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Arzneipflanze des Jahres 2008: Die Rosskastanie
 
 
Die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.), auch Gemeine Rosskastanie oder Weiße Rosskastanie genannt, stammt aus dem Balkangebiet (Mazedonien) und wird seit dem 16. Jahrhundert in Mitteleuropa kultiviert. Die ersten Bäume ließ übrigens 1576 Carolus Clusius, Hofbotaniker Maximilians II., in Wien pflanzen und dank ihrer Beliebtheit zählen Kastanienbäume heute zu den häufigsten Park- und Alleebäumen.
    Der Name Rosskastanie und die lateinische Bezeichnung "hippocastanum" haben die selbe Wurzel. „Ross“ entspricht dem griechischen "hippos", Pferd, das folgende „castanon“ heißt Kastanie. Angeblich soll dies auf die Verwendung der Samen dieses Baums als kräftigendes Pferdefutter zurückzuführen sein, andere wiederum behaupten, es hinge damit zusammen, dass der Stiel der abfallenden Blätter am Zweig eine hufeisenförmige Markierung hinterlässt oder weil mit den Extrakten Pferde gegen Husten und Würmer behandelt wurden. Für den Namen gibt es aber noch weitere Erklärungen. So wird vermutet, dass der Name "Ross" nicht anstelle von "Pferd" steht, sondern auf das alte Wort "ross" zurückgeht, welches "falsch" bedeutet. Denn mit der Esskastanie (Castanea sativa) ist die Rosskastanie nicht näher verwandt.
    Heute sind die schön blühenden Bäume durch die Rosskastanienminiermotte (Cameraria ohridella), deren Larven sich fast ausschließlich von Nährstoffen der Blätter der Gewöhnlichen Rosskastanie ernähren, stark gefährdet. Dieser Kleinschmetterling wurde in Europa erstmals 1984 in Mazedonien in der Nähe des Ohridsees entdeckt, 1994 in Österreich nachgewiesen und breitet sich sehr schnell weiter in Mitteleuropa aus.

    Der Titel "Arzneipflanze des Jahres" wird seit 1999 vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg vergeben. Für 2008 wurde Aesculus hippocastanum gewählt, um auf die Bedeutung der Rosskastanienextrakte in der modernen Phytotherapie hinzuweisen.

    Pharmazeutische Anwendung der Rosskastanien
      Die braunen Samen („Kastanien“) enthalten ein Gemisch von Triterpensaponinen ("Aescin") mit ödemprotektiver Wirkung: Rosskastanienextrakte verringern den Einstrom von Wasser aus den Blutgefäßen in den Raum außerhalb der Blut- oder Lymphgefäße, wodurch venös bedingte Ödeme nicht so rasch entstehen und bestehende Ödeme beseitigt werden. Weiters wird der Tonus der Beinvenen erhöht. Präparate aus Rosskastanien helfen bei Erkrankungen der Beinvenen mit Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtlichen Wadenkrämpfen, Juckreiz und Beinschwellungen (chronische Veneninsuffizienz).
      Zubereitung: Rosskastanien sind nicht zur Teebereitung geeignet.
      Präparate: Viele Präparate zur äußerlichen und innerlichen Anwendung bei Venenerkrankungen enthalten einen genau auf die Leitsubstanz Aescin berechneten Rosskastanienextrakt. Studien belegen die Wirksamkeit solcher Präparate. Klinische Erfolge sind nach einer Einnahmedauer von 1-2 Wochen zu erwarten.
        Arzneimittel mit den Inhaltsstoffen der Rosskastanie sind für die äußerliche Anwendung als Salbe bzw. Gel sowie zum Einnehmen als Filmtabletten, Kapseln und Tropfen in Apotheken rezeptfrei erhältlich.