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Pilzvergiftung: Bei Verdacht rasch handeln
 
Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen zeigen einen typischen mehrphasigen Verlauf
 


Den giftigen Fliegenpilz kennt jeder. Den kann man auch nicht so leicht mit einem Speisepilz verwechseln. Gute Schwammerln haben aber oft tödliche Doppelgänger. Den Knollenblätterpilz etwa, der ab August in Laub- und Laubmischwäldern wächst. Er ist einer der gefährlichsten Giftpilze, hat einen 5-15 Zentimeter großen Hut, weiße Lamellen und typischerweise eine weiße Manschette am Stiel. Das Stielende ist knollig und wächst aus einer lappigen und häutigen Tasche. Die Farbe des Huts kann grün, grün-gelb oder weiß sein.

Leider kommt es in jedem Jahr bei Liebhabern von selbst gesammelten Champignonarten zu bedauerlichen Verwechslungen mit Knollenblätterpilzen. Die hochgiftigen Knollenblätterpilz-Arten enthalten zwei verschiedene Gifte, die sowohl gegenüber Hitze als auch den Enzymen des Magen-Darm-Traktes stabil sind. Die letale Dosis beträgt beim Menschen 0,1 mg pro kg Körpergewicht, im Durchschnitt also 5 bis 8 mg, eine Menge, die bereits in einem Pilz durchschnittlicher Größe enthalten ist.

Die Vergiftung verläuft in mehreren Phasen:
  • Latenzphase ohne Symptome: 6 bis 24 Stunden nach der Pilzmahlzeit.
  • Phase mit Magen- und Darmbeschwerden: Dauer ca. 6 bis 9 Stunden. Kennzeichen sind heftige, wässrige choleraartige Durchfälle, starke Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
  • Symptomarmes, ca. 12 bis 24 Stunden andauerndes Intervall (auch als "trügerisches Intervall" bezeichnet).
  • In schweren Fällen schreitet die Leberschädigung nun rasch voran. Meist am 4. Tag nach der Pilzmahlzeit kommt es zu Gelbfärbung der Haut und der Schleimhäute, Druckempfindlichkeit der vergrößerten Leber, Bewusstseinsstörungen, wenig Harnabscheidung, oft auch Untertemperatur und Schüttelfrost.

Bei exakter Diagnose und Einhaltung eines speziellen Therapieschemas, in dem auch Präparate eine wichtige Rolle spielen, die aus der Mariendistel gewonnen werden, können heute Todesfälle weitgehend vermieden werden. In sehr schweren Fällen kann lediglich die Lebertransplantation das Leben erhalten. Die Gesamtsterblichkeit liegt bei 10 bis 20 Prozent.

Weitere Informationen zum Knollenblätterpilz gibt es unter www.gizbonn.de/

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Der Knollenblätterpilz ist stark giftig, bei Vergiftungsverdacht in Österreich den Notarzt (144) bzw. die Vergiftungsinformation (01 / 406 43 43) anrufen! Die Vergiftungsinformationszentrale www.giftinfo.org bietet rund um die Uhr ärztlich-toxikologische Beratung bei akuten Vergiftungsfällen unter der Notrufnummer 01 – 406 43 43 an.