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Arzneimitteleinnahme: alles zu seiner Zeit
 
 
Der optimale Zeitpunkt für die Einnahme von Medikamenten kann recht verschieden sein. In Ihrer Apotheke berät man Sie gerne dazu.



Eine durchgemachte Nacht, ein Jet lag - und man hat das Gefühl, alles im Körper durcheinander gebracht zu haben. Zu recht. Viele wichtige Vorgänge im Körper unterliegen tageszeitlichen Schwankungen: Kreislauf, allgemeine Aktivität, Produktion einiger Hormone (z.B. Sexualhormone) und natürlich Schlafbedürfnis. Letztlich vom Wechsel zwischen hell und dunkel gesteuert, ticken im Körper mehrere „molekulare Uhren“. Alle Rädchen in diesem Uhrwerk sind zwar noch nicht bekannt - es zeigt sich aber immer deutlicher, dass es faszinierende Gemeinsamkeiten zwischen Lebewesen verschiedenster Entwicklungsstufen gibt. Das reicht von Schimmelpilzen über Fliegen und Mäuse bis zum Menschen.

Die tageszeitlichen Schwankungen körperlicher Aktivitäten bringen mit sich, dass Medikamente je nach Zeitpunkt der Einnahme unterschiedlich wirken können. Auch das Schmerzempfinden ändert sich im Lauf eines Tages. Am geringsten ist es am frühen Nachmittag. Tageszeitliche Schwankungen zeigen sich weiters bei verschiedenen Krankheiten. Herzinfarkte zum Beispiel treten am häufigsten vormittags zwischen 8 und 12 Uhr auf, Asthmaanfälle zu 80 % in der Nacht gegen 4 Uhr. Wenn es also in den Einnahmehinweisen eines Medikaments heißt „Morgens“ oder „Abends“, dann hat das seinen guten Grund.

Da Asthmaanfälle meistens in der Nacht auftreten, nimmt man die Medikamente am besten vor dem Schlafengehen. Da der Blutdruck am Tag normalerweise höher ist als in der Nacht, sind blutdrucksenkende Mittel am Morgen besonders effektiv. Auch bei vielen Medikamenten gegen Krebs zeigen sich deutliche Unterschiede in der Wirksamkeit, je nachdem, zu welcher Tageszeit sie eingenommen werden. Dabei kann nicht nur die Wirksamkeit gesteigert, sondern auch die Nebenwirkungshäufigkeit gesenkt werden.

Wer an zu viel Magensäure leidet, kann die medikamentöse Therapie ebenfalls durch den richtigen Zeitpunkt der Einnahme unterstützen: einerseits ist die Magensäureproduktion ohnehin abends deutlich höher als morgens. Dazu kommt, dass in der Nacht der bis zu einem gewissen Grad schützende Einfluss der Nahrung im Magen wegfällt. Ein klarer Fall also: Mittel gegen zuviel Magensäure nimmt man am besten abends einige Zeit nach der letzten Mahlzeit.