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Hepatitis A und B: Impfen schützt
 
 

Hepatitis A

Erreger: Hepatitis A-Virus (RNA-Virus)

Infektionsquelle: Mensch

Übertragung: über den Stuhl infizierter Personen (fäko-oral). Die Übertragung erfolgt zumeist über kontaminiertes Wasser oder durch eine Schmierinfektion (z. B. Berühren von verschmutzten Gegenständen wie Toilettenspülungen, Türgriffen, Wasserhähnen, Handtüchern, Besteck, Gläsern sowie durch Handgriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln).
Ungenügend gegarte Fische und Meeresfrüchte sind ebenso eine Infektionsquelle wie Eiswürfel, nicht abgekochtes Wasser, Speiseeis oder Obst und Gemüse, das nicht geschält werden kann.
Hepatitis A ist eine der bedeutendsten Nahrungsmittelinfektionen und wird auch als „Reisehepatitis“ bezeichnet.

Inkubationszeit: 3-6 Wochen.

Krankheitsbild: Beginn mit uncharakteristischen Allgemeinbeschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, eventuell Fieber, Kreuzschmerzen, Müdigkeit.
In der Folge kommt es zum Auftreten einer Gelbsucht (Gelbfärbung von Haut und Augen) mit hellem Stuhl und dunklem Harn.
Im Rahmen der Laboruntersuchungen ist eine deutliche Erhöhung der Leberfunktionsparameter (SGOT und SGPT, Bilirubin) sichtbar.
Der Verlauf ist bei Kindern meist mild, bei Erwachsenen allerdings nimmt er an Schwere zu; ab dem 40. Lebensjahr oder bei Personen mit vorgeschädigter Leber muss mit Todesfällen gerechnet werden.

Bei der Hepatitis A gibt es keine chronischen Verläufe, die Erkrankung heilt – nach einer mehrwöchigen Erkrankungsphase – komplett aus.

Behandlung: nur symptomatisch (Absenken des Fiebers). Wie bei den meisten virusbedingten Leberentzündungen ist eine spezifische Therapie nicht möglich.

Bedeutung und Vorkommen: Hepatitis A ist in fast allen tropischen und subtropischen Regionen heimisch. So gut wie alle Einheimischen in diesen Ländern sind mit Erreichen des Schulalters bereits mit dem Virus in Kontakt gekommen und dann immun.
Da das Virus mit dem Stuhl ausgeschieden wird, ist das Vorkommen sehr eng mit den hygienischen Bedingungen verbunden. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Ausscheidung des Virus mit dem Stuhl dann am größten ist, wenn der „Patient“ noch weitgehend beschwerdefrei ist und von seiner Erkrankung noch nichts weiß.
Das Hepatitis A-Virus ist gegen Umwelteinflüsse und Temperaturen bis zu 80˚ C sehr resistent.

Das Risiko einer Reisehepatitis hängt von der allgemeinen hygienischen Infrastruktur der bereisten Region ab und vom persönlichen Reisestil.
In einem hygienisch hoch entwickelten Land wie z.B. Österreich, sind Infektionen sehr selten, daher kann in der Bevölkerung keine Immunität aufgebaut werden. Wird das Virus z.B. durch eine Infektion im Ausland eingeschleppt, dann kann es sehr leicht zu einer Übertragung kommen.

Vorbeugung: Den besten Schutz bietet die aktive Impfung. Sollte diese nicht durchgeführt werden, reduziert Hygiene das Risiko einer Ansteckung (Hände waschen nach jedem Toilettenbesuch) sowie Kochen und Schälen von Früchten und Gemüse in Ländern mit hygienisch unzureichenden Verhältnissen, Vermeiden von mit Eiswürfel gekühlten Getränken und rohen oder unvollständig gegarten Meerestieren.

Gratiskinderimpfprogramm:
Die Hepatitis A Impfung (HAV) ist nicht im Gratiskinderimpfprogramm enthalten.

Kinder- und Erwachsenenimpfung:
Die Impfung wird für Kinder ab dem 2. Lebensjahr und Erwachsene empfohlen, besonders wenn die angegebenen Indikationen zutreffen.

Indikations-/Reiseimpfung:
Kindern wird vor dem Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen, Erwachsenen, die berufsbedingt ein erhöhtes Expositionsrisiko haben, die Impfung besonders empfohlen, ebenso Personen mit chron. Lebererkrankung, Personen bei Kontakt mit Hepatitis Erkrankten bzw. Virus-Ausscheidern.
Reiseimpfung: Touristen, beruflich Reisende, diplomatischer Dienst und Entwicklungshilfe in/nach Endemiegebieten.

Impfschema:
Grundimmunisierung: 0/6 Monate für Kinder ab dem 2. Lebensjahr und Erwachsene.
Ab dem 2. Lebensjahr kann auch in Kombination mit Hepatitis B (Kinderformulierung bis zum vollendeten 16. Lebensjahr) geimpft werden (0/1/6 Monate).
Die Hepatitis A Impfung kann ab dem 15. Lebensjahr auch als Kombinationsimpfstoff mit Typhus gegeben werden, Auffrischung mit Hepatitis A monovalentem Impfstoff nach frühestens 6 Monaten. Weitere Auffrischungsimpfungen nach frühestens 20 Jahren empfohlen.

Nach derzeitig verfügbaren Daten kann nach Abschluss der Grundimmunisierung mit einem langjährigen Schutz gerechnet werden.
Die Kinderimpfung bewirkt außer dem Schutz des Kindes zusätzlich die Ausschaltung der wichtigsten Infektionsquelle für die Erwachsenen.
Personen mit chronischer Lebererkrankung (insbesondere Personen mit chronischer HBV oder HCV Infektion) haben ein hohes Risiko, sehr schwer an Hepatitis A zu erkranken, und sollten daher unbedingt geimpft werden.


Indikationen:

    • Kleinkinder vor Eintritt in eine Gemeinschaftseinrichtung
    • HAV-gefährdetes Personal medizinischer Einrichtungen, einschließlich Schülerinnen/Schüler und Studentinnen/Studenten, z. B. Pädiatrie, Infektionsmedizin, Labor (Stuhluntersuchungen), inklusive Küchen- und Reinigungspersonal
    • Alle in Lebensmittelbetrieben und in der Gastronomie tätige Personen
    • Personal von Großküchen, Großcatering, Spitalsküchen und vergleichbare Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung
    • Personal von Kinderbetreuungseinrichtungen und Einrichtungen für geistig Behinderte
    • Kanalisations- und Klärwerkpersonal; Personal, das häufig mit Fäkalien in Kontakt kommt
    • Personal plasmafraktionierender Unternehmen
    • Ersthelfer, Militärpersonal bei möglicher Exposition, speziell unter Feld- oder Übungsbedingungen
    • Personen mit häufigem Bedarf an Plasmaprodukten (z.B.: Hämophile)
    • Nicht immune Personen mit chronischer Lebererkrankung wie z.B.: HCV-Infizierte und HBVCarrier
    • Kontaktpersonen zu an Hepatitis-A-Erkrankten oder HAV-Ausscheidern
    • Personen mit Sexualverhalten, welches bezüglich Hepatitis A riskant sein kann.


Hepatitis B

Erreger: Hepatitis B Virus

Infektionsquelle: Das Reservoir des Hepatitis B-Virus ist ausschließlich der Mensch.

Übertragung: durch Körperflüssigkeiten wie Speichel, Blut, Tränenflüssigkeit, Samenflüssigkeit, Scheidenflüssigkeit, Muttermilch etc. vor allem durch ungeschützte Sexualkontakte mit Virusträgern oder durch ärztliche Eingriffe, wenn nicht Einmalgeräte verwendet werden. Ebenso beim Tätowieren und Piercen kann es zu einer Übertragung kommen, weiterhin durch Bluttransfusionen, Verwendung infizierter Spritzen Drogenabhängiger. Sehr kleine Hautverletzungen genügen, durch die das Virus in die Blutbahn gelangt. Eine Übertragung durch gemeinsam benutzte Handtücher oder Zahnbürsten ist eher selten.
Schwangere, die zum Zeitpunkt der Geburt an Hepatitis B leiden, übertragen die Krankheit in rund 90% der Fälle während der Geburt auf ihr Kind, die zwar meist ohne wesentliche Krankheitssymptome verläuft, aber die Betroffenen tragen das Virus in sich und können andere infizieren und haben ein erhöhtes Risiko an Leberkrebs zu erkranken.

Inkubationszeit: 1-6 Monate

Krankheitsbild: mehr als die Hälfte aller Hepatitis B-Erkrankungen verlaufen ohne Gelbsucht oder sogar symptomlos.

Die klassische Hepatitis B beginnt mit Übelkeit, manchmal Erbrechen, Fieber, Appetitlosigkeit. Es kann sich dann Gelbsucht (Haut, Schleimhaut und Augenweiß färben sich gelb) entwickeln. Die Erkrankung dauert zwischen 2 und 12 Wochen und heilt mit einer langen Genesung von ungefähr mehreren Monaten ab.

Bei einem geringen Prozentsatz der Infizierten geht die akute Hepatitis B jedoch in eine chronische Form über, die über viele Jahre zu einer fortschreitenden Leberschädigung führen kann und ein erhöhtes Risiko an einem Leberkarzinom zu erkranken in sich birgt.
In weniger als 1% der Fälle kann die akute Hepatitis B auch fulminant verlaufen mit Zerstörung der Leber, die sich zwar spontan bessern kann, oft aber auch zur akuten Lebertransplantation oder zum Tod führt.

Diagnose: entsprechende Blutuntersuchungen

Behandlung: es stehen Medikamente zur Verfügung, mit denen eine chronische Hepatitis B kontrolliert werden kann. Eine frühe Diagnose mit rechtzeitigem Therapiebeginn ist für den Heilungserfolg sehr wichtig, bevor es zu einer schweren Schädigung der Leber mit fortgeschrittener Leberzirrhose kommt. Sicherer ist allerdings die Schutzimpfung, mit der man sich vor Infektion und Erkrankung schützen kann.

Bedeutung und Vorkommen: Das hochinfektiöse Hepatitis B Virus (HBV) gehört weltweit zu den häufigsten viralen Infektionserregern. Ca. 2 Milliarden Menschen sind infiziert, 350 Millionen Menschen sind chronisch infiziert, in Österreich leben etwa 42.000 chronisch erkrankte oder das Virus beherbergende Personen. Etwa 600.000 Menschen sterben weltweit pro Jahr an den direkten Folgen einer Hepatitis. HBV verursacht weltweit 60-80% der primären Leberkarzinome.

Gratiskinderimpfprogramm: Im Rahmen der 6-fach Impfung wird die Impfung gegen Hepatitis B (HBV) nach dem 2+1 Schema im 3., 5. und 12. (-14.) Lebensmonat geimpft. Nach der Grundimmunisierung im Säuglings- bzw. Kleinkindalter ist eine Auffrischungsimpfung im 7. bis 13. Lebensjahr empfohlen.
Routinemäßige weitere Auffrischungsimpfungen sind in der Folge nur bei Risikopersonen notwendig (siehe unten).
Bei fehlender Grundimmunisierung soll die Hepatitis B-Immunisierung spätestens im 13. Lebensjahr durchgeführt werden, da das Infektionsrisiko ab diesem Alter wieder steigt.

Erwachsenenimpfung: Die HBV-Impfung kann in jedem Lebensalter nachgeholt werden, laut WHO-Empfehlung soll jeder geimpft sein. Dafür stehen monovalente sowie bivalente Totimpfstoffe (in Kombination mit Hepatitis A) zur Verfügung.

Indikations-/Reiseimpfung: Die HBV-Impfung ist besonders wichtig für: Personen mit chronischen Lebererkrankungen, Dialysepatienten, Personen mit häufigem Bedarf an Plasmaprodukten, medizinisches Personal (einschließlich Schülerinnen/Schüler und Studentinnen/Studenten medizinischer Berufe), Personen mit möglichem beruflichen Kontakt mit Blut infizierter Personen, Personen mit riskantem Sexualverhalten, i.v. Drogenabhängigen. Prädialyse- und Dialysepatienten mit höherer Antigenmenge nach Standardschema impfen. Wichtig: Hepatitis-B-Prophylaxe von Neugeborenen HBsAg-positiver Mütter. (siehe unten)
Reiseimpfung: grundsätzlich für alle Reisenden zu empfehlen.

Impfschema:
Grundimmunisierung im Säuglingsalter: 2+1 Schema: 0/2 Monate, 6/9 Monate nach 2. Impfung.
Grundimmunisierung: 0/1/6 Monate; beschleunigtes Schema: 0/1/2/12 Monate; Schnellimmunisierung: 0/7/21 Tage/12 Monate. Die Hepatitis B Impfung kann auch als Kombinationsimpfung mit Hepatitis A gegeben werden.

Auffrischungsimpfung: Nur nach Säuglingsimpfung im Schulalter auffrischen, routinemäßige Auffrischung nicht erforderlich (Ausnahme Risikogruppen). Nähere Informationen, Hepatitis-B-Prophylaxe der Neugeborenen von HBsAg-positiven Müttern, sowie die Postexpositionelle Prophylaxe bei möglicher Exposition mit HBV-haltigem Material finden Sie im Impfplan.

Indikationen:
1. Generelle Hepatitis B Impfung für alle Personen: Die WHO empfiehlt eine weltweite generelle Hepatitis B Impfung und Inkludierung in das Kinderimpfprogramm um die Erkrankung auszurotten.

2. Für folgende Risikopersonen gilt die Empfehlung für Grundimmunisierung und regelmäßige Auffrischungsimpfungen bzw. Titerkontrollen:

    • Alle in medizinischen Berufen tätigen Personen, auch Schülerinnen/Schüler und Studentinnen/Studenten dieser Berufe
    • Personen mit Infektionsrisiko durch Blutkontakte mit möglicherweise infizierten Personen (Ersthelfer, Polizisten); Personen, die beruflich Injektionsnadeln einsammeln oder entsorgen, Personal plasmafraktionierender Unternehmen, Personal von Einrichtungen für geistig Behinderte
    • Kontaktpersonen zu an Hepatitis B Erkrankten oder HBsAg-Trägern, sofern sie nicht bereits immun oder der nicht selbst HBsAg-Träger sind
    • Nicht immune Personen mit chronischer Lebererkrankung
    • Personen mit häufigem Bedarf an Plasmaprodukten (z. B. Hämophile), Prädialyse- und Dialysepatienten
    • Personen mit riskantem Sexualverhalten (Sexualpartner von HBsAg-Trägern, häufiger Wechsel von Sexualpartnern)
    • Intravenös Drogenabhängige.