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Folsäure und der Homocysteinspiegel
 
 
Seit etwa 70 Jahren kennt man die zum Vitamin-B-Komplex gehörende Folsäure. Wirkungen dieses Vitamins (in Leber und Hefeextrakten) wurden bereits 1931 beschrieben, 1941 wurde die Substanz aus vier Tonnen getrockneten Spinatblättern erstmals isoliert und ursprünglich Anti-Anämie-Faktor genannt. Denn fehlt die Folsäure, kommt es zu einer verzögerten Zellteilung, wodurch u.a. eine Anämie entstehen kann. Seit etlichen Jahren weiß man auch, dass Folsäure ganz wesentlich am Umbau von Homocystein in Methionin beteiligt ist. Bei einem Mangel steigt der Homocysteinspiegel im Blut und erhöht das Risiko für atherosklerotische Gefässerkrankungen. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Thrombosen können in Folge entstehen.

Folsäure (Pteroylglutaminsäure) spielt bekanntlich bei Zellwachstums- und Zelldifferenzierungsprozessen eine Schlüsselrolle. Hinlänglich bekannt ist auch dessen wichtige Funktion beim Verschluss des Neuronalrohrs in den ersten Lebenswochen des Embryos. In den letzten Jahren wurde aber zunehmend der Funktion von Folsäure als Gegenspieler des für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlichen Risikofaktors Homocystein Aufmerksamkeit geschenkt. Homocystein ist eine Aminosäure. Aus Aminosäuren werden normalerweise Eiweiße aufgebaut. Der menschliche Körper hat für Homocystein allerdings keine Verwendung. Es entsteht beim Abbau der essenziellen (lebensnotwendigen) Aminosäure Methionin. Der wichtigste Weg, Homocystein zu »entsorgen«, erfolgt durch Remethylierung wiederum zu Methionin, ein Vorgang, der Cobalamin (Vitamin B 12) und Folsäure (Vitamin B11, früher "Coenzym F" genannt) erfordert. Ein Mangel an Folsäure und B12 sowie eingeschränkte Enzymaktivitäten führen durch Abbauhemmung zu erhöhten Homocysteinwerten.


Abbildung: Schnitt durch eine gesundes Blutgefäß (links) vergrößert dargestellt sind die im Blut enthaltenen Blutplättchen. Daneben zwei ateriosklerotisch verengte Gefäße. Schreitet die Verengung weiter, kann es zum völligen Verschluss kommen.
(Quelle: Bayer Research Nr. 9/97)
.Der normale Homocysteinspiegel im Blut beträgt etwa 10 µM. Ab einem Wert von 15 µM spricht man von einer Hyperhomocysteinämie, also einem möglicherweise krankhaft erhöhten Wert. Diese Erhöhung kann genetisch bedingt sein.

Einteilung der Hyperhomocysteinämie nach: Kang et al. Annu Rev Nutr 1992; 12: 279
HomocysteinspiegelPlasmahomocysteinspiegel
maßig erhöht15 - 30 µmol/l
intermediär erhöht31 - 100 µmol/l
schwere Hyperhomocysteinämie> 100 µmol/l

Es gibt aber auch einige Verhaltensweisen, die zu einem erhöhten Blutwert beitragen können. Wer viel Kaffee trinkt erhöht seinen Homocysteinspiegel: bei 6 Tassen täglich steigt er um 1,3 µM. Auch Raucher leiden oft unter erhöhtem Homocystein.

Menschen, die viel Alkohol trinken, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, während der Genuss von kleinen Mengen Alkohol den Blutspiegel etwas absenken kann. Bestimmte Erkrankungen (Niere, Schilddrüse) können den Spiegel ebenso erhöhen wie viele Medikamente, etwa gegen Epilepsie und Rheuma.

Gegen einen erhöhten Homocysteinspiegel sollte, vor allem wenn weitere Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauferkrankung (erhöhter Blutfettspiegel, Diabetes, Schlaganfall, Herzinfarkt) bestehen, unbedingt angegangen werden.

Am besten hilft eine Vermeidung der genannten Risikofaktoren und eine gesunde Ernährung mit viel pflanzlichen Nahrungsbestandteilen. Diese enthalten nämlich Folsäure. Generell dürfte die Versorgung mit Folsäure durch die Ernährung nicht optimal gewährleistet sein, sodass eine Supplementierung durchaus sinnvoll erscheint. In den USA legte die FDA bereits 1996 fest, dass allen angereicherten Kornprodukten zusätzlich Folsäure zugesetzt werden muss (140 µg pro 100 g). Dies führte tatsächlich zu einer massiven Reduktion der Prävalenz hoher Homocystein-Konzentrationen. Optimal jedenfalls erscheint eine Versorgung von 400 µg Folatäquivalenten pro Tag, Frauen mit Kinderwunsch sollten weitere 400 µg zu sich nehmen (für Folsäure gilt neu die international übliche Definition der Folatäquivalente, wonach 1 µg Folatäquivalent 1 µg Nahrungsfolat bzw. 0,5 µg synthetischer Folsäure entspricht).


Abbauwege von Homocystein

Homocystein als Risikofaktor für Arteriosklerose
Abbildungen aus „Arzneien für Gesunde“ – Vortag von Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr. Helmut Spreitzer bei der Sommerakademie für ApothekerInnen in Pörtschach.


Folsäure und der Homocysteinspiegel:
TV-Beitrag


Video: Herz-Kreislauf –Erkrankungen sind die häufigste Todesursache der Österreicher. Neben erhöhten Cholesterinwerten dürfte auch ein erhöhter Homocysteinwert ein großes Risiko darstellen, an Atherosklerose zu erkranken und in Folge einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Homocystein ist ein Abbauprodukt des Eiweiß-Stoffwechsels und bildet sich vermehrt durch einseitige gemüse- und obstarme Ernährung. Neueste Untersuchungen ergaben, dass etwa ein Drittel der erwachsenen Österreicher einen zu hohen Homocysteinwert haben. Was dagegen hilft erklärt Sommerzeit-Apothekerin Mag.pharm. Barbara Haase.
tv
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