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Heilpflanzen bei Verdauungsstörungen
 
 
Gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Ballaststoffen und Vollkornprodukten in Kombination mit Sport, auch wenn dies »nur« ausgedehnte Spaziergänge an der frischen Luft sind, stellen die wichtigsten Waffen gegen Verdauungsprobleme dar. Gefährlich ist vor allem eine dauernde Überbelastung unseres Organismus durch falsche Kost – Bewegungsarmut – und Flüssigkeitsmangel. Weiters können auch Ärger, Stress, Übermüdung und Genussmittel, wie Nikotin und Alkohol den Verdauungsorganen schaden.


Denn wenn der Körper mit der Verdauung kalorienhältiger, fetter Nahrungsmittel beschäftigt ist, hat er für andere Aktivitäten wesentlich weniger Kraft. Sodbrennen, Völlegefühl, Übelkeit und Schlafstörungen stellen noch die harmlosesten Auswirkungen falscher Essgewohnheiten dar.

Die heilsame Wirkung von verschiedenen Kräutern beruht auf Jahrhunderte alten Erfahrungen und sind außerdem wissenschaftlich belegt. Die Ausgangsstoffe für pflanzliche Arzneimittel, auch Phytopharmaka genannt, sind meist getrocknete zerkleinerte Pflanzenteile, wie Blüten, Blätter, Früchte, Rinden, Samen und Wurzeln. In der Pharmazie bezeichnet man diese als »Drogen«.

Bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes werden hauptsächlich Tees, Tinkturen und Extrakte eingesetzt. Bei der Extrakt- und Tinkturenherstellung, auch Extraktion genannt, werden die Wirkstoffe unter Verwendung von Alkohol - Wassergemischen, reinem Alkohol oder Glycerin aus den Pflanzenteilen herausgelöst und können in weiterer Folge in unserem Körper ihre Wirkung entfalten. Für Apothekenprodukte werden nur qualitativ hochwertige Kräuter mit einem bestimmten Wirkstoffgehalt eingesetzt, um eine garantierte Wirkung zu erzielen.

Welche Pflanzeninhaltsstoffe wirken?

Bitterstoffe

Bitterstoffdrogen sind ausschließlich wegen ihres bitteren Geschmacks von Interesse. Diese werden häufig auch als »Amara« bezeichnet. Sie regen die Magensaftproduktion an und können so appetitanregend wirken und die Verdauung unterstützen. Die bekanntesten bitterstoffführenden Pflanzen sind Enzian, Löwenzahn, Tausendguldenkraut und Wermut.

Ätherische Öle

Ätherische Öle haben in den letzten Jahren einen regelrechten Aufschwung erlebt, dabei werden sie schon seit alters her verwendet. Sie verleihen den Pflanzen ihren Duft und den Gewürzen ihr pikantes Aroma. Da ihre Herstellung – meist eine Wasserdampfdestillation oder ein Auspressverfahren – sehr aufwendig und die Ausbeute sehr gering ist, sind »echte« ätherische Öle sehr teuer. Man sollte unbedingt auf die Qualität achten und sich nicht durch verlockende Billigangebote – ohne Wirkung – verleiten lassen. In der Apotheke erhält man ätherische Öle, die dem gültigen Arzneibuch (Österreichisches oder Europäisches) entsprechen müssen.

In verdauungsfördernden Zubereitungen enthaltene ätherische Öle weisen krampflösende und entzündungshemmende Eigenschaften auf. Einige zeigen sogar antibakterielle Wirkung.

Flavonoide

Bei Flavonoiden handelt es sich um Pflanzeninhaltsstoffe, die im Bereich des Magen-Darm-Traktes aufgrund ihrer krampflösenden Wirkung eingesetzt werden.

Cumarine

Cumarine sind ebenfalls Pflanzeninhaltsstoffe, die bei Verdauungsproblemen aufgrund ihrer krampflösenden, beruhigenden, und bakteriziden Wirkung verabreicht werden.

Diese Pflanzen helfen bei Verdauungsproblemen:

Enzianwurzel

Enzianwurzel (Radix Gentianae) wird bei Verdauungsbeschwerden, wie Appetitlosigkeit, Völlegefühl und Blähungen eingesetzt. Die wesentlichen Wirksubstanzen der Droge sind die enthaltenen Bitterstoffe. Enzianwurzel dient einerseits als kräftiges Bittermittel der Appetitanregung und andererseits als Stärkungsmittel und Tonikum. Außerdem besitzt die Pflanze auch einen cholagogen Effekt. Ein Cholagogum kann den Gallenfluss entweder durch Steigerung der Gallenproduktion in der Leber (= Choleretikum) oder der Gallenblasenentleerung (= Cholekinetikum) fördern.

Kümmel

Kümmel (Fructus Carvi) wird aufgrund seiner krampflösenden Wirkung bei Verdauungsbeschwerden (dyspeptischen Beschwerden), wie leichte, krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, Völlegefühl und Blähungen, verwendet. Als Inhaltsstoffe spielen sowohl das ätherische Öl als auch die Cumarine eine Rolle.

Das enthaltene ätherische Öl regt die Magensaftsekretion an und fördert den Appetit. Wegen der guten krampflösenden Wirkung, ähnlich wie Fenchel, Anis und Koriander, wird diese Droge bei starker Gasansammlung im Darm und bei Blähungen, eingesetzt. Sie ist aber auch als Cholagogum (s.o.) von großem Nutzen. Kümmel-Präparate erfreuen sich besonders in der Pädiatrie, also Kinderheilkunde, großer Beliebtheit.

Für Kümmelöl ist eine beträchtliche fungizide (pilztötende*) und antibakterielle Wirkung festgestellt worden.

Zimtrinde

Als Inhaltsstoffe der Zimtrinde (Cortex Cinnamomi) sind uns vor allem das ätherische Zimtöl, das ja wegen seines guten, charakteristischen Geruchs vor allem in der Weihnachtszeit gerne für Duftlampen verwendet wird, bekannt.

In der Phytotherapie werden die antibakterielle und fungistatische – das Wachstum von Pilzen wird gehemmt – Wirkung der Zimtrinde genutzt. Außerdem vermag Cortex Cinnamomi die Bewegung des Verdauungstraktes zu beschleunigen.

Zimtrinde wird als Arzneimittel gegen Magenbeschwerden, bei Völlegefühl und Blähungen, bei leichten Krämpfen im Magen-Darm-Bereich und zur Anregung des Appetits verwendet.

Solche blähungstreibenden Mittel, wie die Zimtrinde, wirken gärungswidrig, krampflösend, besitzen zum Teil entzündungshemmende Eigenschaften und wirken beruhigend auf die Mobilität des erdauungstraktes, womit Blähungen bekämpft wurden.

Löwenzahnwurzel

Die bekannten Inhaltsstoffe des Löwenzahns sind Bitterstoffe, Flavonoide und Cumarine.

Löwenzahnwurzel (Radix Taraxaci) wird zur Appetitanregung, bei Störungen des Gallenflusses, sowie bei Verdauungsbeschwerden, wie Völlegefühl und Blähungen, insbesondere bei mangelhafter Fettverdauung eingesetzt. Außerdem wird Löwenzahn in der Volksheilkunde als mildes Abführmittel verwendet.

Pfefferminze

Bei innerer Anwendung kommt die Pfefferminze als pflanzliches Magen-Darm-Mittel bei akuter und chronischer Gastritis und Enteritis, bei Verdauungsstörungen, bei kolikartigen, krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, der Gallenblase und der Gallenwege in Form von Tees zum Einsatz. Sie steigert außerdem die Gallenproduktion (choleretische Wirkung). Pfefferminzöl (Aetheroleum Menthae Piperitae), mit dem Hauptinhaltsstoff Menthol, wird u.a. bei Blähungen verwendet.

Bitterorangenschalen

In der Bitterorangenschale (Epicarpium und Mesocarpium Aurantii Amari) sind verschiedene Arten von Flavonoiden, das ätherische Öl und Cumarine für die Wirkung verantwortlich.

Bitterorangenschalen werden zur Anregung der Magensaftsekretion und des Appetits, bei Verdauungsstörungen, wie Völlegefühl und Blähungen eingesetzt. Daneben werden sie häufig zur Korrektur des Geschmacks verwendet.

Wermutkraut

Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden mit leichten Krämpfen im Magen-Darm-Bereich, Völlegefühl, Blähungen, krampfartige Störungen im Bereich der Gallenwege sind die Einsatzgebiete des Wermutkrautes (Herba Absinthii). Die Wirkung beruht auf dem Gehalt an Bitterstoffen und ätherischen Ölen.

Kamille

Für therapeutische Zwecke werden die Blütenköpfchen, lateinisch Flos Chamomillae, verwendet. Kamillenblüten guter Qualität, wie man sie in der Apotheke erhält, bestehen aus einem idealen Gemisch an Inhaltsstoffen, um bei den verschiedensten Beschwerden Linderung zu schaffen. Für die Wirkungen der Kamille als hauptverantwortlich gelten das enthaltene ätherische Öl und die Flavonoide. Ungeeignet für die Linderung diverser Beschwerden sind Kamillenfilterbeutel, wenn sie lediglich Kamillenkraut und keine Blüten enthalten, denn dieses wiederum hat einen viel zu geringen Gehalt an ätherischem Öl! Kamillenblüten stellen sowohl als Teezubereitung als auch als Extrakt in Form flüssiger Arzneizubereitungen ein wissenschaftlich sehr gut untersuchtes, ideales Hausmittel dar.

Die Kamillenblüte wird im Bereich der Magen und Darmerkrankungen aufgrund ihrer entzündungshemmenden, krampflösenden, blähungstreibenden und antibakteriellen Wirkung verwendet. Die Kamille wird innerlich in Form von Tees verabreicht. Äußerlich eignet sie sich für Spülungen, Bäder, Inhalationen und Waschungen.

Tausendgüldenkraut

Tausendgüldenkraut (Herba Centaurii) wird als Bittermittel aufgrund seiner Fähigkeit die Magensaftsekretion zu steigern, bei Appetitlosigkeit eingesetzt. Auch bei Verdauungsbeschwerden und besonders bei Beschwerden im Bereich des ableitenden Gallensystems schafft es Abhilfe.

Hopfen

Hopfen (Flos Lupuli) wirkt bekannterweise beruhigend und schlaffördernd und wird daher bei Befindensstörungen, wie Unruhe und Angstzustände, bei Schlafstörungen, Spannungszuständen und auch bei Übererregbarkeit eingesetzt. Wahrscheinlich sind die enthaltenen Bitterstoffe für die Wirkung verantwortlich.

Baldrianwurzel

Die Baldrianwurzel (Radix Valerianae) wird vor allem aufgrund ihrer beruhigenden Wirkung in diversen Zubereitungen eingesetzt. Welche Inhaltsstoffe von Baldrianwurzel wirklich für die Wirkung verantwortlich sind, ist noch immer nicht vollständig geklärt.

Eibischwurzel

Die verwendeten Pflanzenteile des Eibisch sind die Wurzel und das Blatt (Radix et Folium Althaeae). Die enthaltenen Schleimstoffe wirken reizlindernd. Eibisch findet daher bei Schleimhautentzündungen im Magen-Darmbereich Verwendung.

Käsepappelblüten

Aufgrund der enthaltenen Schleimstoffe werden Zubereitungen der Malvenblüte (Flos Malvae), meist in Form von Tees, zur Reizlinderung bei Entzündungen im Magen-Darmbereich verwendet.

Leinsamen

Auch der Leinsamen (Semen Lini) wird in Form einer Schleimzubereitung bei Entzündungen der Magenschleimhaut und des Darmes eingesetzt.

Bei anhaltenden unklaren Beschwerden im Magen-Darmbereich ist eine ärztliche Abklärung erforderlich. Leinsamen darf bei drohendem oder bestehendem Darmverschluss (Ileus) nicht eingenommen werden.

Die innerliche Anwendung von Leinsamen muss immer mit reichlicher Flüssigkeitszufuhr verbunden sein, damit er nicht vorzeitig quillt und dadurch Rachenraum oder Speiseröhre verstopft und zum Ersticken führen kann. Bei anhaltenden unklaren Beschwerden im Magen-Darmbereich ist eine ärztliche Abklärung erforderlich. Leinsamen darf bei drohendem oder bestehendem Darmverschluss (Ileus) nicht eingenommen werden.

Quelle und mehr darüber:
Heft 07/2005