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Tipps von der Apothekerin: wie kann man Tabletten teilen?
 
Wenn sie eine Tablette teilen wollen, und es im Beipackzettel nicht eindeutig erlaubt ist, fragen sie uns in der Apotheke.
 
Nicht alle Tabletten dürfen geteilt werden. Es gibt beispielsweise Tabletten, die mit einem dünnen Film überzogen sind. Dieser Film kann verschiedene Aufgaben haben:
    • Schutz vor Luftsauerstoff, Feuchtigkeit oder Licht: Diese Tabletten können unter bestimmten Voraussetzungen geteilt werden.
    • Der Überzug verhindert unangenehmer Geruch oder Geschmack und erleichtert somit das Schlucken. In solchen Fällen sollte eine Teilung vermieden werden.
    • Modifizierung der Wirkstofffreisetzung: hier sind besonders die magensaftresistenten Tabletten und die Retardpräparate zu nennen. Diese Tabletten dürfen auf keinen Fall geteilt werden.
        • Magensaftresistente Filmtabletten haben einen speziellen Überzug, der z.B. verhindert, dass säureempfindliche Wirkstoffe im Magen zerstört werden.
        • Auch Tabletten mit einem Retardüberzug dürfen nicht geteilt werden. Bei sogenannten Retardpräparaten wird der Wirkstoff langsam über mehrere Stunden durch die Tablettenhülle freigegeben. Würde man diese Tabletten teilen, dann wird der Filmüberzug beschädigt und der Wirkstoff würde in kurzer Zeit freigesetzt, was zu einer Überdosierung führen kann.
            • Eine Ausnahme bilden hier Retardpräparate, die aus Granulaten oder sogenannten Pellets hergestellt sind, diese dürfen an der Bruchrille geteilt werden, da der Überzug nur die wirkstoffhaltigen Teilchen umgibt, und nicht die ganze Tablette.
Wenn Sie eine Tablette teilen wollen, und es im Beipackzettel nicht eindeutig erlaubt ist, fragen Sie Ihre Apothekerin! Denn selbst wenn die Tablette eine Rille hat, muss das noch kein Hinweis auf die Teilbarkeit sein. Es kann sich nämlich auch nur um eine sogenannte Schmuckkerbe handeln, die nur der Optik dient.
Kompetente Informationen zur Teilbarkeit von Tabletten erhält man in jeder Apotheke.


Technik des Teilens


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Gewölbte Tabletten mit einer speziell großen Bruchkerbe werden mit der Kerbe nach oben gegen die Tischplatte halbiert oder mit der kreuzförmigen Bruchkerbe (Abbildung unten links) nach oben mit leichtem Druck geviertelt.

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Flache Tabletten werden freihändig durch Druck der beiden Zeigefinger auf die Tablettenkante über die Nägel der beiden Daumen gebrochen.

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Tabletten mit einem großen Bruchkerbenwinkel können durch Druck mit einem Finger auf die ungekerbte Seite gegen eine harte Tischplatte gebrochen werden.

Alternativ können Tabletten mit Bruchrille auch in einen Eierbecher gelegt werden. Durch die Wölbung auf der Unterseite des Eierbechers kann das Teilen per Fingerdruck erleichtert werden und die Tablettenbruchteile können so nicht verloren gehen, sondern verbleiben im Eierbecher.
Und schließlich können flache Tabletten auch durch Daumendruck über die beiden Zeigefinger geteilt werden.
Abbildungen überarbeitet aus Kircher W. Arzneiformen richtig anwenden. 2. Auflage.
Stuttgart: Dt Apotheker Verl 2000: 122–8.


    Empfehlenswert ist ein sogenannter Tablettenteiler aus der Apotheke. Er ist aufgebaut wie eine kleine Schachtel zum Zuklappen. In die untere Hälfte legt man die zu teilende Tablette. In die obere Hälfte ist eine harte Klinge eingebaut.

    Küchenmesser, Scheren oder ähnliche scharfe Gegenstände sind vollkommen ungeeignet, um Tabletten zu teilen, da dies zu wesentlich ungenaueren Teilungsergebnissen - und zu Verletzungen - führen kann.
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    Knapp ein Drittel der verordneten Tabletten werden vor der Einnahme geteilt. Diese gängige Praxis hat aber auch einige Risiken.
    TV-Apothekerin Mag.pharm.Barbara Haase in der Sendung Sommerzeit am 18.8.2010 um 17:40 Uhr im ORF 2.
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