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Am 8. Mai 1980 wurde die Ausrottung der Pocken bestätigt
 
Der Einsatz des Pockenvirus als biologische Waffe würde eine ernsthafte Bedrohung für die Welt darstellen.
 
Das Jahr 2005 markiert den 25. Jahrestag der weltweiten Ausrottung der Pocken, einer der grössten Erfolge des öffentlichen Gesundheitswesens in der Weltgeschichte und die einzige Krankheit, die bisher von der Menschheit eliminiert werden konnte. Pocken sind schon seit Jahrtausenden bekannt. Die Mumie von Pharao Ramses II. von Ägypten zeigt deutliche Pockennarben. Aber auch Kaiserin Maria Theresia (13.5.1717 - 29.11.1780), überlebte 1768 im Alter von 50 Jahren eine Pockeninfektion, so wie übrigens auch Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), in seinem Werk "Dichtung und Wahrheit" beschrieb er sehr eindrucksvoll seinen eigenen Krankheitsverlauf.

Pocken sind eine hochgradig ansteckende, lebensgefährliche Infektionskrankheit, die durch Viren verursacht wird. auf Grund der hohen Ansteckungskraft breiteten sich die Pocken rasch aus. Allein im 20. Jahrhundert starben 300 Millionen Menschen an Pocken, was einer Sterblichkeitsrate von jedem dritten Infizierten entsprach. Viele Überlebende wurden für immer durch Narben entstellt, blind oder versehrt.

Der Kampf gegen Pocken begann 1796 als es dem Engländer Edward Jenner gelang, eine wirksame Schutzimpfung zu entwickeln. In Österreich wurde die Pockenimpfung im Impfregulativ aus dem Jahre 1836 eingeführt, das aber ursprünglich keine Impfpflicht, sondern eine staatliche Belehrungspflicht der Bevölkerung enthielt. 1939 wurde die Impfpflicht für Pocken auch auf Österreich übertragen. Noch in den 50er und 60er Jahren gab es in Europa Pockenepidemien, so z.B. 1950 in Glasgow, 1957 in Hamburg oder 1967 in der Tschechoslowakei. Ab 1967 wurde mit groß angelegten Impfaktionen ein weltweiter Feldzug zur Ausrottung der Pocken gestartet. Der letzte Pockenpatient, der sich auf natürlichem Weg, also bei einem anderen Menschen, mit dem Virus infiziert hatte, war der Krankenhauskoch Ali Maolin aus der somalischen Stadt Merka. Er erkrankte am 26. Oktober 1977.

Am 8. Mai 1980 wurde auf der 33. Versammlung der WHO, der Welt-Gesundheits-Organisation, die Ausrottung der Pocken bestätigt. Darauf hin wurde die weltweite Impfkampagne gegen Pocken eingestellt. Gemäss WHO-Beschluss dürfen nur noch die zwei Labors im CDC Atlanta und im Vector Koltsovo Russland Pockenstämme aufbewahren und zu Forschungszwecken bearbeiten.

Seit dem 11. September 2001 sehen die Vereinten Nationen (UN), die WHO, die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO), das CDC, die EU und viele nationale Regierungen die alarmierende Möglichkeit, dass Bioterroristen die Pocken als potenziell tödliche Waffe einsetzen könnten. Daraus ergibt sich das dringende Bedürfnis, für derartige Notfallsituationen einen Bestand an Pockenimpfstoffen aufzubauen. Das Centers of Disease Control and Prevention entwickelt momentan einen neuen Pockenimpfstoff. Neuen Publikationen (Nature) zufolge ist der Impfstoff im Tierversuch erfolgreich.