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Orale Kontrazeptiva: Interaktionen mit Johanniskraut ?
 
 
Johanniskrautpräparate in sehr hohen Dosen können die Plasmakonzentrationen von anderen Medikamenten im Körper abschwächen. Das betrifft vor allem die antivirale Therapie mit z.B. Azidothymidin bei HIV positiven Patienten. Die Interaktionen dürften auf einer Induktion des Cytochrom-Systems beruhen.


Möglicherweise könnten auch andere Substanzen in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt werden (z. B. herzwirksame Glykoside, Theophyllin u. a.). Auch über eine mögliche Wechselwirkung mit der „Pille“ wird diskutiert. Wie die schwedische Arzneimittelbehörde Anfang 2002 in Stockholm mitteilte, sind in zwei ihr bekannten Fällen ungewollte Schwangerschaften trotz Einnahme des Verhütungsmittels aufgetreten. In beiden Fällen seien die Frauen mit Johanniskraut-haltigen Tabletten gegen leichte Depressionen behandelt worden. In einer Studie der amerikanischen Arzneimittel-Überwachungsbehörde FDA wurde gezeigt, dass es bei gleichzeitiger Einnahme von Johanniskraut und der Anti-Baby-Pille zu einer höhere Rate an Zwischenblutungen kommt, der natürliche Hormonspiegel wird jedoch nicht beeinflusst. Johanniskraut, gleichzeitig mit einem oralen Kontrazeptivum eingenommen, beeinträchtigt nach dem FDA Studienleiter, Professor Dr. Stephen D. Hall, Klinischer Pharmakologe und Toxikologe an der Indiana Universität in Indianapolis, die empfängnisverhütende Wirkung der „Pille“ nicht. Die in diesem Zusammenhang vermuteten ungewollten Schwangerschaften gehen seiner Meinung nach eher auf die Tatsache zurück, dass einige Frauen nach der Zwischenblutung möglicherweise die Pille abgesetzt haben.

Zusammenfassend: Johanniskraut verursacht vor allem pharmakokinetische Interaktionen mit CYP3A4- und P-Glykoprotein-Substraten. Deshalb ist Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente angebracht.