur Pfefferminze enthält die Krauseminze kein Menthol. Ihr Geschmack ist daher nicht scharf, sondern süßlich frisch und beim Zerreiben der Blätter entsteht der typische milde Spearmint-Duft.
    Die Krauseminze ist nicht offizinell.

Therapeutisch relevante Wirkungen der Pfefferminze:
Das Kraut der Pfefferminze enthält ätherisches Öl, mit dem Hauptbestandteil Menthol sowie Gerbstoffe und Flavonoide. Es hat eine krampflösende und blähungstreibende Wirkung und führt zu einer beträchtlichen Steigerung der Gallensekretion. Pfefferminztee eignet sich zur Behandlung von krampfartigen Beschwerden im Magen- und Darmbereich, wobei an der Wirkung neben dem ätherischen Öl vermutlich auch Flavonoide beteiligt sind. Als choleretische Prinzipien der Blätter kommen die Phenolcarbonsäuren Chlorogen-, Kaffee- und Rosmarinsäure in Frage. Pfefferminzextrakte führen zu einer Tonussenkung des unteren Ösophagussphinkter.
Die Komponenten des ätherischen Öls wirken sekretionsfördernd auf direktem und reflektorischem Wege. Es kommt zur Freisetzung von Salzsäure, Pepsin, Gastrin, Histamin und Prostaglandinen und dadurch zur Stimulierung der Magen- und Darmmotilität. Ein Pfefferminzextrakt (in Kombination mit anderen karminativ wirksamen Drogen wie Kümmel, Fenchel und Wermut) zeigte bei Patienten mit Oberbauchbeschwerden (Krämpfe, Erbrechen, Schwindel) eine ähnliche Wirksamkeit wie Metoclopramid.

Wirkung bei Spannungskopfschmerzen: Bei lokaler Anwendung von Pfefferminzöl auf der Haut, selbst in geringen Mengen, kommt es zu einer Sensibilisierung und Stimulation von Kälte- und Druckrezeptoren mit konsekutiver Auslösung eines lang anhaltenden Kältegefühls im Bereich der Applikation. Die Anregung der Kälterezeptoren unterdrückt die Schmerzweiterleitung.

Wirkungen bei Erkältungskrankheiten: Bei Teemedikation ist reflektorisch über Reizung der Magenschleimhäute mit expektorierenden Wirkungen zu rechnen. Nach Inhalation erreicht Pfefferminzöl in der Lunge therapeutisch relevante Konzentrationen. Für Menthol wurden bronchospasmolytische Effekte nachgewiesen.

Weitere Wirkungen:
Antimikrobielle, antivirale und antimykotische Wirkungen: Pfefferminzöl besitzt desinfizierende, antimikrobielle und antimykotische Wirkungen.
Wirkungen bei rheumatischen Erkrankungen: Pfefferminzöl ist äußerlich als schmerzstillende Einreibung bei Nerven- und Gliederschmerzen sowie Weichteilrheumatismus wirksam.
Wirkung gegen Übelkeit und Erbrechen: Pfefferminzöl übt eine anästhesierende Wirkung auf die Magenschleimhaut aus, wodurch die Wirkung bei Übelkeit und Erbrechen erklärt werden kann.
Geschmacks- und Geruchskorrigens: Pfefferminzöl wird sehr häufig als Geschmacks- und Geruchskorrigens verwendet: in der kosmetischen Industrie zur Aromatisierung von Mundsprays, Mundwässern und Zahnpasten; in der Lebensmittelindustrie für Kaugummi, Schokoladen, Süßwaren ("After Eight") und Liköre; in der pharmazeutischen Industrie stellt es einen beliebten Bestandteil in Lutschtabletten gegen Halsweh und Husten dar.

Unerwünschte Wirkungen:
Akute Vergiftungsfälle mit Pfefferminzöl beim Menschen sind nicht bekannt.
Vorsicht bei Säuglingen und Kleinkindern: Mentholhaltige Präparate dürfen nicht als konzentrierte Dämpfe zur Inhalation verwendet werden oder in die Nase eingerieben oder eingeträufelt werden, da es reflektorisch zu Atemstillstand kommen kann.

Teebereitung:
1,5 g Droge mit 1 Tasse (ca. 150 ml) kochendem Wasser übergießen und in bedecktem Gefäß 5 - 10 min stehen lassen, anschließend durch ein Teesieb geben.
1 Teelöffel = etwa 0,6 g, 1 Eßlöffel = etwa 1,5 g.

Teepräparate:
Die Droge wird auch als sofortlöslicher Tee (instant tea, meist sprühgetrocknete Extrakte) und in Filterbeuteln (1,3 - 1,5 g) angeboten. Der Inhalt von Pfefferminztee-Filterbeuteln entspricht nicht immer den Arzneibuchanforderungen (hoher Stengelanteil, geringerer Gehalt an ätherischem Öl).

Empfohlene Dosierung:
Innerlich: mittlere Tagesdosis: 3-6 g Droge, 6-12 Tropfen ätherisches Öl, 5-15 g Tinktur.
Inhalation: 3-4 Tropfen in heißes Wasser geben und die Dämpfe einatmen.
Äußerlich: 2-4mal täglich einige Tropfen in die betroffene Hautpartie einreiben.
Berechnungsgrundlage: 4,5 g Droge, 9 Tropfen ätherisches Öl (= 140 mg).

Aufbewahrung:
Kühl, trocken, vor Licht geschützt. Nicht in Kunststoffbehältern (ätherisches Öl !).

Der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg hat Pfefferminze zur Arzneipflanze des Jahres 2004 gewählt. Die Pfefferminze folgt damit der Artischocke (Cynara scolymus L. aus der Familie der Asteraceae), die Arzneipflanze des Jahres 2003 war.