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Blutdruck messen, aber richtig
 
Bluthochdruck kann schwerwiegende Folgen haben
 
Überhöhter Blutdruck ist Wegbereiter wichtiger „Zivilisationskrankheiten“. Da er aber nicht weh tut, heißt es öfters messen, um ihn zu entdecken. In ihrer Apotheke gibt es Tipps und Geräte dazu.

Bei einer Grippe warnt das Fieber und man schont sich; bei einer Bänderzerrung warnen die Schmerzen und man stellt das Gelenk ruhig - bei überhöhtem Blutdruck hingegen sendet der Körper wenig Warnsignale aus, besonders am Anfang. Das macht ihn so gefährlich. Kopfschmerzen, Schwindel, Atemnot und Druck in der Herzgegend nach größeren Anstrengungen treten meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf.

Bluthochdruck über längere Zeit kann schwerwiegende Folgen haben, darunter die häufigsten Todesursachen in den Industrieländern, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Nierenschäden, Gefäßverkalkungen in den Beinen oder Netzhauterkrankungen gehen ebenfalls häufig auf das Konto überhöhten Blutdrucks. In Österreich dürften Schätzungen zufolge 1,5 Millionen Menschen überhöhten Blutdruck haben. Wird der Bluthochdruck rechtzeitig erkannt, behandelt und gesenkt, kann das also für sehr viele Menschen ein längeres Leben bedeuten. Schon eine Senkung von 5 - 10 mmHg bedeutet eine Verringerung des Schlaganfallrisikos um 40 Prozent und des Herzinfarktrisikos um 15 Prozent. Im statistischen Durchschnitt beträgt die Verlängerung der Lebenserwartung durch eine Behandlung des Bluthochdrucks fünf bis sieben Jahre. Der erste Schritt: messen, messen und noch einmal messen.

Der Blutdruck nach Riva-Rocci (RR) wird in Millimeter Quecksilber (mm Hg) gemessen. Dabei entspricht ein Druck von 750 mm Hg einem bar bzw. 105 Pascal (Pa). Zum Umrechnen sollte man wissen, dass der mittlere Luftdruck auf Meereshöhe 1,013 bar, also 760 mm Hg beträgt.

Galten bis jetzt Werte von bis zu 140/90 mm Hg als »noch normal«, muss auf Grund neuer Erkenntnisse jetzt bereits ab einem Blutdruck zwischen 120 und 140 mm Hg von einer »Vor-Bluthochdruck-Phase« gesprochen werden. Dieser neue Begriff hat zum Ziel, Menschen in einer frühen Phase des Bluthochdrucks zu erfassen und die drohende Erkrankung und mit all ihren Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall rechtzeitig in den Griff zu bekommen.

Einmal alle „heiligen Zeiten“ beim Arzt genügt aus mehreren Gründen nicht. Der Blutdruck hat ganz natürliche Schwankungen - am Morgen relativ hoch, am Vormittag fallend, am Nachmittag wieder ansteigend und nachts eher niedrig. Der obere (systolische) Wert schwankt im Lauf eines Tages um etwa 50 mmHg, der untere (diastolische) um etwa 40 mmHg. Dann gibt es noch den sogenannten „Weißkittel-Effekt“. Bei vielen ergeben Blutdruckmessungen durch den Arzt höhere Werte als sonst. Manche empfinden die Gegenwart des Arztes wiederum beruhigend, was sich in einem untypisch niedrigen Blutdruck äußert. Für eine adäquate Einschätzung des Blutdrucks werden heute üblicherweise 30 (Selbst)Messungen in zwei Wochen verlangt.

Mittlerweile kann man die Messungen auch einfach selbst durchführen. Die Qualität der Messgeräte ist wichtig und in der Apotheke weiß man, worauf es ankommt. Moderne Messgeräte sehen aus wie eine überdimensionierte Armbanduhr und sind einfach zu bedienen. Einige Faustregeln: im Sitzen messen, das Gerät am linken Arm anlegen und auf Herzhöhe halten (höher und tiefer gibt größere Schwankungen), den Unterarm auf der Tischplatte abstützen und auf den anderen Unterarm auflegen, während der Messung nicht reden, nicht unmittelbar nach dem Essen durchführen. Einige Geräte können die Messergebnisse speichern - mit einer Tabelle behält man die Übersicht.

Überhöhter Blutdruck ist sowohl erblich als auch durch den Lebensstil bedingt. Maßnahmen zur Senkung jenseits von Medikamenten: wenn vorhanden, Übergewicht abbauen. Fünf Kilo Übergewicht weniger bedeutet im Durchschnitt eine Senkung des Blutdrucks um 8 bis 12 mmHg. Ausdauertraining reduziert überhöhten Blutdruck um 5 bis 10 mmHg. Ebenfalls wichtige Risikofaktoren für überhöhten Blutdruck sind zu viel Kochsalz, Rauchen, Alkohol - und Stress.