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Darmprobleme lindern
 
Probiotischen Präparate aus der Apotheke
 
In Österreich ist etwa jede/r dritte Mitbürger/in von Problemen mit der Verdauung betroffen. Mehr als bei jeder anderen Funktionsstörung kann vielen Verdauungsbeschwerden durch einfache und kleine Änderungen der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten langfristig vorgebeugt werden. Wir essen zu viel, zu schwer, zu hastig. Darmprobleme können die Folge sein: Blähbauch, Völlegefühl, Durchfall und Verstopfung, leider ein Teufelskreis, der die natürliche Verdauung gänzlich aus dem Rhythmus bringt.

Mit der Nahrungsaufnahme beginnt ein raffiniert aufeinander abgestimmter Verdauungsprozess. Die Nahrung wird über ein kompliziertes Zusammenspiel der verschiedensten Organe zerlegt und verwertet. Dies geschieht im Verdauungstrakt, einem mit Schleimhaut ausgekleideten, etwa neun Meter langen Kanal, der vom Mund bis zum After reicht.

Steuerorgan des Verdauungsvorgangs ist der Darm. Ihn umhüllt ein Netz von Nerven, das sogenannte enterische Nervensystem (ENS). Es umfasst über 100 Millionen Neuronen - das sind mehr als im gesamten Rückenmark. Dieses „Bauchhirn" arbeitet unabhängig von der Zentrale im Kopf. Die meisten Signale des Darms werden allerdings nicht bemerkt. Nur die wichtigsten Informationen, Alarmzeichen wie Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen, werden wahrgenommen.

Im Inneren des Darms leben viele Milliarden Bakterien. Sie bilden die Darmflora. Diese Mikroorganismen überziehen netzartig den gesamten Darm-Innenbereich. Die Artenvielfalt der Darmflora mit über 400 verschiedenen Mikroorganismen ist sehr groß. Ihr Aufgabenspektrum reicht von der Aufbereitung der eingenommenen Nahrung über die Erzeugung von Stoffwechselprodukten bis hin zur Unterstützung des menschlichen Immunsystems.

Gesunde Personen haben eine physiologische Darmflora, d.h. sie beherbergen nur die Mikroorganismen in ihrem Darm, die für eine gesunde Verdauung notwendig sind. Ist die Darmflora geschädigt, können sogenannte Probiotika, das sind definierte lebende Mikroorganismen, welche den Darm in aktiver Form erreichen und dort gesundheitlich wünschenswerte Wirkungen entfalten, eine große Hilfe sein. Probiotika werden in verschiedenster Form als Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel und als pharmazeutische Spezialitäten (Arzneimittel) angewandt. Wir alle kennen die fermentierten Milchprodukte als Nahrungsmittel, die in verschiedenen Kulturen seit tausenden Jahren verwendet werden. Gesundheitliche Aspekte probiotischer Nahrungsmittel sind schon lange in Diskussion, bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts führte man die Langlebigkeit und Gesundheit bulgarischer Hirten auf den Konsum von Joghurt zurück, welches ja durch Fermentation mit verschiedenen Stämmen von Lactobacillus hergestellt wird. Seit dieser Zeit herrscht zunehmendes Interesse an der Anwendung von Probiotika. Lactobacillen sind fakultativ anaerob, d.h. dass sie unter Ausschluss von Luftsauerstoff ein optimales Wachstum zeigen. Die Bakterien vermehren sich besonders gut im sauren Milieu und haben die Fähigkeit, Glukose zu Milchsäure zu vergären und die nähere Umgebung damit anzusäuern. Dadurch werden viele der Durchfallerreger in ihrem Wachstum gehemmt oder sogar inaktiviert. Durch die Gabe der Lactobacillen kommt es zusätzlich zu dem Aufbau einer physiologischen Darmflora und damit zu einem Verdrängen der schädlichen Mikroorganismen. Erwähnt sei aber noch die durch probiotische Mikroorganismen und ihre Zellwandbestandteile hervorgerufene immunmodulierende Wirkung auf das mit dem Darm assoziierte Lymphgewebe.

Gut untersuchte Wirkmechanismen von Probiotika am Beispiel klinischer Studien zur Schutzbehandlung unkomplizierter Reisediarrhoen zeigen, dass die zur spezifischen Prophylaxe und Therapie geeigneten probiotischen Mikroorganismen einer Reihe von Anforderungen genügen müssen und dass von den rund 200 bekannten probiotischen Mikroorganismen durchaus nicht alle in jeglicher Indikation erfolgreich angewendet werden können.

Die Zubereitung von probiotischen Präparaten ist eine Herausforderung für die Pharmazeutische Technologie. Die Voraussetzungen sind einerseits die Stabilität der Präparate gegenüber Magensaft und Gallensekret, sodass genügend lebensfähige Organismen im Darm ankommen sowie weitere Erfordernisse, wie ausreichende überlebende Keimzahlen vor und nach der Fermentation und während der Lagerung. Die in Apotheken erhältlichen probiotischen Präparate entsprechen alle diesen hohen Anforderungen.

All diese spannenden Zusammenhänge sowie Fakten zur Biopharmazie und Pharmazeutischen Technologie der Probiotika haben nun zwei Experten in einem Buch zusammengefasst:

Florale Gesundheit
Mehr Lebensqualität und Wohlbefinden durch eine gesunde Bakterienflora
Autoren: Hon.-Prof. Dr. Frank M. Unger, Univ.-Prof. Dr. Helmut Viernstein
1. Auflage 2004, 96 Seiten, Format 16,5 x 22 cm, viele Farbabbildungen.
ISBN 3-901488-54-5. Preis: EUR 3,89
Krause und Pachernegg GmbH
Verlag für Medizin und Wirtschaft
A-3003 Gablitz, Mozartgasse 10

Inhaltsübersicht

· Was verstehen wir unter floraler Gesundheit?
· Die Bakterienflora des gesunden Menschen
· Störungen der floralen Gesundheit
· Der richtige Nährstoffmix für die florale Gesundheit
· Glossar
· Florale Gesundheit im Überblick
· Literatur zum Weiterlesen
· Register
· Abbildungsverzeichnis



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