Was hinter Lieferengpässen steckt
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 9. November 2019
 

APOTHEKER-TIPP
von Dr. Gerhard Kobinger
Für komplexe Probleme gibt es selten einfache Lösungen. Lieferengpässe bei Medikamenten sind ein gutes Beispiel dafür. Wenn vom Arzt verschriebene und/oder dringend benötigte Medikamente in der Apotheke nicht erhältlich sind, dann liegen die Gründe dafür zumeist außerhalb der Apotheke – mehr noch, außerhalb Österreichs oder sogar außerhalb Europas.

Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind nämlich eine negative Folge der globalen Liberalisierung. Es gibt weltweit immer mehr Fusionierungen von Arzneimittelherstellern, und viele Produktionsstätten befinden sich in Übersee bzw. in Fernost. Da lässt sich vom kleinen Österreich aus schwer eingreifen. Auch der immer größer werdende Preisdruck auf die gesamte Vertriebskette, ein weiterer Grund für Lieferengpässe bei Medikamenten, entzieht sich der rot-weiß-roten Einflussnahme.

Diese Engpässe stellen aber nicht nur für die Patienten ein Problem dar, auch wir Apotheker haben unsere liebe Not mit ihnen. Immerhin ist es unsere zentrale Aufgabe, die ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Durchschnittlich zwei Stunden Arbeitszeit pro Tag investiert eine österreichische Apotheke in das Problem der Lieferengpässe. Wir bemühen uns – oft mit großem Aufwand – das benötigte Präparat aus einer anderen Apotheke oder aus dem Ausland zu besorgen, Ersatzprodukte bzw. Generika zu finden oder magistrale Zubereitungen, also individuelle Einzelanfertigungen, vorzunehmen.

Natürlich gibt es konkrete Lösungsvorschläge von uns Apothekern, um Arzneimittel-Lieferengpässe in den Griff zu bekommen: Wir fordern unter anderem ein transparentes Melde- und Frühwarnsystem, und die Medikamentenherstellung soll wenigstens teilweise wieder in Europa stattfinden.