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Unser Immunsystem unterscheidet zwischen fremd und eigen
 
Keine leichte Aufgabe bei der Übermacht
 
Der Mensch hat etwa 10 Billionen Körperzellen und ist von etwa 100 Billionen Mikroorganismen wie Bakterien, Viren, Pilze und Einzeller, die eine vergleichbare Größe haben wie Zellen des menschlichen Körpers, besiedelt. Demnach ist nur jede zehnte Zelle an uns menschlich. Daher muss es ein System im Körper geben, das genau zwischen fremd und eigen erkennen kann: Das Immunsystem.

Ob wir gesund oder krank sind, ob Viren oder Bakterien uns etwas anhaben können, entscheidet also unser Immunsystem. Das Erhalten der körperlichen Gesundheit wird zur andauernden Kriegsführung gegen den äußeren Feind, wobei dieses Szenarium Verfahren zur Definition der Bestimmung dessen, was Selbst und feindliches Fremd ist, voraussetzt. Jede der 1013 Zellen im menschlichen Körper ist mit einem Identitätsnachweis ausgestattet, einer besonderen Anordnung von Proteinmolekülen an der Außenseite der Oberfläche der Zellmembran. Sie stellen die „Ausweispapiere“ einer Zelle dar und schützen sie vor der „körpereigenen Polizei“. Wir sehen schon, die Sprache der Immunologen ist reich an Metapher. Die Bezeichnungen der verschiedenen Zellen unseres Abwehrsystems weisen beispielsweise eindeutig auf ihre jeweiligen Aufgabenbereiche hin. Sie tragen Namen wie Regieanweisungen:

    • Natürliche Killerzellen: erkennen und vernichten Fremdorganismen ohne die Mitwirkung von Antikörpern
    • T-Killerzellen: erkennen und vernichten körpereigene Zellen, die von Viren befallen worden sind und körperfremde Zellen
    • T-Unterdrückerzellen: beteiligt an der Abschaltphase der Immunreaktion; hemmen z.B. die Bildung von Killerzellen
    • T-Helferzellen: stimulieren nach Erkennung eines Antigens die Bildung von spezifischen Antikörpern, usw.

Mit den Erkennungs- und Abwehrmechanismen des menschlichen Organismus befasst sich die immunologische Forschung, aber das Thema betrifft jeden von uns, denn um das Immunsystem kreisen zahlreiche Diskussionen: Die richtige Ernährung, das Bekämpfen von Stress, die Angst vor Krebs oder AIDS, die allgegenwärtigen Allergien.... in kaum einem wissenschaftlichen Fach geht es gegenwärtig so turbulent zu wie in der Immunologie. Die außerordentliche Wichtigkeit der Forschungen über das Immunsystem wird deutlich, wenn man die Vielzahl der Nobelpreise, die für immunologische Entwicklungen vergeben wurden, in Betracht zieht.

In ihren Anfängen war die Immunologie eng mit der Bakteriologie und Virologie verknüpft und befasste sich mit den Schutzmechanismen des Organismus vor Infektionskrankheiten. Heute ist bekannt, dass bei vielen Krankheiten, deren Ursache noch nicht wirklich geklärt ist, Autoimmunvorgänge im Körper eine wichtige Rolle spielen. Der Immunologie wird daher in Zukunft eine immer größere Bedeutung zukommen. Immunmodulatoren, Immunotoxine, Immunstimulanzien, die sogenannte Tumorimpfung, immer wieder bessere Immunsuppressiva, da wird viel Neues auf uns in der Apotheke zukommen. „Immunologie“ wurde als Thema für die Sommerakademie vom 25. bis 27. Juni 2004 im Fortbildungsbeirat der Österreichischen Apothekerkammer vorgeschlagen, diskutiert und ausgearbeitet. Neben dem inhaltlichen Programm verspricht auch Pörtschach und der Wörthersee mit seinem beinahe südländisch-mediterranen Flair interessante und angenehme Tage.

Mag. pharm. Franz Biba
Fortbildungsabteilung der Österreichischen Apothekerkammer
Ausdruck Einleitung und Tagungsprogramm (29 Seiten): 02 Einleitung.pdf
Informationen in der Österreichischen Apothekerzeitung: Folge 11/2004; Folge 12/2004; Folge 13/2004


Siehe auch: Tipps vom Apotheker - so stärken Sie das Immunsystem