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Das Lungenkraut in der Volksmedizin
 
 
Neben Veilchen und Primeln fällt unter den Frühblühern das Lungenkraut auf, eine interessante Pflanze mit Anfangs rot-purpurn und später violettblau gefärbten Blüten.

Geflecktes Lungenkraut (auch als Echtes Lungenkraut bezeichnet) Pulmonaria officinalis - Foto: F. Biba
    Die Verfärbung der Blumenkronblätter wird durch eine Änderung im Säuregrad des Zellsaftes hervorgerufen. Da der Saft in jungen Blüten sauer ist, ist der Farbstoff rot; in älteren Blüten ist der Zellsaft neutral bis basisch, die Farbe wechselt zu blau. Die Laubblätter zeigen eine auffallende helle Fleckung. In früheren Zeiten glaubte man in den gefleckten Blättern eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Lungenflügel zu erkennen, daher der Name und die frühere Verwendung der Pflanze bei Lungenkrankheiten (Signaturenlehre).

    Synonyme sind: Hänsel und Gretel, Bachkraut, Blaue Schlüsselblume, Bockkraut, Fleckenkraut, Hirschkohl, Hirschmangold, Hosenschiffern, Lungenwurz, Schlotterhose, Schwesternkraut, Ungleiche Schwestern. Das Lungenkraut bevorzugt frische, nährstoff- und basenreiche, meist kalkhaltige, steinige oder reine Ton- und Lehmböden.

    Stammpflanze
    Geflecktes Lungenkraut (auch als Echtes Lungenkraut bezeichnet): Pulmonaria officinalis L., Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae)

    Droge:
    Pulmonariae herba – Lungenkraut

    Inhaltstoffe: Schleimstoffe

    Verwendung:
    Ausschliesslich in der Volksmedizin bei Erkrankungen der Atemwege, z.B. bei Husten und Erkältungskrankheiten. Die Bezeichnung Lungenkraut stammt aus der Signaturenlehre, die Verwendung bei Lungenkrankheiten ist veraltet.

    Signaturenlehre
    Die aus der Antike stammende Signaturen-Lehre wurde auch von Paracelsus (1494-1551) propagiert. Er schrieb: "Die Natur zeichnet ein jegliches Gewächs zu dem, darzu es gut ist." Demnach wurden Pflanzen mit herzförmigen Blättern als herzstärkend beschrieben, Pflanzen mit Dornen und Stacheln wurde blutreinigende Wirkung nachgesagt, in Moos, das von Bäumen hing, erkannte man die Signatur der menschlichen Haare. Ein Aufguss aus dem Moos sollte gegen Haarprobleme helfen. Einer wissenschaftlichen Überprüfung hält die Signaturenlehre nicht stand, es gibt jedoch Zufälle. Die Knollen der Herbstzeitlose gleichen einer gichtkranken Zehe. Die Pflanze enthält tatsächlich einen (giftigen!) Inhaltsstoff (Colchicin), der zur Behandlung der Gicht geeignet ist.