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Die Rosskastanie
 
Was macht sie so interessant für die pharmazeutische Anwendung?
 
Wir kennen ihre wunderschönen Blütenstände im Frühjahr und die stacheligen Früchte im Herbst – Die Rosskastanie.

Was macht sie so interessant für die pharmazeutische Anwendung?

Was wäre ein Biergarten ohne die herrlich gemütlichen Schatten, die die Rosskastanie durch ihre großen Blätter spendet. Aber es sind die Samen der weißblütigen oder gewöhnlichen Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), welche die wichtigste Wirkstoffgruppe enthalten, die die Rosskastanie zum Arzneimittel macht.

Diese glänzenden, braunen Kugeln, die Kastanien, die Kinder so gerne zum Basteln verwenden, haben in ihrem Inneren eben dieses Aescin verborgen, welches dem Samen entzogen und zu einem Extrakt verarbeitet wird. Schon seit Jahrhunderten schätzt man diese Arzneipflanze als Mittel zur Linderung von Venenbeschwerden. Aescin dichtet geschädigte Blutgefäßwände ab, so dass weniger Flüssigkeit aus den Venen in das Gewebe übertreten kann. Als Folge davon werden Wasseransammlungen in den Beinen verringert und in Zusammenhang mit anderen Inhaltsstoffen wirkt der Rosskastanienextrakt somit venenstärkend und entzündungshemmend.

Wie kann dieser Extrakt eingesetzt werden und in welcher Form?

· Aescin hilft bei Beschwerden der chronischen Veneninsuffizienz, bei Schweregefühl, Schmerzen, Schwellungen und Juckreiz in den Beinen sowie nächtlichen Wadenkrämpfen.

· Die positive Wirkung der Rosskastanie wird aber auch zur Nachbehandlung bei Venenoperationen genutzt.

· Da auch bestimmte Formen von Kopfschmerz oft ein Gefäßproblem sind, kann auch hier ein Tonikum mit Rosskastanienextrakt rasch Linderung bringen (Rosskastanienelixier).

· Auch in der Hausapotheke sollte ein Rosskastaniengel Platz haben, da es gut geeignet ist bei Sportverletzungen, Prellungen, Blutergüssen, Sehnenscheidenentzündungen. Neben dem Aescin wirken im Gesamtextrakt die Flavonoide entzündungshemmend.

· Der Wirkstoff ist gut untersucht - die empfohlene Tagesdosis beträgt 100 mg und kann in mehreren Formen angewendet werden: Salben und Gele zum Eincremen, als Kapseln, Dragees, Tropfen oder Tinktur.

· Als Tee können Rosskastaniensamen nicht verwendet werden, allerdings wurden in der Volksmedizin die Blätter und Blüten unter anderem als Hustentee und die Rinde als Abkochung bei hämorrhoidalen Beschwerden oder Durchfall eingesetzt.

· Unerwünschte Wirkungen sind selten: magenempfindliche Personen sollten die Einnahme nach einer Mahlzeit bevorzugen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen sind nicht bekannt.

· Wegen seiner UV-B absorbierenden Eigenschaften ist Aescin auch in Lichtschutzsalben enthalten.

Woher stammt eigentlich die Pflanze bzw. kommt der Name?

Die Rosskastanie ist keine einheimische Pflanze und blickt auf eine interessante Geschichte zurück. Ursprünglich in ganz Europa verbreitet, überlebte sie nach der letzten Eiszeit auf dem Balkan und kehrte erst wieder vor rund 450 Jahren nach West- und Mitteleuropa zurück.

Der Baum, der nur flache Wurzeln bildet und wegen seiner großen Blätter für Feuchtigkeit und Kühlung sorgt, wurde gerne auf Bierkellern gepflanzt, um die Reifung des Bieres zu unterstützen.
Mit der Esskastanie ist sie nicht näher verwandt, wohl aber wird sie mit der Indischen Waschnuss in die gleiche Familie der Seifenbaumgewächse gestellt (leicht schäumende Straßen bei Regen).

Die Namensgebung hingegen ist noch nicht vollständig geklärt: Entweder sollen die Zusätze Hippo- oder Ross kennzeichnen, dass die Samen als Pferdefutter und – arznei gegen Dämpfigkeit und Husten verwendet wurden, oder dass sie im Gegensatz zur Edelkastanie ungenießbar sind (das alte Wort –ross bedeutet minderwertig).

(10/2018 ÖAK)

Lesen Sie auch: Arzneipflanze des Jahres 2008: Die Rosskastanie

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