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Reisedurchfall: Tipps vom Apotheker
 
Antibiotika in die Reiseapotheke?
 
Fast immer ist die sogenannte Reisediarrhoe eine Folge des Genusses verdorbener Lebensmittel oder mangelnder Trinkwasserhygiene. Kennzeichnend ist, dass die Erkrankung häufig zu Urlaubsbeginn auftritt, die Symptome Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen, Fieber sind in unterschiedlicher Intensität ausgeprägt, teilweise aber so intensiv, dass sofortige Hilfe nötig sein kann.

Antibiotikatherapie:
Antibiotika haben die Fähigkeit, Bakterien in ihrem Wachstum zu hemmen (bakteriostatisch) oder abzutöten (bakterizid). Ist der Reisedurchfall durch Bakterien ausgelöst, so kann eine gezielte Antibiotikatherapie sinnvoll sein. Allerdings birgt jede antibiotische Therapie für den Anwender gewisse Risiken: Arzneimittelunverträglichkeiten sind nicht selten, die Wahl des falschen Antibiotikums bei nicht abgeklärter Mikrobiologie und damit die Verschleppung der Erkrankung und letztlich führt die kritiklose Anwendung der Antibiotika zum bekannten Problem der Resistenzbildungen. Generell sollte der Einsatz antibiotisch wirksamer Medikamente bei Durchfall daher sparsam erfolgen und für den Reisenden eigentlich die ultima ratio darstellen.

Unter der Vielzahl an Antibiotika die bei Durchfallserkrankungen eingesetzt werden können, haben sich bei Reisen die Gyrasehemmer wie das Ciprofloxacin besonders bewährt (siehe Tabelle, Dosierungsempfehlungen für Erwachsene, nach Univ.-Prof.M. Peck-Radosavljevic, AKH Wien)

Antibiotische Therapie bei bakteriellen Darmerkrankungen

ErregerTherapie der 1. WahlAlternativen
Tage
Nicht invasive Erreger
Viren
Keine antibiotische Therapie erforderlich
Salmonella thyphi / parathyphiCiprofloxacin 2 x 0,5gTrimetoprim 1 x 0,4g
> 14
ShingellaCiprofloxacin 2 x 0,5gTrimetoprim 1 x 0,4g
5
CholeraVibrionenTetrazyklin 4 x 0,25 gCiprofloxacin 2 x 0,5g
> 5
Closteridium difficile antibiotika assoziierter olitisMetronidazol 4 x 0,5gVancomycin 4 x 0,125 – 0,5g
> 10
Enteritis-SalmonellenCiprofloxacin 2 x 0,5gTrimetoprim 1 x 0,4g
5 - 14
Entero-invasive KolibakterienCiprofloxacin 2 x 0,5gTrimetoprim 1 x 0,4g
5
CampylobacterClarithromycin 2 x 0,25gCiprofloxacin 2 x 0,5g
7
YersinienCiprofloxacin 2 x 0,5gTrimetoprim 1 x 0,4g
7
Giardia lambliaTinidazol 1 x 2gMetronidazol 3 x 0,5g
7

Wichtig: Antibiotika bei Durchfall nur nach ärztlicher Verordnung einnehmen!

Als ganz besonders gut wirksam hat sich ein neues Antibiotikum erwiesen: Rifaximin, das bei gastrointestinalen Infektionen, pseudomembranöser Kolitis durch Clostridium difficile, hepatischer Encephalopathie, bakteriellem Überwucherungs-Syndrom sowie Divertikelerkrankungen therapeutisch verwendet wird. Dieses Rifamycin-Derivat wird zu weniger als 1% aus dem Darm resorbiert und ist ausschließlich im Magen-Darm-Trakt wirksam, wodurch die Gefahr von Nebenwirkungen natürlich geringer wird. Zahlreiche klinische Studien haben erkennen lassen, dass Rifaximin allen bisher in der Therapie der Reisediarrhoe eingesetzten Antibiotika in der Schnelligkeit des Wirkungseintrittes überlegen ist und es hat sich auch in der Prophylaxe der Reisediarrhoe in ersten klinischen Studien sehr bewährt – wenngleich Antibiotika zur Verhinderung des Reisedurchfalls im Sinne einer Prophylaxe sehr restriktiv und niemals ohne Rücksprache mit einem Arzt verwendet werden sollten (Univ.-Prof. Dr. H. Kollaritsch, "Reisemedizinisches Update", Saalfelden 2007).

Wie kann man sich sonst noch helfen ?
Motilitätshemmer wie das rezeptfreie Loperamid können im Akutfall für kurze Zeit angewendet werden (z.B. um eine Flugreise "ungestört" antreten zu können). Fragen Sie Ihren Apotheker.

Flüssigkeits- und Elektrolytersatz:
Die WHO-Trinklösung (ORS = Oral Rehydration Solution; SSS = Simple Sugar Salt-solution)....[Details]

Mit dem Einsetzen von Durchfall sollte laufend für Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten gesorgt werden (z. B. mit Normhydral ® aus der Apotheke). Die Trinkmenge sollte 40 ml / kg KG innerhalb von 24 Stunden betragen (macht z. B. bei einem Körpergewicht von 75 kg drei Liter pro Tag). Im Notfall hilft als Flüssigkeitsersatz auch folgendes Getränk:
    • 8 nicht gehäufte Teelöffel Zucker
    • ¾ Teelöffel Salz
    • ½ Liter Orangensaft (enthält Kalium)
    • ½ Liter Mineralwasser (enthält Bicarbonat)

Wenn am Urlaubsort gar nichts anderes erhältlich ist: Auch die berühmte Empfehlung "Colagetränk und Salzstangerl" versorgt den Körper mit Flüssigkeit, Zucker und Elektrolyte. Allerdings führt Cola nicht genug Wasser zu, da es zu viel Zucker enthält (Faustregel: 100 ml Cola enthält ca. 4 Teelöffel (10 g) Zucker). Der Mineralstoff Kalium fehlt gänzlich bei dieser Behandlung. Tipp: Cola [Kein Cola "light" (mit Süßstoff) verwenden, denn der Körper braucht ja den Zucker!] mit der gleichen Menge (Mineral-)Wasser verdünnen und Kalium durch kaliumreiche Früchte wie Orangen oder Bananen ersetzen.

Wann zum Arzt ?
Die meisten akuten Durchfälle hören nach wenigen Tagen ohne Komplikationen auf. In folgenden Fällen ist ein Arzt beizuziehen:
    • bei blutig-schleimigem Stuhl
    • bei hohem Fieber, Schüttelfrost,
    • bei anhaltend ausgeprägtem Krankheitsgefühl
    • bei außergewöhnlich heftigen Darmkrämpfen
    • bei anhaltendem Erbrechen
    • wenn der Durchfall länger als 3 - 4 Tage dauert
    • wenn nach Rückkehr aus den Tropen Durchfälle auftreten (auch noch Wochen später)
    • bei Kleinkindern
Immer wieder in Diskussion: Cola und Soletti – eine sinnvolle Notlösung??
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Vogel Wolfgang Vogel, Gastroenterologe von der Universitätsklinik für Innere Medizin II in Innsbruck, stellt dazu fest: Zu bedenken sei, dass mit dem Erbrechen vor allem Flüssigkeit und Blutsalze - in erster Linie Natrium, Kalium und Chlorid - verloren gehen. Prof. Vogel und empfiehlt, diese durch trinken von gezuckertem Wasser oder milden Tees zu ersetzen, die man auch leicht salzen kann. "Konventionelles glukosehältiges (!) Cola (kein „Cola-light“) mit Soletti ist hier sicherlich auch eine mögliche Alternative", meint der Gastroenterologe angesichts der unendlichen Diskussion um Kamillentee und Zwieback versus Cola und Soletti.

Darüber hinaus verweist er auf spezielle Elektrolytlösungen zum Trinken, die standardisiert von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen werden und in den Apotheken erhältlich sind. Die Besserung geht in der Regel mit einer Zunahme des Appetits einher, und die Aufnahme von Suppen oder wenig fetthaltiger, leicht verdaulicher Nahrung ("Hausrezepte") wird in langsam zunehmenden Portionen wieder möglich.

Indikationen für ärztliche Hilfe
"Bei Jugendlichen und Erwachsenen, die keine zusätzliche Erkrankung haben, lässt sich durch alleinige vorsichtige orale Aufnahme oben genannter Getränke das drohende Flüssigkeitsdefizit problemlos ausgleichen", meint Wolfgang Vogel. Wenn sich das Erbrechen über mehrere Tage hinzieht, empfiehlt Vogel, immer ärztliche Hilfe zu suchen, um eine Substitution des Flüssigkeitsdefizits durch Infusionen zu ermöglichen. Ebenso, wenn Kleinkinder, Gebrechliche, Betagte oder Patienten mit Begleiterkrankungen intensiv und über mehrere Stunden erbrechen.