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Serotonin: welchen Einfluss hat das sogenannte Glückshormon auf Depressionen
 
Wie wirken Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer
 
Bei Menschen mit Depressionen liegt ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) vor, dabei spielt das auch als Glückshormon bekannte Serotonin eine wichtige Rolle. Serotonin, auch 5-Hydroxytryptamin (5-HT) genannt, wird im Stoffwechsel des Menschen gebildet und kann von außen therapeutisch nicht zugeführt werden, da es die Blut-Hirn-Schranke nicht überwindet. Um die Serotoninkonzentration im Gehirn zu erhöhen, bleibt nur eine Möglichkeit: die Erhöhung der Verfügbarkeit des im Gehirn vorhandenen Serotonins.

Wie wirken Serotonin- Wiederaufnahme- Hemmer
Arzneimittel aus der Gruppe der selektiven Serotonin Rückaufnahme Inhibitoren (SSRI) führen zu einer erhöhten Konzentration und einem verlängerten Verbleib von Serotonin im synaptischen Spalt, indem sie verhindern, dass das Serotoninmolekül in die Nervenzelle "wiederaufgenommen", also quasi recycelt wird.

Seit den 1980er-Jahren haben diese modernen Antidepressiva die Therapie der Erkrankung revolutioniert. Sie wirken vor allem aktivierend, stimmungsaufhellend und angstlösend. Im Vergleich zu den alten trizyklischen Antidepressiva weisen sie dramatisch weniger Nebenwirkungspotenzial auf. Die Suizidgefahr durch Überdosierungen ist de facto nicht mehr gegeben. Doch es muss - so Univ.-Prof. Dr. Peter Hofmann von der Grazer Universitätsklinik in Saalfelden bei der Apothekertagung 2010 - ausreichend und ausreichend lang behandelt werden.

Die Behandlung erfolgt üblicherweise mit Einmalgabe pro Tag. Wie alle Antidepressiva, wirken SSRI nicht sofort, sondern erst nach 2-4 Wochen regelmäßiger Einnahme. Auch wenn SSRI nicht abhängig machen (!) sollte man die Therapie nicht abrupt beenden, sondern allmählich ausschleichen. Selbstverständlich kann und darf eine schwere Depression nicht mittels Selbstmedikation behandelt werden, aus diesem Grund sind die genannten Arzneimittelgruppen auch nur auf ärztliche Verschreibung (Rezept) in den Apotheken erhältlich.

Zu beachten sind die Wechselwirkungen zwischen SSRIs mit anderen Arzneimitteln, die in irgendeiner Weise Serotonin erhöhen. Dies gilt besonders für MAO-Hemmer, Migränemittel aus der Triptan Gruppe, mit Analgetika (vor allem Tramadol) und mit trizyklischen Antidepressiva. Kombinationen mit diesen Arzneimitteln können zum sogenannten Serotoninsyndrom führen und sind daher zu vermeiden. Besprechen Sie diese Fragen mit Ihrem Apotheker.


Foto: F. Biba
Johanniskraut
Zur Therapie leichter bis mittelschwerer Depressionen ist Johanniskrautextrakt eine mögliche Alternative. Wenngleich der Wirkmechanismus noch nicht genau bekannt ist, dürfte Johanniskraut ähnlich wie die synthetischen Antidepressiva eine Noradrenalin- und Serotonin- Rückaufnahmehemmung bewirken.

Voraussetzung für eine vernünftige Therapie mit Johanniskraut ist, dass nur geprüfte und registrierte Arzneimittel aus der Apotheke eingesetzt werden. Von den Nebenwirkungen ist besonders die Photosensibilität zu beachten (Gefahr, leichter einen Sonnenbrand zu bekommen!). Zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, vor allem mit Antikoagulantien, anderen Antidepressiva, oralen Kontrazeptiva („Pille“) und Theophyllin sind zu beachten.

Foto links:
Hypericum perforatum L. (Johanniskraut) wächst bevorzugt an Wegrändern und wird 25 bis 90 cm hoch. Werden die Blätter gegen das Licht gehalten, so erkennt man kleine Punkte, die den Anschein erwecken, die Pflanze sei perforiert. Die gelben Blüten verfärben sich blutrot, wenn man diese zwischen den Fingern zerreibt. Johanniskraut-Trockenextrakt wird zu stimmungsaufhellenden Arzneimitteln verarbeitet.

Kann man durch Ernährung einen Serotoninmangel kompensieren und Depressionen vorbeugen?
Ein Konsum serotoninreicher Nahrungs- und Genussmittel, wie beispielsweise Walnüsse, die über 300 µg/g Serotonin enthalten können, aber auch Kochbananen, Ananas, Bananen, Kiwis, Pflaumen, Tomaten, Kakao und davon abgeleitete Produkte, wie Schokolade, führt nicht wegen des enthaltenen Serotonins zu einer stimmungsaufhellenden Wirkung, da Serotonin wie schon erwähnt die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann.

Vielmehr bewirken die aufgenommenen Kohlenhydrate einen Anstieg des Tryptophanspiegels im Gehirn. Tryptophan wird zu Serotonin umgebaut. Das tägliche Stück Schokolade kann sich also durchaus positiv auf die Stimmung auswirken, allerdings müssen die aufgenommenen Kalorien an anderer Stelle wieder eingespart werden. Zur Prophylaxe oder Therapie der Depressionserkrankung eignet sich aber diese Art der Ernährung sicher nicht.

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Stimmungsaufheller
Rund acht Prozent der österreichischen Bevölkerung leiden an Depression. Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer. TV-Apothekerin Mag.pharm.Sonja Wurst in der Sendung Herbstzeit am 17.11.2010 um 17:40 Uhr im ORF 2.
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