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Arzneimittelinduzierte Geschmacksstörung
 
Medikamente können eine vorübergehende Geschmacksstörung verursachen.
 
Anhaltende Störungen des Geschmackssinns stellen eine erhebliche Beeinträchtigung des Wohlbefindens des Betroffenen dar. Krankhafte Geschmacksstörungen kommen in der Praxis nicht sehr häufig vor. Am ehesten treten diese als passageres Symptom im Rahmen von Erkältungskrankheiten auf. Symptome einer Geschmacksstörung können richtungsweisend für eine systemische Erkrankung (z.B. Diabetes mellitus, Refluxösophagitis, Nierenerkrankungen oder für Arzneimittelnebenwirkungen sein.

Physiologische Veränderungen des Geschmacksempfindens aufgrund hormoneller Veränderung und im Rahmen des Alterns sind weit verbreitet.
Zahlreiche Medikamente können eine – in der Regel reversible – Geschmacksstörung verursachen. Bei dieser handelt es sich um eine unmittelbare Veränderung des Geschmacksempfindens oder aber um eine Folge von Mundtrockenheit. Diese Nebenwirkung kann bereits Stunden oder wenige Tage nach Therapiebeginn auftreten. Bis sich eine pharmaka-induzierte Störung des Geschmacks wieder normalisiert hat, können ein bis vier Wochen, aber auch mehrere Monate vergehen. In einigen Fällen kann diese aber auch bestehen bleiben.
Folgende medikamentös induzierte Dysgeuosien können auftreten:
totaler Geschmacksverlust
bitterer Geschmack
Salzgeschmack
unangenehmer Geschmack
herabgesetzte Geschmacksfähigkeit
metallischer Geschmack

Recht unterschiedliche Arzneimittelgruppen können eine Wirkung auf das Geschmacksvermögen haben. Zu diesen gehören Antibiotika (vor allem Makrolide und Gyrasehemmer), Antimykotika, ACE-Hemmer, Psychopharmaka, Parkinsonmittel, Zytostatika und andere.
Dem Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen wurden Meldungen über Änderungen des Geschmacks und Geschmacksverlust hauptsächlich bei der Anwendung von Antimykotika (32 Meldungen), von Antibiotika (17) und nach Antidepressiva (3) übermittelt. Vereinzelte Meldungen (20) über Geschmacksstörungen bei Anwendung anderer Arzneimittel liegen ebenfalls vor.
Diese unerwünschte pharmaka-induzierte Nebenwirkung kann eine eingeschränkte Lebensqualität für den Patienten bedeuten.
Bei Auftreten einer Geschmacksstörung sollte als Verursacher – neben einer systemischen Erkrankung – auch ein Arzneimittel in Betracht gezogen werden.

Quelle: Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen: Arzneimittelinfo "ROTE HAND"

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