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Reisedurchfall: Sofortmaßnahmen
 
Wichtig: Wasser, Glucose und Elektrolyte ersetzen!
 
Reisedurchfälle werden in erster Linie durch bakterielle Infektionen verursacht, aber auch Salmonellen, andere Darmkeime, selten Viren und Parasiten (Ruhramöbe, Schistosomen, Würmer) oder auch Nahrungsmittelvergiftungen (durch Salmonellen, Chlostridien) sind dafür verantwortlich.

Symptome:
Massive wässrige Durchfälle meist harmlose Coli-Infektion. Zusätzlich Fieber und Bauchschmerzen: event. Salmonelleninfektion. Blutige Durchfälle: Shingellen od. Amöben

Therapie:
Wichtig: Wasser, Glucose und Elektrolyte ersetzen! (z. B. Normhydral ® aus der Apotheke)

Eine akute Durchfallerkrankung führt, besonders in Verbindung mit Erbrechen, rasch zu einem großen Defizit an Wasser und Mineralsalzen. Orale Rehydrationslösungen (ORL) sind bilanzierte natrium- und kaliumhaltige Glukoselösungen die eine bereits vorhandene Dehydration (Exsikkose, Austrocknung eines lebenden Organismus) ausgleichen. Diese auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Standardtherapie mit ORL basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Natrium-Glukose-Cotransport im Darm: Die Aufnahme von einem Natriumion ist hier an die Aufnahme eines Glukosemoleküls gekoppelt. Der Zucker ermöglicht speziellen Pumpen in der Membran der Dünndarmzellen, die Ionen aufzunehmen. Das Wasser fließt dann dem Ionengefälle entsprechend passiv nach. Dieser Mechanismus bleibt auch bei schweren Durchfällen intakt.

Die WHO empfiehlt eine Salz- und Glucosetrinklösung (Orale Rehydrationslösung, "WHO-Trinklösung")
Glucose 111 mmol/l, Na+ 90 mmol/l, K+ 20 mmol/l, Bicarbonat (HCO3- ) 30 mmol/l, Cl- 80 mmol/l [mehr darüber].

Man erhält diese Lösung indem man folgende Substanzen in 1 Liter Wasser auflöst:
Glucose, wasserfrei (20 g)
Natriumbikarbonat (2,5 g)
Natriumchlorid (3,5 g)
Kaliumchlorid (1,5 g)

Behelfsmöglichkeit:
Als Ersatz für die WHO-Trinklösung kann man im Notfall auch folgendes Getränk leicht selbst herstellen:

    • 8 nicht gehäufte Teelöffel Zucker (=Saccharose, wird im Körper in Glucose und Fructose gespalten)
    • ¾ Teelöffel Salz (Kochsalz = Natriumchlorid)
    • ½ Liter Orangensaft (enthält ca. 0,8 g Kalium, entspricht etwa 20 mmol)
    • ½ Liter Mineralwasser (enthält je nach Sorte bis etwa 20 mmol HCO3- )

Dosierung:
40 ml pro kg Körpergewicht pro Tag (macht für Erwachsene etwa 3 Liter). In schweren Fällen initial 1 - 2 Liter innerhalb von 1 Stunde. Vorsicht bei Kleinkindern (Arzt!).

Auch die berühmte Empfehlung "Colagetränk und Salzstangerl" versorgt den Körper mit Flüssigkeit, Elektrolyte (Kochsalz) und Zucker. Der Zuckergehalt im Cola ist allerdings viel höher, daher besser mit Mineralwasser verdünnen (Faustregel zum Umrechnen: 100 ml Cola enthalten etwas über 10 g Zucker, das sind bereits 4 Teelöffel). Aber keine " Lightgetänke" - mit Süßstoff - verwenden, der Körper braucht in diesem Fall den Zucker! (Anmerkung: Ein weiterer Nachteil ist, dass Kalium auf diese Weise nicht zugeführt wird, daher sollte diese Empfehlung nur im äußersten Notfall - keine anderen hygienisch einwandfreien Getränke, kein Salz, kein Zucker, keine Präparate aus der Apotheke erhältich - oder bei nur leichten Fällen umgesetzt werden.)

Vorbeugung: Vorsichtige Akklimatisierung ans Reiseland, nur frisch gegarte Speisen und Schalenfrüchte (z.B. Orangen, Bananen) essen, keinen Salat oder ungeschälte Früchte. Entscheidend ist die Regel: "Boil it, cook it, peel it - or forget it!" Größte Vorsicht ist bei Speiseeis geboten; bei Getränken: Keine Eiswürfel! Mineralwasser und Limonaden nur aus geschlossenen Original-Flaschen akzeptieren (auch im Hotel!). Reisetauchsieder mitnehmen, um Wasser abkochen zu können. In die Reise-Apotheke (Beratung durch den Apotheker) gehören: Granulat zur Herstellung der „WHO-Trinklösung“ (z.B. Normhydral ®), Adsorbentien (z.B. Medizinische Aktivkohle). Antibiotika bei Durchfall nur nach ärztlicher Verordnung einnehmen. Motilitätshemmer wie Loperamid können im Akutfall für kurze Zeit angewendet werden (z.B. um eine Flugreise "ungestört" antreten zu können). Fragen Sie Ihren Apotheker.

Wann zum Arzt ?
Die meisten akuten Durchfälle hören nach wenigen Tagen ohne Komplikationen auf. In folgenden Fällen ist ein Arzt beizuziehen:
    • bei blutig-schleimigem Stuhl
    • bei hohem Fieber, Schüttelfrost,
    • bei anhaltend ausgeprägtem Krankheitsgefühl
    • bei aussergewöhnlich heftigen Darmkrämpfen
    • bei anhaltendem Erbrechen
    • wenn der Durchfall länger als 3 - 4 Tage dauert
    • wenn nach Rückkehr aus den Tropen Durchfälle auftreten (auch noch Wochen später)
    • bei Kleinkindern
Immer wieder in Diskussion: Cola und Soletti – eine sinnvolle Notlösung??
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Vogel Wolfgang Vogel, Gastroenterologe von der Universitätsklinik für Innere Medizin II in Innsbruck, stellt dazu fest: Zu bedenken sei, dass mit dem Erbrechen vor allem Flüssigkeit und Blutsalze - in erster Linie Natrium, Kalium und Chlorid - verloren gehen. Prof. Vogel und empfiehlt, diese durch trinken von gezuckertem Wasser oder milden Tees zu ersetzen, die man auch leicht salzen kann. "Konventionelles glukosehältiges (!) Cola (kein „Cola-light“) mit Soletti ist hier sicherlich auch eine mögliche Alternative", meint der Gastroenterologe angesichts der unendlichen Diskussion um Kamillentee und Zwieback versus Cola und Soletti.

Darüber hinaus verweist er auf spezielle Elektrolytlösungen zum Trinken, die standardisiert von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen werden und in den Apotheken erhältlich sind. Die Besserung geht in der Regel mit einer Zunahme des Appetits einher, und die Aufnahme von Suppen oder wenig fetthaltiger, leicht verdaulicher Nahrung ("Hausrezepte") wird in langsam zunehmenden Portionen wieder möglich.

Indikationen für ärztliche Hilfe
"Bei Jugendlichen und Erwachsenen, die keine zusätzliche Erkrankung haben, lässt sich durch alleinige vorsichtige orale Aufnahme oben genannter Getränke das drohende Flüssigkeitsdefizit problemlos ausgleichen", meint Wolfgang Vogel. Wenn sich das Erbrechen über mehrere Tage hinzieht, empfiehlt Vogel, immer ärztliche Hilfe zu suchen, um eine Substitution des Flüssigkeitsdefizits durch Infusionen zu ermöglichen. Ebenso, wenn Kleinkinder, Gebrechliche, Betagte oder Patienten mit Begleiterkrankungen intensiv und über mehrere Stunden erbrechen.