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Himbeeren kann man von Juni bis in den Herbst hinein pflücken
 
Herstellung von Sirupus Rubi idaei nach dem Arzneibuch
 
Sie gehören zur Gattung „Rubus“ – abgeleitet vom lateinischen Wort für „rot“ (ruber) und zählen zur Familie der Rosengewächse. Die Himbeere ist besonders häufig auf saurem Boden, verschiedentlich aber auch auf Kalkboden anzutreffen. Sie wächst oft auf Kahlschlägen, in Hecken, Gebüschen und Hainen, aber ebenso in lichten Laub- und Nadelwaldungen. Je höher der Standort desto aromatischer schmecken die Beeren. Bis zum Herbst reifen die himbeerroten Früchte, die seit uralter Zeit vornehmlich zur Bereitung des Himbeersaftes verwendet werden. Himbeeren werden oft auch in Gärten angepflanzt.

Botanisch gesehen ist die Himbeere keine Beere, es handelt sich vielmehr um eine so genannte Sammel(stein)frucht, denn sie besteht aus einer Ansammlung kleiner, runder, mehr oder weniger behaarter Steinfrüchte, die auf einem zapfenförmigen Fruchtboden sitzen.

Abbildung: Himbeere aus Prof. Dr. Thomé, Otto Wilhelm - Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz - in Wort und Bild für Schule und Haus; 1885 - 1905

Himbeeren pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Folia Rubi idaei (Himbeerblätter), Sirupus Rubi idaei (Himbeersirup)

Volksnamen: Ambas, Hohlbeere, Katzenbeere, Madebeere, Mollbeere, Rutzelbeere, Waldhimmelbeere.

Englisch: Raspberry; französisch: Framboise; italiänisch: Lampone; spanisch: Frambuesa.

Stammpflanze: Rubus idaeus L. (Rosaceae)

Verwendeter Pflanzenteil: Junge Blätter, doch vornehmlich Saft aus den Früchten als Geschmackskorrigens.

Inhaltsstoffe der Himbeerblätter: Gerbstoffe vom Gallus- und Ellagsäuretyp, Flavonoide, auch etwas Vitamin C. Die Früchte enthalten neben Aromastoffen, erfrischenden Fruchtsäuren, Vitaminen der B-Gruppe und Provitamin A eine Menge Mineralstoffe (Kalium, Phosphor, Kalzium, Eisen und Magnesium).

Verwendung: Himbeerblätter werden praktisch nur in der Volksmedizin als Mittel gegen Durchfall sowie als Gurgelmittel bei Entzündungen des Mund und Rachenraumes, seltener bei Hauterkrankungen, verwendet. Sie werden auch als Bestandteil im sogenannten Geburtsvorbereitungstee (Brennesselkraut, Frauenmantel, Himbeerblätter, Johanniskraut, Melissenblätter, Schafgarbenkraut zu gleichen Teilen gemischt) empfohlen. Diese Anwendungsgebiete sind jedoch wissenschaftlich nicht belegt.

Himbeerblätter sind in vielen Teemischungen enthalten, siehe Grundrezept für einen gesunden „Haustee“, der gerne als Abwechslung zum Frühstück oder als Ersatz für Schwarztee getrunken wird:

      20 g Himbeerblätter werden mit 10 g Erdbeerblätter und 5 g Brombeerblätter gemischt. Von dieser Mischung nimmt man 2 gehäufte Teelöffel für ¼ l Tee, übergießt mit kochendem Wasser und lässt 5 Minuten ziehen. Mit dieser Grundmischung lässt sich nun experimentieren: eine Prise Thymian oder 1 Teelöffel Hibiskusblüten, Melissenblätter oder Hagebutten verleihen dem Haustee einen guten, charakteristischen und abwechslungsreichen Geschmack.
Anwendung Himbeersirup: Der Himbeersaft ist nach wie vor ein beliebtes Erfrischungsgetränk, der Sirup ist auch eine geschmacksverbessernde Beigabe zur „bitteren Arznei“.

Herstellung von Himbeersirup nach dem Arzneibuch (Sirupus Rubi idaei ÖAB 9):

Die frischen Himbeeren werden mit kaltem Wasser rasch abgespült und hierauf möglichst fein zerquetscht. Dem Beerenbrei setzt man für je 100 g 0,3 g Pektinase zu und lässt bei Zimmertemperatur unter häufigem Durchmischen 1 Tag lang stehen. Hierauf versucht man mit einer kleinen Probe durch abpressen des Saftes einen trockenen Presskuchen zu erhalten. Gelingt dies nicht, sow erden für je 100 g Beerenbrei nochmals 0,3 g Pektinase zugesetzt; nach 12 Stunden wird die Pressprobe wiederholt. Nötigenfalls ist der Zusatz von Pektinase und das Stehenlassen so lange zu wiederholen, bis man beim Abpressen des Saftes einen trockenen Presskuchen erhält. Dem ausgepressten Saft setzt man wieder 0,3 g Pektinase auf je 100 g zu und lässt ihn 1 Tag lang stehen. 10 ml einer filtrierten Saftprobe müssen sich dann mit 5 ml Alkohol (95 Vol%) klar oder höchstens schwach opalisierend mischen, ohne dass Gelatinierung eintritt. Wird die Probe nicht erfüllt, so ist die Behandlung mit Pektinase zu wiederholen. Der fertige Saft wird filtriert; je 100 Teile des Filtrates werden mit 160 Teilen Zucker zum Sirup verkocht. Anschließend wird heiß koliert.

Warum wird das Enzym Pektinase zugegeben ?
Der wichtigste Anwendungsbereich für Enzyme in der Getränkeindustrie ist die Frucht- und Gemüsesaftgewinnung. Besonders Pektinasen kommen hier zum Einsatz, zum Beispiel bei Apfel- und Birnensaft und bei Säften aus Beeren und tropischen Früchten. Sie bauen Pektine ab, die als Stützsubstanzen in den pflanzlichen Zellwänden vorkommen. Dadurch wird die Menge des gewonnenen Saftes erhöht und der Fruchtabfall verringert. Außerdem bauen Pektinasen hochmolekulare Saftinhaltsstoffe – zum Beispiel Pektinstoffe – ab und schaffen so die Voraussetzung, Fruchtsäfte klären, filtrieren oder auch konzentrieren zu können.

So gesund ist das Beerenobst:

Früchte und Beeren enthalten
je 100 g
Energie
ProteinKohlen
hydrate
Ballast
stoffe
MineralstoffeVitamine
kcal
kJ
g
g
g
Na
K
Ca
P
Mg
Fe
A
E
B 1
B 2
Nia
cin
C
mg
mg
mg
mg
mg
mg
µg
mg
mg
mg
mg
mg
Brombeeren482001,293
3
190
30
30
30
0,9
45
0,6
0,03
0,05
0,4
17
Erdbeeren361500,872
2
140
25
30
19
0,9
8
0,2
0,03
0,05
0,5
62
Heidelbeeren602500,6135
1
65
10
10
2
0,7
20
0,02
0,02
0,4
21
Himbeeren401651,385
170
40
45
19
1,0
7
1,4
0,02
0,05
0,3
25
Preiselbeeren431800,393
2
65
13
10
5
0,5
4
0,01
0,02
12
Stachelbeeren431800,893
2
200
30
30
15
0,6
34
1,0
0,02
0,02
0,2
34

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TV-Apothekerin Mag. Haase zum Thema
Himbeeren in der Sendung
„Sommerzeit“ am 23. Juli 2008:

Zur Zeit locken die reifen Himbeeren im Garten aber auch im Wald. Doch die roten Früchtchen schmecken nicht nur hervorragend - sie werden auch pharmazeutisch genutzt. Wie verrät unsere Apothekerin Mag. Barbara Haase heute bei uns in "Sommerzeit".

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