Der echte Lavendel als Heilpflanze
 
Wissenswertes zu Lavandula angustifolia aus der Apotheke
 
Mit Lavendel verbinden viele in erster Linie einen Duft, den man vom Kleiderschrank kennt, wo die getrockneten blauvioletten Blüten in Leinensäckchen der Wäsche einen aromatisch-frischen Geruch verleihen und sie gleichzeitig vor Motten schützen. Aber Lavendel hat auch heilsame Wirkungen: Er kann angespannte Nerven beruhigen, Verkrampfungen lösen, hilft bei Kopfschmerzen und Schlafstörungen und wirkt desinfizierend.

L. angustifolia =

Echter Lavendel


Speiklavendel

Lavendelfeld in der Provence
Schon während des Römischen Reiches setzten Patrizier und vornehme Stadtbewohner ihrem Badewasser Lavendelkraut zu, es wird daher angenommen, dass sich der botanische Name Lavandula vom lateinischen lavare, was 'waschen' bedeutet, ableitet. Es könnte aber auch von levare (= erleichtern oder auch abwehren) stammen. Dies würde sowohl zur nervenberuhigenden als auch zur insektenvertreibenden Wirkung der Lavendelblüten passen.
    In der Phytotherapie werden die getrockneten Blüten des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia) verwendet. Echter Lavendel hat lanzettliche, graugrüne Blättchen, die unten weißfilzig behaart sind und sich am Rande leicht einrollen. Lavendelöl wird durch Wasserdampfdestillation der Blüten gewonnen. Die beruhigende Wirkung von Lavendelbädern ist nachgewiesen und hilft bei nervöser Erschöpfung und gegen Einschlafstörungen. Bei nervösem Reizmagen, nervösen Darmbeschwerden und Blähungen kann Lavendelblütentee zum Einsatz kommen.
      Dem ätherischen Lavendelöl wird eine abwehrende Wirkung auf Insekten zugeschrieben. Schließlich ist noch der Lavendelspiritus zu erwähnen, der sich zu entspannenden Einreibungen oder aromatischen Waschungen des Körpers bestens eignet: Man gibt dazu 1 Teil Lavendelblüten auf 3 Teile Alkohol und 3 Teile Wasser. Zwei Tage in der Sonne stehen lassen und dann filtrieren. Blüten des echten Lavendels (Lavandulae flos), Lavendelspiritus sowie das echte ätherische Lavendelöl sowie weitere Zubereitungen gibt es in der Apotheke.
        Auf den bekannten Lavendelfeldern der Provence (Bild links) blüht übrigens meist nicht der Echte Lavendel, sondern Lavandin (Lavandula hybrida), eine Kreuzung aus Lavandula angustifolia (Echter lavendel) und Lavandula latifolia (Speiklavendel) die besonders ertragreich ist, aber in der Qualität nicht ganz an den Echten Lavendel heranreicht.


        Der Echte Lavendel pharmazeutisch betrachtet

        Lateinische Bezeichnung: Lavandulae flos

        Volksnamen: Lavendelkraut, Narden, Speik, Zöpfli

        Synonyme: Flores Spicae. Lavender flowers (engl.), Fleurs de lavande (franz.).

        Stammpflanze: Lavandula angustifolia Mill. (Lippenblütengewächse – Lamiaceae)

        Verwendeter Pflanzenteil: Die kurz vor der völligen Entfaltung gesammelten und getrockneten Blüten und/oder Blütenstände (Flos Lavandulae).

        Inhaltsstoffe: 1-3 % ätherisches Öl , das vorwiegend Monoterpene enthält, Hauptkomponente ist Linalylacetat (30-55 %), daneben kommt Linalool (20-50 %) ß-Ocimen, Cineol und Campher vor. Weitere Inhaltsstoffe sind Gerbstoffe (vermutlich Rosmarinsäurederivate), Cumarinderivate, Flavonoide, Phytosterole.

        Offizinell (im Arzneibuch):
        Lavandulae aetheroleum
        Unguentum aromaticum (Aromatische Salbe, Windsalbe): Zusammensetzung: 36 Teile Erdnussöl, 36 Teile gehärtetes Erdnussöl, 15 Teile gelbes Wachs, 10 Teile Lorbeeröl, 1 Teil Lavendelöl, 1 Teil Rosmarinöl, 1 Teil Wacholderöl.

        Da eine sichere Erkennung von Fälschungen nur über die Zusammensetzung des ätherischen Öls möglich ist, hat das Europäische Arzneibuch im Nachtrag 2001 eine GC-Analyse des aus den Blüten nach Wasserdampfdestillation gewonnenen ätherischen Öls vorgeschrieben. Lesen Sie dazu: "Aus dem Chemisch–Pharmazeutischen Laboratorium der Österreichischen Apothekerkammer: Echter Lavendel oder Spiklavendel?" (Österreichische Apotheker-Zeitung ÖAZ)

        Der Echte Lavendel wird bei folgenden Indikationen eingesetzt:
          Wissenschaftlich belegt:
            Innerlich: Befindensstörungen wie Unruhezustände, Einschlafstörungen, funktionelle Oberbauchbeschwerden (nervöser Reizmagen, Meteorismus, nervöse Darmbeschwerden).
            Äußerlich: in der Balneotherapie zur Behandlung von funktionellen Kreislaufstörungen.
          Erfahrungsmedizin:
            Inhalation (Lavendelkissen): Einschlafstörungen.
        Empfohlene Dosierung:
          Lavendelblüte:
            Mittlere Tagesdosis: 1-2 Teelöffel Lavendelblüten werden mit einer Tasse (ca. 150 ml) heißem Wasser übergossen. Den Tee lässt man etwa 10 min ziehen. Soweit nicht anders verordnet, wird mehrmals täglich, besonders abends vor dem Schlafengehen, eine Tasse frisch bereiteter Tee getrunken.
            Als Badezusatz: 20-100 g Droge auf 20 Liter Wasser. Für ein Vollbad werden üblicherweise 100 g Blüten mit 2 l kochendem Wasser überbrüht, und nach etwa 10 Minuten durch ein Teesieb gegeben. Dann abgekühlt dem Bad zugeben. Nicht länger als 15 min. darin baden.
          Ätherisches Lavendelöl:
            Innerlich: 1-4 Tropfen (20-80 mg) auf ein Stück Würfelzucker, 2-3mal täglich.
        Berechnungsgrundlage: 4,5 g Droge, 150 mg ätherisches Öl.

        Unerwünschte Wirkungen:
        Keine bekannt. In größeren Mengen (über 1 g) führt das ätherische Öl zu Reizerscheinungen im Magen-Darm-Bereich, Benommenheit und Bewusstseinsstörungen! Keine Anwendung von Vollbädern bei größeren Hautverletzungen oder akuten Hauterkrankungen, bei schweren fieberhaften oder infektiösen Erkrankungen, ferner bei Bluthochdruck und Herzinsuffizienz!

        Aufbewahrung der Lavendelblüten:
        Kühl, trocken, vor Licht geschützt. Nicht in Kunststoffbehältern (ätherisches Öl !).

        Der echte Lavendel wurde zur Heilpflanze des Jahres 2008 gekürt.

        Lavendel als Küchengewürz
        Gemeinsam mit Thymian, Rosmarin, Fenchel, Majoran, Lorbeer, Bohnenkraut, Oregano und Salbei ergibt die Mischung mit Lavendel die bekannten „Kräuter der Provence“. Diese Komposition schmeckt gut zu Fleischgerichten und zu mediterranen Speisen.

        Wenn Sie Lavendel als Küchenkraut nutzen, sollten Sie unbedingt darauf achten, nicht den breitblättrigen Speiklavendel (Lavandula latifolia) zu verwenden, denn dieser gibt Gerichten eine krautige bis seifenähnliche Note. Nur der Echte Lavendel (Apothekenqualität!), erkennbar an den schmalen Blättern, hat den gewünschten aromatischen Geschmack. Ganz wichtig ist ebenso die Dosierung, weniger ist dabei definitiv mehr, Sie sollten immer vorsichtig und sparsam mit dem Lavendel in der Küche umgehen.

        Lavendel eignet sich auch als ungewöhnliches und extravagantes Gewürz für Süßes. Etwa zur Herstellung des Lavendelzuckers: 1 Esslöffel Lavendelblüten im Mörser zerreiben und unter 100 g Staubzucker mischen. Den Zucker in ein gut schließendes Marmeladeglas füllen und sparsam an Stelle von Vanillezucker verwenden.