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Schwanger und Medikamente?
 
Die heikelste Zeit liegt zwischen der dritten und zehnten Schwangerschaftswoche
 
„Nur wenn unbedingt notwendig“, lautet die Devise bei Medikamenten in der Schwangerschaft. Das gilt auch für rezeptfreie Arzneimittel. Rücksprache mit Arzneimittelexperten ist auf jeden Fall angezeigt.

Während einer Schwangerschaft ist es nicht immer leicht, auf Arzneimittel zu verzichten. Wer ständig Medikamente nehmen muss (Diabetes, Schilddrüsen usw.) wird das ohnehin mit seinem Arzt absprechen. Es können sich aber auch eine Reihe von Beschwerden einstellen, die frau vorher nicht gekannt hat. Typische Beschwerden während der Schwangerschaft sind zum Beispiel Probleme im Magen-Darm-Trakt. Sie reichen vom berühmten Schwangerschaftserbrechen über Sodbrennen bis zur Verstopfung. Schon eine Anpassung der Ernährung kann da viel bewirken. So sind zum Beispiel mehrere kleinere Mahlzeiten günstiger als wenige große. Weniger Kaffee, Verzicht auf Alkohol und wenn möglich die Vermeidung von Stress können weiter dazu beitragen, den Magen wieder in Ordnung zu bringen.

In manchen Fällen kann aber eine unbehandelte Krankheit dem Kind mehr schaden als die richtige Einnahme von Medikamenten. Das gilt vor allem für chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Epilepsie. Aber auch bei einer schweren Grippe oder anderen Infektionskrankheiten könnte das Kind durch die Krankheit der Mutter einem größeren Risiko ausgesetzt sein als durch Arzneimittel. Seit der Contergan-Katastrophe werden neue Arzneimittel bereits in der Entwicklungsphase auf eine mögliche fruchtschädigende Wirkung untersucht. Durch zahlreiche Tests sowohl im Reagenzglas als auch in Tierversuchen muss das Risiko einer schädlichen Wirkung während der Schwangerschaft minimiert werden.

Ob ein Arzneistoff dem ungeborenen Kind schaden kann oder nicht, hängt stark von der Phase der Schwangerschaft ab. In den ersten drei Wochen nach der Empfängnis reagiert der Körper nach dem „Alles oder Nichts“ -Prinzip. Wenn es zu einer Schädigung kommt, führt das im Allgemeinen zum Absterben des Embryos. Ein solcher Abort wird von den Frauen meist gar nicht als solcher bemerkt, sondern für eine stärkere Regelblutung gehalten. Die heikelste Zeit liegt zwischen der dritten und zehnten Schwangerschaftswoche, wenn sich die inneren Organe, Arme und Beine ausbilden. Schädigungen führen hier nicht mehr automatisch zum Abort und es kann durch die falsche Einnahme von Medikamenten zu schweren Missbildungen kommen. Nach Ende des dritten Schwangerschaftsmonats sind die wesentlichen Entwicklungen weitgehend abgeschlossen. Jetzt sind noch Funktionsstörungen zu befürchten, die aber häufig in der weiteren Entwicklung des Kindes wieder rückgängig gemacht werden können.