Der Österreichische Impfplan 2020
 
 
Der Impfplan wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) mit Expertinnen und Experten des Nationalen Impfgremiums erarbeitet und aktualisiert. Ziel ist es, einen Überblick über derzeit zur Verfügung stehende Impfungen zu geben und für diese einheitliche, evidenzbasierte Empfehlungen auszusprechen.

Das kostenfreie Impfprogramm des Bundes, der Bundesländer und der Sozialversicherungsträger, in weiterer Folge „kostenfreies Impfprogramm“ genannt, wurde vor mehr als 20 Jahren von der damaligen Bundesministerin Lore Hostasch ins Leben gerufen. Ziel war und ist es, allen in Österreich lebenden Kindern bis zum 15. Lebensjahr Zugang zu den für die öffentliche Gesundheit wichtigen Impfungen zu ermöglichen, ohne dass dafür den Erziehungsberechtigten Kosten erwachsen. Auf diese Weise sind die meisten impfpräventablen Krankheiten im Kindes- und Jugendalter abgedeckt. Dadurch soll die für den wichtigen Gemeinschaftsschutz (Herdenschutz) notwendige Impfbeteiligung in der Bevölkerung erreicht werden. Priorität bei der Auswahl der kostenfreien Impfungen haben einerseits sehr häufig vorkommende Erkrankungen, andererseits seltene, sehr schwer verlaufende Krankheiten.Eine weitere Vorgabe ist es, Kinder mit möglichst wenigen Stichen gegen möglichst viele Krankheiten zu schützen.
Für das kostenfreie Impfprogramm und seine Umsetzung steht den Kostenträgern (Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, Bundesländer und Sozialversicherungsträger) jeweils nur ein definiertes Budget zur Verfügung. Obwohl dieses Budget kontinuierlich gesteigert werden konnte und die Beschaffungsprozesse optimiert wurden, reichen die Mittel nicht aus, um alle verfügbaren und wichtigen Impfungen durch die öffentliche Hand bereitzustellen. Daher erfolgen Ausweitungen und Adaptierungen des Impfkonzepts nur nach genauer Evaluierung der Kosten/Nutzen-Relation auf Basis wissenschaftlicher Empfehlungen.
Insofern ist zu betonen, dass auch Impfungen, welche nicht im kostenfreien Impfkonzept angeboten werden, für den individuellen Schutz wichtig sind und daher empfohlen werden.

Schutzimpfungen gehören zu den wichtigsten, wirksamsten präventiven Maßnahmen in der Medizin. Geimpfte sind im Regelfall vor der entsprechenden Krankheit geschützt. Zudem können Krankheiten, die nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, wie Poliomyelitis, Hepatitis B oder Masern bei einer anhaltend hohen Durchimpfungsrate eliminiert werden.
Die derzeitige epidemiologische Situation in Österreich erfordert vor allem Anstrengungen zur Reduktion des Erkrankungsrisikos an Keuchhusten und Masern. Auch Influenza verursacht jedes Jahr bis zu 1.000 Todesfälle, darunter auch Todesfälle bei zuvor vollkommen gesunden Kindern. Hier ist es ebenfalls notwendig, die Durchimpfungsraten deutlich zu erhöhen.
Entsprechend der UN-Konvention vom 20. November 1989 haben Kinder das Recht auf beste Gesundheitsversorgung. Dazu gehört auch der Schutz vor Erkrankungen, die durch Impfung vermeidbar sind. Eltern sind angehalten, Schutzimpfungen bei ihren Kindern vornehmen zu lassen. In der medizinischen Versorgung von Säuglingen und Kleinkindern entspricht es dem Stand der medizinischen Wissenschaft, Grundimmunisierungen rechtzeitig zu beginnen, nicht unnötig zu verzögern und zeitgerecht abzuschließen. Zudem soll laut Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, WHO, jeder Arztkontakt dazu genutzt werden, zu prüfen, ob die empfohlenen Impfungen durchgeführt worden sind, und – wo notwendig – fehlende Impfungen nachzuholen. Auch Arztkontakte im Rahmen von Spitalsaufenthalten sollen dafür genutzt werden. Ein aufrechtet Impfschutz ist durch notwendige Auffrischungsimpfungen in jedem Lebensalter sicherzustellen. Ein Abraten von Impfungen ohne Vorliegen einer Kontraindikation im persönlichen Beratungsgespräch ist ein Verstoß gegen die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin und kann die berufliche Vertrauenswürdigkeit der Ärztin oder des Arztes in Frage stellen. Sofern ein verträglicher Impfstoff verfügbar und das Risiko der Infektionsexposition gegeben ist, wird die Antwort zu Gunsten der Impfung ausfallen.

Als allgemeiner Grundsatz kann gelten: jede einzelne Person, die sich und ihre Familienangehörigen (Kontaktpersonen) schützen will, soll sich impfen lassen. Generell wird empfohlen, alle Impfungen bei gegebener Indikation weitestgehend als Kombinationsimpfungen durchzuführen, um die Zahl der Injektionen möglichst gering zu halten.

Neuerungen/Änderungen 2020
Der gesamte Impfplan 2020 inklusive Tabellen wurde entsprechend den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und der aktuellen epidemiologischen Situation aktualisiert und überarbeitet. Es wurden Änderungen unter anderem in folgenden Kapiteln vorgenommen:
Übersichtstabelle und Tabellen zu Nachhol-Impfungen: Update
FSME: Präzisierung der Empfehlungen für Impfungen vor dem vollendeten 1. Lebensjahr
Hepatitis B: Präzisierung der Empfehlungen: ab vollendetem 65. Lebensjahr Indikationsimpfung
6-fach-Impfung für Kinder: Präzisierung der Altersangaben
HPV: Präzisierung der Empfehlungen: ab vollendetem 30. Lebensjahr Indikationsimpfung
Influenza (Virusgrippe): Nasaler Kinderimpfstoff nicht mehr verfügbar
Masern: Umgang mit Low-/Non-Respondern ergänzt
Meningokokken C: Präzisierung des empfohlenen Impfzeitpunkts
Pneumokokken: Änderung der Empfehlungen für Personen vom vollendeten 50. bis zum vollendeten 60. Lebensjahr, Präzisierung der Angaben zur Auffrischungsimpfung im Erwachsenenalter, ab 1.2.2020 PCV13 im kostenfreien Kinderimpfprogramm
Poliomyelitis: Änderung der Empfehlung für Auffrischungsimpfungen: Nach 2 Auffrischungsimpfungen im Erwachsenenalter weitere Impfungen nur bei Indikation vorgesehen.
Pertussis: Impfung in jeder Schwangerschaft unabhängig vom Intervall zur letzten Pertussis-Impfung
Rotavirus: ab 01.02.2020 Rotarix im kostenfreien Kinderimpfprogramm
Tetanus: Postexpositionelle Prophylaxe: Präzisierung der Tabelle
Tollwut: Präzisierung des Kapitels und neue Übersichtstabelle zum Vorgehen bei postexpositioneller Prophylaxe
Vorgehen bei versäumten Impfungen/Auffrischungsimpfungen: Präzisierung und Aktualisierung nach dem aktuellen Stand des Wissens
Impfungen für Personal des Gesundheitswesens: Neue Übersichtstabelle
Berufsgruppenspezifische Impfempfehlungen: Präzisierung der Übersichtstabelle
Impfschaden: Neues Kapitel

Die wichtigsten Tabellen aus dem aktuellen österreichischen Impfplan 2020:


(Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild)

Gesamter "Österreichischer Impfplan 2020" hier

Informationen, Broschüren und Folder des Gesundheitsministeriums zum Thema Impfen (September 2019):

  • Reaktionen und Nebenwirkungen nach Impfungen - Erläuterungen und Definitionen in Ergänzung zum Österreichischen Impfplan hier
  • Empfehlung Influenza-Imfpung ("Grippeimpfung") Saision 2019/20 hier
  • Faktencheck: Influenza - Impfen schützt! hier
  • Informationen zu Kinderimpfungen - Impfbroschüre für Eltern hier
  • Information für Eltern und Erziehungsberechtigte zum Thema Impfen hier
  • Impfungen für Schulkinder und Jugendliche hier
  • Faktencheck: Impfungen bei Kinderwunsch hier
  • Faktencheck: HPV-Impfung hier
  • Faktencheck: Keuchhusten - Impfen schützt! hier
  • Masern - Elimination und Durchimpfungsraten
  • Faktencheck: Masern - Impfen schützt! hier
  • Information für Eltern und Erziehungsberechtigte zum Thema Masern hier

Impfungen für Erwachsene im erwerbsfähigen Alter:
Berufsgruppenspezifische Empfehlungen hier
Impfungen des Gesundheitspersonals - Rechtliche Aspekte hier

Informationen zum Thema Impfen auf der Seite des Sozialministeriums