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Brennesseln in der Phytotherapie
 
Gesundheit aus der Naturapotheke
 
Sie dürften wohl niemandem unbekannt sein und wer sie sammeln will, der muss entsprechend vorsichtig sein. Die Brennhaare der Pflanze sitzen am Stiel und unter den Blättern, haben an ihrer Spitze ein Köpfchen das verkieselt ist und ganz oben einen kleinen Widerhaken. Wird dieses Köpfchen abgerissen so reißt es Teile des Brennhaares mit und nun funktioniert es ähnlich wie eine Injektionsspritze. Die Inhaltsstoffe (Serotonin, Histamin, Acetylcholin und ein Salz der Ameisensäure) fließen in die Wunde und verursachen den bekannten brennenden Schmerz und oft auch Entzündungen.

Foto: F.Biba
Die Brennnessel hat einen kantigen Stängel und eiförmig zugespitzte Blätter mit grob gesägtem Rand. Die Brennhaare sitzen am Stiel und unter den Blättern. Die große Brennnessel ist eine zweihäusige Pflanze, d. h. eine Pflanze besitzt entweder weibliche oder männliche Blüten, die von Juli bis September unscheinbar und grünlich blühen.

Schmetterlingsweide
Mit den Brennhaaren schützt sich die Pflanze vor Insektenfraß. Trotzdem ist die Brennessel (Brennnessel) für die Raupen von rund 50 Schmetterlingsarten eine beliebte Futterpflanze, einige wie zum Beispiel der Admiral, der Tagfalter oder das Tagpfauenauge legen ihre Eier ausschließlich auf Brennesseln ab. Und die Schmetterlingsraupen sind clever, sie fressen sich um die Haare herum und bevorzugen dabei die Wege entlang der Blattnerven und den Blatträndern, da sich dort keine Brennhaare befinden.

Blätter als "Frischhaltefolie"
Früher wurden Butter, Fisch und Fleisch in Brennnesselblätter gewickelt, um sie länger frisch zu halten. Tatsächlich verhindern die Wirkstoffe der Brennnessel die Vermehrung bestimmter Bakterien.

Indikator
Brennesseln bevorzugen stickstoffreiche Böden, ein starker Brennnesselwuchs erlaubt es somit, auch ohne chemische Untersuchungen, Rückschlüsse auf die Bodenbeschaffenheit zu ziehen.


Das Brennesselkraut pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Urtica dioica L. (große Brennessel) und Urtica urens L. (kleine Brennessel)
Volksnamen: Donnernessel, Haarnessel, Hanfnessel, Nessel, Nettel, Saunessel, Senznettel
Synonyme: Nettle leaves (engl.), Herbe d´ortie (franz.).

Stammpflanze: Urtica dioica L., Urtica urens L. (Urticaceae)
Verwendete Pflanzenteile: Blühende oberirdische Teile (Brennesselkraut)

Inhaltsstoffe:
      Flavonoide: 1-2 %.
      Silikate: 1-4 %.

      Die Wirkstoffe, die für die Erhöhung der Harnmenge verantwortlich sind, kennt man noch nicht. Man vermutet, dass der hohe Gehalt an Mineralstoffen an der Wirkung mitverantwortlich ist.
Das Brennesselkraut wird bei folgenden Indikationen eingesetzt:
      Wissenschaftlich belegt: Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege; zur Prophylaxe und Behandlung von Nierengrieß; zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden.
      Erfahrungsmedizin: Innerlich als „blutbildendes“ Mittel, als Diuretikum bei Arthritis, Gelenk- und Muskelrheumatismus, zur „Erhöhung der Enzymproduktion“ der Bauchspeicheldrüse, zur Förderung der Wundheilung, bei Gallenerkrankungen, äußerlich zur Pflege der Kopfhaut und Haare gegen Kopfschuppen und zu fettes Haar.
Empfohlene Zubereitung:
      Etwa 3 – 4 Teelöffel voll (ca. 4 g) Brennesselkraut werden mit 1 Tasse (ca. 125 ml) heißem Wasser übergossen und nach etwa 10 Minuten abgeseiht. Soweit nicht anders verordnet werden 3- bis 4mal täglich eine Tasse frisch bereiteter Teeaufguss getrunken.

Gegenanzeigen: Keine Durchspülungstherapie bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit.

Unerwünschte Wirkungen: Gelegentlich (selten) sind nach Einnahme von Brennesseltee Allergien (Hautaffektionen, Ödeme, verminderte Urinproduktion, Magenreizung) beobachtet worden.

Phytopharmaka
Als Bestandteil von “harntreibenden” Teemischungen (Species diureticae) und sogenannten “Blutreinigungstees”, als Frischpflanzensäfte zur “Frühjahrskur”.

Anwendung in der Homöopathie
Urtica urens (gewonnen aus den Blättern, Stängeln und Wurzeln der kleinen Brennessel) wird in der Homöopathie in der 2. Bis 6. Potenz (D2 bis D6) gegen Nesselsucht und Hautausschläge mit Brennen und Jucken, leichten Verbrennungen und Sonnenbrand verwendet.

Der bekannte „Wasserdoktor“ Pfarrer Sebastian Kneipp schrieb folgendes über das Kraut: «Die Brennessel ist die verachtetste unter den Pflanzen. Für den Kenner hat sie in der Tat den größten Wert».

Brennesselgemüse, Suppen, Salate
Den besten Geschmack haben die ersten, etwa 20 Zentimeter langen Pflanzen im Frühjahr. Das Nesselgift verliert an Wirkung, wenn das Kraut kurz abgekocht wird.

Tipps für den Garten
Die Brennnesseln finden insbesondere im biologischen Gartenbau vielfältige Verwendung. Ein Kaltwasserauszug (nur 24 Stunden angesetzt) festigt durch die enthaltene Kieselsäure die Zellwände der damit gegossenen Pflanzen und stärkt sie so gegen Schädlingsbefall. Eine Jauche löst zusätzlich den Stickstoff der Brennnesseln sowie Spurenelemente heraus und hat dadurch auch Düngewirkung (1 kg frische, grob geschnittene Brennesseln in 10 Liter Wasser an einem sonnigen, warmen Platz ansetzen und ein bis zwei Wochen lang durchgären. Die Jauche ist fertig, wenn sie nicht mehr schäumt und eine dunkle Farbe angenommen hat. Nach dem Abseihen mit Wasser im Verhältnis 1:10 verdünnt anwenden).