Arzneipflanze des Jahres 2009: Fenchel
 
 
    Der Fenchel ist häufig die erste Arzneipflanze, mit der der Mensch in seinem Leben in Berührung kommt: viele Säuglinge erhalten während der Nahrungsumstellung Fencheltee, der Blähungen lindern soll. Später kann es dann der Fenchelhonig (traditionelles Hausmittel; eine Mischung aus Fenchelsirup und Honig, u. U. mit Zusatz von Fenchelöl) bei Husten sein, denn vor allem in der Kinderheilkunde spielt das Arzneigewächs wegen seiner milden Wirkung eine wichtige Rolle.

    Fenchel (Foeniculum vulgare Miller) zählt zu den bekanntesten Heilpflanzen. Seine Wirkung schätzten schon die Hochkulturen Ägyptens und Chinas. Die Früchte der Pflanze aus der Familie der Doldenblütler sind auch als Gewürz bekannt. Man würzt damit Backwaren und Brot, mit frischen Blättern kann man Salate, Kräuterbutter, Fisch und Fischsuppen, gedünstetes Fleisch oder Käsearten und Saucen (z.B. "Sauce vinaigrette") abschmecken.

Blattstängel und Knollen vom Gemüsefenchel sind eine klassisch-italienische Spezialität. Sein Aroma erinnert sehr stark an Hustenbonbons. Daher ist die weißgrüne Knolle mit dem intensiven Anisgeschmack nicht bei allen beliebt. Neben dem Pfefferfenchel, dem süßen und dem bitteren Fenchel, ist heute hauptsächlich der Gemüse- oder Knollenfenchel von Bedeutung. In Österreich ist dieses Gemüse erst seit etwa 30 Jahren bekannt.

Der Fechel pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnungen:
Foeniculum vulgare Miller subsp. capillaceum var. dulce
Foeniculum vulgare Miller subsp. capillaceum var. vulgare


Volksnamen: Bitterfenchel, Brotanis, Brotsamen, Femis, Fenikel, Fennisamen, Finchel, Frauenfenchel, Kammfenchel, Kinderfenchel, Langer Anis.

Synonyme: Fennel fruit (engl.), Fruit de fenouil, für Süßfenchel auch Aneth doux (franz.).

Stammpflanze: Foeniculum vulgare Miller subsp. capillaceum (Gilibert) Holmboe var. vulgare und var. dulce (Apiaceae)

Verwendeter Pflanzenteil: Früchte (Fructus Foeniculi), die fälschlich auch als Fenchelsamen bezeichnet werden. Zum Unterschied von den meisten verwandten Gewürzen behält Fenchel auch nach dem Trocknen seine grüne Farbe. Als Faustregel gilt, dass die beste Qualität auch das intensivste Grün aufweist.

Inhaltsstoffe:
      Ätherisches Öl: 2-6 %, Gemisch aus bis zu 20% des bitter und kampferartig schmekenden (+)-Fenchon. Daneben finden sich Phenylpropanderivaten (trans-Anethol, Estragol) und einige Terpenkohlenwasserstoffe (u.a. Limonen, alpha-Pinen und alpha-Phellandren); quantitative Verteilung je nach Fenchel-Varietät unterschiedlich.
      Weitere Inhaltsstoffe: fettes Öl (bis 21 %), Flavonoide (Kämpferol- und Quercetinderivate), Cumarine und Furocumarine.
Offizinell:
      Foeniculi amari fructus: mind. 4,0 % ätherisches Öl, davon mind. 60,0 % Anethol und mind. 15 % Fenchon.
      Foeniculi dulcis fructus: mind. 2,0 % ätherisches Öl, davon mind. 80,0 % Anethol.
      Aetheroleum Foeniculi
      Pulvis Liquiritiae compositus (Kurellapulver): je 15 Teile Sennesblatt und Süßholzwurzel, je 10 Teile Fenchel und gereinigter Schwefel, 50 Teile Rohrzucker.
      Species laxantes: 50 Teile Sennesblatt, 20 Teile Holunderblüte, 5 Teile Kamillenblüte, 15 Teile Fenchel, 6 Teile Natrium-Kalium-Tartrat, 4 Teile Weinsäure.
      Species majales: je 45 Teile Faulbaumrinde und Sennesblatt, 3 Teile Kamillenblüte, 2 Teile Fenchel, 5 Teile Magnesiumsulfat.
      Aqua carminativa: hergestellt aus Kümmelöl, Kamillenöl, Zitronenöl, Fenchelöl und Pfefferminzöl.
      Aqua carminativa regia: hergestellt aus Aqua carminativa, Spiritus aromaticus compositus und einem roten Farbstoff.
      Aqua Foeniculi

Anwendungsgebiete:
      Krampfartige Beschwerden im Magen-Darmbereich, Völlegefühl und Blähungen (besonders als Tee in der Kinderheilkunde, das reine ätherische Fenchelöl sollte bei Säuglingen und Kleinkindern wegen der Gefahr eines Laryngospasmus, einer Dyspnoe und von Erregungszuständen nicht angewendet werden); Katarrhe der oberen Luftwege (als Bestandteil von hustenstillenden Mitteln oft zusammen Anis und anderen Kräutern).
      In der Erfahrungsmedizin wird Fenchel zudem zur Förderung der Muttermilch während der Stillzeit empfohlen, äußerlich als Augenwasser bei Ermüdungserscheinungen des Auges sowie bei unspezifischen Sehstörungen. Allerdings ist beim Einsatz am Auge wegen bakterieller Infektionen Vorsicht geboten.

Empfohlene Dosierung:
      1 – 3 Teelöffel voll Fenchel werden mit einer Tasse (ca. 150 ml) siedendem Wasser aufgegossen und nach ca. 5 bis 10 Minuten durch ein Teesieb gefiltert. Damit das ätherische Öl in den Tee übergeht, müssen vor der Zubereitung eines Fencheltees die Früchte mit einem Mörser etwas zerdrückt werden. Soweit nicht anders verordnet, wird bei Erkrankungen im Magen-Darmbereich 2 bis 4mal täglich eine Tasse frisch bereiteter Teeaufguss warm zwischen den Mahlzeiten getrunken. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann der Teeaufguss auch zum Verdünnen von Milch oder Breinahrung verwendet werden.

Keine Dauertherapie:
      Über mehrere Wochen hinweg sollte Fenchel nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker eingenommen werden.
      Begründung: Estragol und Methyleugenol kommen als natürliche Aromastoffe in zahlreichen Gewürzen und Kräuterdrogen vor, die z. B. folgenden Pflanzen entstammen: Estragon, Basilikum, Bitterfenchel- und Süßfenchel-Früchte, (Stern-)Anis, Muskatnuss, Piment und Lemongras. Beide Stoffe zeigen in Tierversuchen Krebs auslösende und Erbgut schädigende Wirkungen. Untersuchungen, die eine konkrete Gesundheitsgefährdung beim Menschen belegen, liegen bisher nicht vor und Analysen von Fencheltee haben ergaben, dass nur ein kleiner Anteil dieser Aromastoffe tatsächlich in den Tee-Aufguss gelangt. Aus Gründen der Sicherheit wird jedoch von einer Dauertherapie abgeraten.
Aufbewahrung der Fechelfrüchte:
      Vor Licht und Feuchtigkeit geschützt. Nicht in Kunststoffbehältern (ätherisches Öl!)

Anwendung in der Homöopathie:
      Das Homöopathikum "Foeniculum" gilt als ein gutes Mittel bei Appetitlosigkeit, Blähungen, Husten und Asthma. Darüber hinaus nimmt man Foeniculum zur Anregung der Milchsekretion und als Augen stärkendes Mittel ein.

Fenchel als Küchengewürz:
      Als Hauptbestandteil des chinesischen Fünf-Gewürze-Pulvers ist Fenchel aus der chinesischen Küche nicht wegzudenken, aber er wird fast nur in Gewürzmischungen verwendet und kaum jemals allein. Entsprechend seiner Herkunft ist Fenchel besonders bezeichnend für die Küchen des Mittelmeerraums. Man verwendet ihn für Fleisch und Geflügel, noch häufiger allerdings zu Fisch und Meeresfrüchten. In der Provence wird besonders viel mit Fenchel gekocht; oft findet man ihn auch in der südfranzösischen Kräutermischung herbes de Provence
Hinweis:
      In vielen asiatischen Ländern werden Fenchel und Anis nicht unterschieden.


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