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Das Schneeglöckchen liefert einen Arzneistoff gegen Demenz
 
Die Medikamente sorgen dafür, dass Acetylcholin im Gehirn langsamer abgebaut wird.
 
Sie kommen in Waldwiesen, Auen und Laubwäldern vor und bevorzugen feuchte und schattige Standorte. Schneeglöckchen, häufig als erste Frühlingsboten betrachtet, werden manchmal auch mit der Frühlingsknotenblume (Leucojum vernum L.) verwechselt. Dabei ist die Unterscheidung recht einfach:

Schneeglöckchen in der Lobau bei Mühlleiten.

Die Blüte der Frühlingknotenblume (Abbildung rechts) ist geschlossener, alle 6 Blütenblätter sind gleich groß und haben an der Spitze einen gelb-grünen Fleck. Die Blüten vom Schneeglöckchen (Foto links) besitzen verschiedengroße Blütenblätter, innen drei kürzere und außen drei längere.

Das Schneeglöckchen pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Galanthus nivalis L.

Volksnamen: Schneeglöckchen, Schneeglöckerln, Milchblume, Hübsche Februar-Mädchen, Lichtmess-Glöckchen, Lichtmess-Glocken, Marienkerzen, Schnee-Durchstecher, Weiße Jungfrau
engl.: Snowdrop

Stammpflanze: Galanthus nivalis L. aus der Familie der Amaryllidaceae (Narzissengewächse)

Der Gattungsname Galanthus leitet sich aus dem Griechischen gala für Milch und anthos für Blüte ab, also frei übersetzt "Milchblume". Der lateinische Artname „nivalis“ bedeutet „schneeweiß“. Der Name bezieht sich also gleich doppelt auf die Blütenfarbe.

Inhaltsstoffe von Galanthus nivalis:
Das Schneeglöckchen enthält verschiedene giftige Alkaloide, unter anderem das Galantamin – in der Literatur auch Galanthamin(e) geschrieben - ein tertiäres Pflanzenalkaloid, das erstmals aus dem Kaukasischen Schneeglöckchen (Galanthus woronowii) isoliert und zu einem Medikament gegen Demenz entwickelt wurde. Heute kann der Wirkstoff auch auf synthetischem Weg hergestellt werden. Entwickelt wurde die Galantamin-Synthese von der österreichischen Firma Sanochemia Pharmazeutika. Der Wirkstoff wird exklusiv am Produktionsstandort des Unternehmens in Neufeld a. d. Leitha, hergestellt.

Abb.: Galantamin: 4aS,6R,8aS-4a,5,9,10,11,12-Hexahydroxy-3-methoxy-11-methyl-6H-benzofuro[3a,3,2-e-,f]benzazepin-6-ol
Galantamin (verwendet wird das Hydrobromidsalz) gehört zu den selektiven und kompetitiven Acetylcholinesterase-(AChE)-Inhibitoren, es führt durch einen zweifachen Wirkmechanismus (Modulation von Nikotinrezeptoren und Hemmung der Acetylcholinesterase) zu einer Erhöhung der Acetylcholin-Konzentration. Acetylcholin ist einer der wichtigsten Neurotransmitter, viele Prozesse im Gehirn sind an diesen als Botenstoff gebunden. Bei der Alzheimerschen Krankheit entsteht ein Mangel an Acetylcholin, den man medikamentös ausgleichen kann, indem man mit Acetylcholinesterase-Inhibitoren das abbauende Enzym hemmt.

Arzneimittel
In Österreich sind derzeit* 43 Arzneimittel zugelassen, die Galantamin enthalten. Als Injektionen, Filmtabletten, Kapseln oder Trinklösung werden die rezeptpflichtigen Präparate bei der Alzheimer-Krankheit eingesetzt. Wie bei anderen Acetylcholinesterase-Hemmern (z.B. Donepezil und Rivastigmin) ist auch bei der Verschreibung von Galantamin einige Vorsicht geboten. Galantamin soll ausschließlich für die genehmigten Anwendungsgebiete – d.h. zur symptomatischen Behandlung der leichten bis mittelschweren Demenz vom Alzheimer-Typ – verschrieben werden. Weiters sollte beachtet werden, dass der Nutzen von Galantamin bei Patienten mit anderen Formen der Demenz oder anderen Formen der Gedächtnisstörung bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Die Diagnose der Alzheimer-Demenz sollte durch einen erfahrenen Arzt/Ärztin und entsprechend den aktuellen Richtlinien erfolgen.

Galantamin wurde Ende 2006 vom H. G. Creutzfeldt-Institut in Kiel mit dem Innovationspreis ausgezeichnet [weiter].

Galantamin: Neue Anwendungsmöglichkeit bei Vergiftungen mit Nervengas und Insektiziden
Nach Forschungsergebnissen von Wissenschaftern der University of Maryland in Baltimore kann Galantamin sowohl vorbeugenden Schutz bieten als auch - bei Einnahme unmittelbar nach erfolgter Vergiftung - die Symptome lindern und vor allem die Sterblichkeit stark verringern.

Homöopathie
Das Schneeglöckchen wird, wenn auch selten, in der Homöopathie bei bestimmten Herzleiden eingesetzt.

Eine „Zauberblume“ in der Antike?
Möglicherweise wurde das Schneeglöckchen bereits von den klassischen Griechen als Arzneimittel verwendet. Homer beschreibt in seinem Odysseus-Epos das geheimnisvolle Kraut moly [μλυ], das gegen bösen Zauber hilft. Manche vermuten, dass damit das Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) gemeint sein könnte, weil die „Milchblume“ gut zur homerischen Beschreibung passt: γλακτι δ εκελον νθος „die Blüte aber der Milch vergleichbar“, heißt es bei Homer.

Das Schneeglöckchen liefert einen Arzneistoff gegen Demenz - siehe Willkommen-Österreich-Apothekerin
in der TV Sendung am 14.3.2007: Beitrag als Video abspielen
(Windows Media-Audio-/Videodatei 340 KBits/s)

(*Stand 03/2013)