Was Apotheken leisten
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 14. September 2019
 

APOTHEKER-TIPP
von Dr. Gerhard Kobinger
Von der Ausbildung her gehört der Apotheker wie der Arzt zu den akademischen Gesundheitsberufen. Vom Steuergesetz her gilt er als Kaufmann, weil er über eine Spanne auf die abgegebenen Arzneimittel seine Aufwendungen wie Personal- und Betriebskosten deckt und sein Einkommen erzielt. Die Logistik wird zwar immer aufwendiger, Stichwort Nichtlieferbarkeit zahlreicher Medikamente, das Teuerste ist aber die Dienstleistung der Beratung zur sicheren Arzneimittelanwendung durch akademisch ausgebildetes Personal. Und dafür bekommt der Apotheker nichts. Das ist in unserer Spanne inkludiert. Auch die Dienstleistung der jährlichen 100.000 Apotheken-Nachtdienste im Wert von etwa 30 Millionen Euro muss die Apotheke aus der Spanne heraus finanzieren, da Krankenkassen und Kunden dies nur zu etwa 3 bis 5 Prozent bezahlen. Die tägliche Betreuung Suchtkranker, die Zubereitung von individuellen Anfertigungen, zahlreiche Aufzeichnungen, Kontrollen und Dokumentationen zur Arzneimittelsicherheit oder die Teilnahme an der E-Medikation für noch mehr Arzneimittelsicherheit werden gar nicht oder nur bruchteilhaft abgegolten. Ist ja alles pauschal in der Spanne enthalten, heißt es.

Da diese Spannen in den letzten 20 Jahren mehrmals gesenkt wurden und heute im Rezeptbereich nur mehr bei 14,5 Prozent liegen, geht sich das bei vielen Apotheken mit den vielen unbezahlten Dienstleistungen nicht mehr aus. Die Deckungsbeiträge blieben dank steigender Umsätze wenigstens betragsmäßig gleich, in Prozenten vom Umsatz gehen sie aber kontinuierlich zurück. Und das bei gleichzeitig steigenden Lohn- und Betriebskosten. Wir brauchen daher mehr Kostenwahrheit im System nach dem Motto: Geld folgt Leistung. Aus unseren 350.000 Kundenkontakten täglich wissen wir, dass die Bevölkerung diese Leistungen braucht und schätzt. Denn welche Versandapotheke hilft Ihnen um 11 Uhr nachts bei 40 Grad Fieber?