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Barbiturate: Rückstände in Gewässern nachgewiesen
 
 
Eine Forschungsgruppe der Europa Fachhochschule Fresenius fand heraus, dass noch Jahrzehnte nach der Verwendung der Barbiturate Rückstände im Grundwasser der Mulde, einem Nebenfluss der Elbe, zu finden sind. Diese Substanzen haben eine besonders hohe Persistenz gegenüber mikrobiellem Abbau, hieß es dazu in einer Veröffentlichung im Journal Environmental Science & Technology. Die entnommenen Wasserproben wurden mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie untersucht (GC-MS). Dabei konnten die Barbiturate Butalbital, Secobarbital, Hexobarbital, Aprobarbital, Phenobarbital und Pentobarbital bis zu einem Nanogramm pro Liter nachgewiesen werden. Woher diese Rückstände stammen, konnte nicht geklärt werden.

Zum Artikel im Environmental Science & Technology; Science News – July 26, 2006.

Die „Langlebigkeit“ der Barbiturate ist auch ein großes Problem in der Therapie mit diesen Stoffen: Barbiturate werden auch im menschlichen Körper nur langsam ausgeschieden („lange Eliminations-Halbwertszeit“).

Einst als Schlaf- und Beruhigungsmittel eingesetzt

Auf der Suche nach neuen Arzneimitteln gelang 1864 dem deutschen Chemiker Adolf von Baeyer (1835-1917) die Synthese des Malonylharnstoffs (2,4,6-Trihydroxy-pyrimidin). Er nannte die Substanz Barbitursäure, weil die Synthese am Fest der Heiligen Barbara (4. Dezember) glückte, oder - wie sein Schüler Richard Willstätter berichtet - wegen seiner damaligen Liebe zu einem Fräulein Barbara. Aus der Barbitursäure folgte die Entwicklung vieler Barbiturate mit Handelsnamen wie zB Veronal®, Luminal®, Nembutal®. Barbiturate wurden als Schlaf- und Beruhigungsmittel in den 1950er und 60er Jahren sehr viel eingesetzt. Wegen der hohen Missbrauchsrate, der geringen therapeutischen Breite (Suicidgefahr!) und der ungünstigen hohen Eliminations-Halbwertszeiten sind diese Präparate nicht mehr im Handel. Heute sind nur noch Methohexital und Thiopental für die Narkose vor Operationen und Phenobarbital als Antiepileptikum im Einsatz.

Mehr zur Eliminations-Halbwertszeit und zur therapeutischen Breite eines Arzneimittels:
Link zu "Arzneimittel: Dosis-Wirkungs-Beziehungen"