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Nährstoffmangel durch Medikamente
 
 
Wechselwirkungen verschiedener Medikamente untereinander (sogenannte Arzneimittel-Interaktionen) sind in der Regel gut untersucht. Der Einfluss der Nahrung und einzelner Nahrungsbestandteile bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme wird jedoch oft viel zu wenig beachtet. Im Beipacktext vieler Arzneimittel gibt der Hersteller zwar klare Empfehlungen, ob das Präparat mit einer Mahlzeit oder zeitlich verschoben dazu eingenommen werden soll. Dies ist dann erforderlich, wenn Nahrungsmittel die Bioverfügbarkeit des Arzneimittels verändern. Medikamente können aber auch auf die Nährstoffversorgung des Organismus einen Einfluss haben.

Kurzzeitige Medikamenteneinnahme wirkt sich in der Regel nicht negativ auf den Ernährungsstatus aus. Müssen Arzneimittel jedoch über einen langen Zeitraum eingenommen werden, können Mangelerscheinungen auftreten.

Ursache des Nährstoffmangels bei Medikamenteneinnahme kann sein:

    • Durch Medikamente verursachte Appetitlosigkeit, Übelkeit (Zytostatika) oder verringerte Speichelbildung und verändertes Geschmacksempfinden.
    • andererseits steigern manche Medikamente den Appetit und es kommt zu einer Gewichtszunahme (keine ausgewogene Ernährung, Süßigkeiten etc.)

Worauf ist zu achten?
Auf eine ausreichende Nährstoffversorgung sollten besonders Personen achten, die mehrere Medikamente und chronisch Kranke, die über lange Zeit Medikamente einnehmen müssen. Anbei einige Medikamentengruppen und deren Einfluss auf die Nährstoffversorgung:

Abführmittelbringen den Elekrolyt- und Wasserhaushalt durcheinander und führen insbesondere zu Kaliumverlust. Dadurch erschlafft die Darmmuskulatur und Verstopfungen werden noch verstärkt.
Acetylsalicylsäureerhöht den Bedarf an Folsäure und Vitamin C
Antazidagehen mit dem mit der Nahrung aufgenommenen Phosphat (Phosphorhaltige Lebensmittel sind u.a. Milch und Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Getreide und Hülsenfrüchte. Als Beispiel für gute Phosphorlieferanten seien Hartkäse mit 840 mg/100 g und Bohnen mit 420 mg /100 g genannt.) unlösliche Komplexe ein. Dadurch ist eine Beeinträchtigung der Phosphatversorgung und damit eine Störung des Knochenstoffwechsels möglich. Auch die Eisenresorption kann vermindert werden.
Antazida und Medikamente zur Verringerung der Magensäuresekretionerhöhen den pH-Wert im Magen. Ein höherer pH-Wert schädigt das in der Nahrung enthaltene Vitamin B 12 und beeinträchtigt seine Bindung an den Intrinsic-Factor, so dass die Vitamin B 12 - Aufnahme vermindert wird. Durch Veränderungen des pH-Werts im Darm wird auch die Folsäureaufnahme beeinträchtigt.
Glucocorticoidebewirken bei dauerhafter Anwendung und unzureichender Kalziumzufuhr eine Glucocorticoid-Osteoporose, da die Kalziumaufnahme im Darm vermindert und gleichzeitig die Kalziumausscheidung erhöht wird.
Lipidsenkerkönnen aufgrund der gestörten Fettverdauung die Aufnahme fettlöslicher Vitamine behindern
MetforminBesonders zu Beginn einer Behandlung mit Metformin treten häufig Nebenwirkungen im Bereich des Verdauungstraktes auf. Dabei kann es sich um Magendruck und Appetitlosigkeit, aber auch um Durchfall, Übelkeit und Blähungen handeln. Oft wird auch über einen metallischen Geschmack im Mund berichtet. In seltenen Fällen kann es weiters zu einer Laktatazidose (Anreicherung von Laktat, also Milchsäure, im Körper) kommen. Laktat ist ein normales Zwischenprodukt vieler Stoffwechselvorgänge. Wenn jedoch die Konzentration von Laktat im Blut zu stark ansteigt, gerät der Säure-Base-Haushalt des Körpers aus dem Gleichgewicht (Symptome der Laktatazidose: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen. Im weiteren Verlauf treten Muskelschmerzen und -krämpfe, eine deutlich verstärkte Atmung und Bewusstseinstrübungen auf. Innerhalb von Stunden kann sich ein Koma ausbilden, bei Verdacht auf eine Laktatazidose ist daher eine sofortige ärztliche Behandlung nötig.)
Metformin kann außerdem die Aufnahme von Vitamin B12 und Folsäure aus dem Darm behindern. Dadurch können in Einzelfällen Störungen der Blutbildung auftreten.
Orale Kontrazeptivaerhöht den Vitamin B6 - Bedarf. Es können Kopfschmerzen und Depressionen auftreten, die durch ausreichende Vitamin B6-Versorgung behoben werden können. Auch die Folsäureaufnahme wird behindert.
OrlistatBei etwa 5-15 % der Patienten kommt es zu einer verminderten Aufnahme fettlöslicher Vitamine wie Vitamin A und K. (Grund: Fettstühle bei Nichteinhaltung der fettfreien Ernährung)
SchleifendiuretikaHemmen die Rückresorption von Natrium-, Kalium- und Chloridionen. Durch die erhöhte Elektrolytausscheidung erklären sich viele der auftretenden Nebenwirkungen, wie z. B. Wadenkrämpfe und Muskelverspannungen.