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Allergie: lästig, belastend, gefährlich
 
 
Der Begriff »Allergie« wurde zu Beginn des vorigen Jahrhunderts vom Wiener Kinderarzt Clemens von Pirquet geprägt und bedeutet »Fremdreaktion«. Es kommt nach einem Erstkontakt mit den Allergenen, der so genannten

Sensibilisierung bei weiteren Kontakten zu allergischen Symptomen. Im akuten Stadium der allergischen Entzündung werden Mediatoren, allen voran Histamin, ausgeschüttet. Die Häufigkeit von Allergien in der
Allgemeinbevölkerung der Industrienationen beträgt bis zu 20 Prozent und ist in den letzten Jahrzehnten im Zunehmen begriffen.

Ursächlich für die Entstehung einer Allergie werden neben der genetischen Veranlagung – ist ein Elternteil allergisch, liegt das Risiko für das Kind bei rund 30 % auch Allergien zu entwickeln; sind Vater und Mutter Allergiker, steigt diese Wahrscheinlichkeit auf über 60% – Ernährungs- und Umweltfaktoren abgesehen. So scheint die mikrobielle Umwelt in bäuerlichen Betrieben vor der Entstehung von Allergien zu schützen. Stillen sowie mütterlicher Fischkonsum, die Durchführung von Impfungen und der Verzicht auf Tabak wirken sich ebenfalls bremsend auf die Allergieentstehung aus. Als schädlich erwiesen sich darüber hinaus erhöhte Ozonwerte und Dieselruß-Partikel.

SO ZEIGT SICH EINE ALLERGIE
Die Symptome einer Allergie betreffen in erster Linie Nase und Augen, Haut und Schleimhäute, Lunge sowie den Magen-Darm-Trakt und können bis zum anaphylaktischen Schock reichen. Verdächtig für das Vorliegen eines allergischen Schnupfens sind: wässriges Nasenlaufen, verstopfte Nase, Niesreiz und nasaler Juckreiz mit oder ohne Bindehautentzündung. Bei bis zur Hälfte der Patienten mit allergischem Schnupfen kommt es zum so genannten Etagenwechsel und betrifft in weiterer Folge auch die tiefen Atemwege wie Bronchien und Lunge.

BEHANDLUNG DER URSACHE
Um dies zu verhindern, gilt als einzige ursächliche Therapie die Durchführung einer spezifischen Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. Dabei werden abgeschwächte Allergene zugeführt mit dem Ziel, dass im Laufe der Therapie eine Toleranz entwickelt wird. Dies geschieht durch Stichimpfungen oder Impfungen in Tropfenform. Wichtig ist eine entsprechende Aufklärung und das konsequente »Durchziehen der Therapie«, da die Hyposensibilisierung über eine Dauer von drei bis fünf Jahren durchgeführt werden sollte, um erfolgreich zu sein.

BEKÄMPFUNG DER SYMPTOME
Bei leichteren Beschwerden können moderne, symptomatisch wirkende Medikamente helfen. Hier bewähren sich vor allem intranasale Steroide sowie Antihistaminika in unterschiedlichen Darreichungsformen. Abschwellende Nasentropfen sollten zur Vermeidung einer Schädigung der Nasenschleimhaut nur kurzfristig und intramuskuläre Glukokortikoide gar nicht angewendet werden. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker.

LEBENSQUALITÄT IM VORDERGRUND
Die deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität von Patienten mit unzureichend behandelten Allergien ist vielfach belegt. Wegweisend für die Einschätzung des Schweregrades der Erkrankung sind die Beeinträchtigung des Schlafes sowie von Aktivitäten in Beruf und Freizeit. Nur wenn es in diesen drei Bereichen zu keinen Einschränkungen kommt und die Symptome nicht als störend empfunden werden, kann von einer milden Form der Allergie ausgegangen werden.

DIE RICHTIGE DIAGNOSE
Die Diagnose einer allergischen Erkrankung ergibt sich durch Zusammenschau der Krankheitsgeschichte, der Ergebnisse von Hauttests, Blutuntersuchungen und eventueller Provokationstests. Dabei zeigt sich die detaillierte Krankheitsgeschichte als besonders wichtig, da allein die genaue Beschreibung der Symptome und aller auslösenden Umstände – z.B. Tages- und Jahreszeit, mögliche Auslöser wie Nahrungsmittel, Tiere etc. – zu einer Verdachtsdiagnose führen. Als nützliches Hilfsmittel hat sich das Pollentagebuch (www.pollentagebuch.at) bewährt. Mit den Hauttests stehen schmerzlose und für die jeweilige klinische Situation geeignete und empfindliche Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Der Nachweis Allergen-spezifischer Antikörper im Blut kann die Verdachtsdiagnose bestätigen oder widerlegen. In zweifelhaften Fällen können Provokationstests Klarheit schaffen. Dabei werden die verdächtigten Allergene auf das Reaktionsorgan unter kontrollierten Bedingungen aufgebracht und sowohl objektive als auch subjektive Parameter gemessen.

AUTOR: PRIV.-DOZ. DR. CHRISTIAN A. MÜLLER

Die Apotheke 10/2012
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