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Lipidsenker und Mittel gegen Bluthochdruck
 
 
Es gibt viele Ursachen, die für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich gemacht werden. Eine der wichtigsten ist die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose).

Risikofaktoren für Arteriosklerose sind:

            • Rauchen,
            • Stress,
            • Übergewicht,
            • wenig Bewegung,
            • erhöhter Blutdruck,
            • erhöhte Blutfettwerte,
            • erbliche Faktoren.

Zuviel Fett im Blut:
Durch die zu reichliche Zufuhr von tierischen Fetten mit der Nahrung steigt das Cholesterin im Blut an. Deshalb regelmäßig Cholesterinwerte überprüfen!
Zuerst wird einmal der Gesamtcholesterinwert gemessen. Das geht am einfachsten in der Apotheke, wo man einen Schnelltest (sogenanntes Vorscreening) ohne Voranmeldung und Warezeit in Anspruch nehmen kann.
Wenn der Wert über 160 mg% liegt, wird das Fett bereits in den Gefäßen abgelagert. Wenn der Gesamtcholesterin-Wert über 200 mg% liegt, bleibt das Fett länger dort. Wenn dann noch das gute HDL-Cholesterin zu niedrig ist, kann das böse LDL-Cholesterin nicht mehr aus den Blutgefäßen herausgeholt werden und bleibt lebenslang in den Gefäßen liegen. Rechtzeitig Nahrungsumstellung und gegebenenfalls medikamentöse Behandlung kann die Folgen verhindern.

Gut und Böse

Eine bestimmte Menge Blutfette muss stets vorhanden sein, damit der Organismus arbeiten kann.

Das Cholesterin wird als Ausgangssubstanz für die körpereigene Produktion von Vitamin D, verschiedener Hormone und auch zum Aufbau der Zellwände tagtäglich benötigt.


Tipp:

    • Der LDL-Wert („böses Cholesterin“) sagt etwas darüber aus, ob mehr Cholesterin in die Gefäßwand eingebaut wird, das heißt: je höher der gemessene Wert, desto mehr Risiko!
    • Der HDL-Wert („gutes Cholesterin“) gibt Auskunft, ob mehr Cholesterin aus den Gefäßwänden abgebaut wird: je höher der gemessene Wert, umso weniger Risiko

Lipidsenker
Zur Behandlung stehen Arzneimittel mit unterschiedlichen Angriffspunkten zur Verfügung. Die erste Gruppe stellen die sogenannten Hemmstoffe der Cholesterinsynthese in der Leber dar. Als Folge der Hemmung wird die Leberzelle gezwungen, aus dem Blut mehr LDL-Cholesterin aufzunehmen, um den körpereigenen Bedarf an Cholesterin zu decken. Die sogenannten Fibrate greifen in den Fettstoffwechsel der Leber ein und senken so den LDL-Cholesterinwert. Die Ionenaustauscher verhindern durch Bindung der Gallensäure im Darm die Rückresorption der Gallensäuren und zwingen damit die Leber, aus dem LDL-Cholesterin neue Gallensäuren zu bilden. Der relativ neuartige Wirkstoff Ezetimib ist ein im Darm wirkender, selektiver Cholesterinwiederaufnahmehemmer und gehört somit zur vierten Gruppe der lipidsenkenden Arzneistoffe. Mehr über Lipidsenker...

Tipp:
Neben allgemeinen Maßnahmen wie ausgewogener Ernährung stehen auch pflanzliche Produkte Verhinderung der Arteriosklerose zur Verfügung. Hier muss vor allem der Knoblauch genannt werden, man kann ihn entweder frisch essen (etwa 4 Gramm täglich) oder in Form von Fertigpräparaten einnehmen. Achten Sie hier, auch im Vergleich mit den sogenannten Nahrungsergänzungsmitteln, auf eine entsprechend hohe Dosierung (Apotheke!).

MITTEL ZUR BLUTDRUCKSENKUNG

Zur Behandlung der Hypertonie werden fünf Substanzgruppen als Mittel der ersten Wahl empfohlen:
      1. Diuretika,
      2. Betablocker,
      3. Calciumantagonisten,
      4. ACE-Hemmer und
      5. Angiotensin-Rezeptorblocker.

1. Blutdruck senken durch Entwässerung
Die wohl älteste Gruppe sind die Entwässerungsmittel, die sogenannten Diuretika, die die Harnproduktion der Nieren verstärken. Das heißt, es wird mehr Urin gebildet und damit Flüssigkeit ausgeschieden. Weniger Flüssigkeit im Blutgefäß bedeutet weniger Druck. Mit der Flüssigkeit können während der Behandlung auch Mineralstoffe des Blutes in großem Umfang ausgeschieden werden. Das kann – unbehandelt – zu teilweise unangenehmen Nebenwirkungen führen. Dass man bei der Therapie mit Entwässerungsmitteln häufiger zur Toilette muss, ist vielleicht unangenehm, zeigt aber, dass das Medikament wirkt.

Tipp: Der Druck im Blutgefäß kann nicht über eine Verminderung der Trinkmenge gesenkt werden. Es ist wichtig, dass Sie ausreichend trinken, damit die Nieren arbeiten können.

2. Beta-Blocker beruhigen das Herz

Die zweite neben den Diuretika wohl am besten untersuchte Arzneistoffgruppe sind die Beta-Rezeptorenblocker, die über die Blockierung der sogenannten Beta-Rezeptoren an den Gefäßen und am Herz die Pulsfrequenz und die Herzleistung und den Sauerstoffbedarf des Herzens vermindern. Dadurch wird weniger Blut in den arteriellen Teil des Körperkreislaufs gepumpt. Weniger Volumen bedeutet auch weniger Druck. Auf diese Weise wird der Blutdruck gesenkt und das Herz vor Folgeschäden geschützt.

Tipp: Es kann sein, dass man sich anfangs bei der Therapie mit Beta-Blockern müde fühlt, denn der Körper muss sich erst wieder an den niedrigeren, normalen Blutdruck gewöhnen. Betablocker können zu einer Verengung der Bronchien führen, was bei Asthmapatienten einen Asthmaanfall begünstigt. Als Nebenwirkungen können eine Verlangsamung des Herzschlags, zu niedriger Blutdruck und, bei Männern, manchmal Erektionsstörungen auftreten. Beta-Blocker werden auch gegen Angina pectoris und zur Vorbeugung eines zweiten Herzinfarktes und bei kurzfristigen Stresssituationen, die eine Herzbelastung darstellen können, eingesetzt. Häufig werden die Beta-Blocker mit den Diuretika zur Behandlung des erhöhten Blutdruckes miteinander kombiniert.

3. Calciumkanalblocker für weitere Adern
Eine dritte Gruppe stellen die Calciumkanalblocker oder Calciumantagonisten dar, deren bekanntester Vertreter Nifedipin und Verapamil sind. Calciumkanalblocker vermindern die Verfügbarkeit des Calciums für die Zelle und schwächen damit die Kontraktionskraft der Herzmuskulatur und der glatten Muskulatur der Gefäße. Sie erweitern die Blutgefäße und senken so den Blutdruck. Gleichzeitig bremsen sie den Herzmuskel in den Anspannungsphasen etwas ab. Ähnlich wie bei den Betablockern verbraucht das Herz dadurch weniger Sauerstoff und arbeitet effektiver. Als unerwünschte Wirkungen können ein zu niedriger Blutdruck und Störungen des Herzrhythmus auftreten. Calciumantagonisten werden bei älteren Patienten eingesetzt, für die ein ß-Blocker nicht in Frage kommt.

Tipp:
    • Nifedipin bevorzugt als Angriffspunkt mehr die Gefäßmuskulatur und wird daher in erster Linie zur Therapie des Bluthochdrucks eingesetzt. Verapamil zeigt gleiche Wirkung auch am Herzmuskel und wird deshalb in erster Linie bei Herzrhyth-musstörungen und Angina pectoris verwendet.
    • Im hypertensiven Notfall muss eine Kapsel (z.B. Nifedipin) zerbissen und mit dem Inhalt sofort hinuntergeschluckt werden.
    • Die meisten Substanzen dieser Klasse sind lichtempfindlich, deshalb die Medikamente immer im Dunkeln (am besten in der in der Originalpackung) aufbewahren. Auch dürfen etwa Nefedipin-Filmtabletten nicht geteilt werden, da sonst der durch die Lackierung erreichte Lichtschutz nicht mehr gewährleistet ist.

ACE Hemmer und Angiotensin-Rezeptorblocker

Wirkstoffe aus diesen beiden Klassen blockieren das Blutdruck steigernde Hormon Angiotensin II, aber wie wir aber sehen werden, auf zwei unterschiedlichen Wegen:

4. ACE-Hemmer
ACE-Hemmer gelten als eine der bestuntersuchten Substanzgruppen in der Kardiologie. Diese Mittel wirken durch die Hemmung eines Enzyms, des Angiotensin Converting Enzyme (ACE). Dieses Enzym ist verantwortlich für die Bildung des Angiotensin II, einem Stoff, der in der Lage ist, die Blutgefäße eng zu stellen, was eine Blutdruckerhöhung zur Folge haben würde. ACE-Hemmer verhindern die Bildung des Angiotensin II und senken damit den Blutdruck. Inzwischen werden auch die ACE-Hemmer mit den Diuretika kombiniert, was zu einer Dosissenkung der ACE-Hemmer führt.

Tipp:
    • Die volle Wirkkraft entfalten ACE-Hemmer aber erst nach längerer Einnahme. Eine kleinere Anfangsmenge sollte langsam gesteigert werden, bis die sogenannte Zieldosis (die Menge, die am optimalsten wirkt, ohne Nebenwirkungen zu verursachen) erreicht ist.
    • Eine Nebenwirkung sollte allen Anwendern von ACE-Hemmern bekannt sein: ACE-Hemmer können bei etwa 5 – 10% der Patienten einen trockenen Reizhusten auslösen. In einem solchen Fall sollte die Behandlung auf einen Angiotensin-Rezeptorblocker umgestellt werden. Diese Medikamentengruppe hat die gleichen Wirkungen wie ACE-Hemmer, verursacht aber keinen Husten.
    • Alle anderen Blutdruck senkenden Medikamente verursachen ebenfalls keinen Husten. Allerdings können Betarezeptorenblocker bei Patienten mit einer obstruktiven Lungenerkrankung bestehenden Husten verstärken oder eine noch nicht erkennbare Neigung zu Husten zum Ausbruch bringen.

5. Angiotensin-Rezeptorblocker

Bei diesen Präparaten wird nicht das Enzym, das für die Produktion von Angiotensin II verantwortlich ist, gehemmt, sondern der Rezeptor, an dem das „fertige“ Hormon Angiotensin II andocken möchte. Der Effekt ist der selbe wie bei den ACE-Hemmern. Angiotensin II wird ausgeschaltet, der Blutdruck dadurch gesenkt.

Tipp: Mit der Einführung der Angiotensin-Rezeptorblocker, auch AT1-Rezeptorblocker oder Sartane genannt, waren die Erwartungen sehr hoch, sie könnten ACE-Hemmer in ihrer Wirkung überflügeln. Ob sie den ACE-Hemmern aber insgesamt überlegen sind, ist noch unklar, denn neuere Studien zeigen, dass die Angiotensin-Rezeptorblocker zwar zu einer effektiven Senkung des Blutdrucks führen, aber keinen Einfluss auf das Herzinfarktrisiko oder auf die kardiovaskuläre Mortalität zeigen – ganz im Gegensatz zu den ACE-Hemmern, für die bei Personen mit Risikofaktoren (Hypertonie, Diabetes mellitus) eine rund 20%ige Senkung des Herzinfarktrisikos gut dokumentiert ist. Normalerweise werden also Angiotensin-Rezeptorblocker heute dann angewandt, wenn ACE-Hemmer nicht vertragen werden.


Wirkung im Zentralnervensystem
Neben diesen Stoffen, die primär in der Peripherie ihre Angriffspunkte haben, werden auch Stoffe, allerdings als Mittel der zweiten Wahl, eingesetzt, die über eine Wirkung im Zentralnervensystem den Blutdruck senken, indem sie bestimmte Überträgerstoffe beziehungsweise zentrale Rezeptoren im Gehirn beeinflussen. Zu diesen Substanzen gehören unter anderem Methyldopa, Clonidin, und Moxonidin.

Nicht unerwähnt bleiben sollen die stark gefäßerweiternd wirkenden Mittel wie Minoxidil, die aber nur für schwere Hochdruckkrisen als Reservemittel vorgesehen sind.

MITTEL ZUR STÄRKUNG DER HERZLEISTUNG
Die Mittel, die hier beispielhaft genannt werden müssen, sind die Digitalispräparate. Bereits 1785 wurde von Withering die Wirkung der sogenannten Herzglykoside aus dem Fingerhut beschrieben. Sie wirken direkt am Herzen, indem sie über eine Steigerung der Verfügbarkeit der Calciumionen die Kontraktion der Herzmuskelzellen beim geschwächten Herzen stärken. Dadurch wird die Blutversorgung verbessert und Stauungen beziehungsweise Ödeme ausgeschwemmt.

Tipp: Herzglykoside sind sehr wirksam und bei Überdosierung schnell giftig. Sie sind ein Paradebeispiel für den Satz: Die Dosis macht das Gift. Verstärkte Nebenwirkungen in Form von Herzrhythmusstörungen, Benommenheit, Kopfschmerzen oder/und Sehstörungen treten schon bei der 1,5- bis 3fachen Einnahmemenge auf. Falls das passiert: sofort zum Arzt. Er wird in leichteren Fällen das Medikament absetzen, in schweren Fällen Maßnahmen gegen die Vergiftung einleiten.

Die meisten Krankheiten fallen dadurch auf, dass sie Beschwerden (zum Beispiel Schmerzen) auslösen. Von einem zu hohen Blutdruck merkt man anfänglich häufig nichts. Man fühlt sich anfangs oft sogar wohl. Trotzdem schädigt der andauernd hohe Druck in den Arterien sowohl das Herz als auch die Gefäße. Die flexible Gefäßwand wird starrer und es entwickelt sich eine Gefäßwandverkalkung, -verhärtung und -verengung (sogenannte Arteriosklerose). Dadurch werden auf längere Sicht vor allem Gehirn (im Sinne einer Hirnleistungsstörung durch viele kleine Schlaganfälle), Niere (Nierenversagen), Herz (Herzkranzgefäßerkrankung, KHK) und Augen geschädigt. Manche Medikamente können als Nebenwirkung den Blutdruck erhöhen. Dazu zählen sogenannte Kontrazeptiva („Antibaby-Pille“), einige Appetitzügler, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), wie z.B. Diclofenac u.v.a. Wer Lakritze in sehr großen Mengen zu sich nimmt, kann dadurch den Blutdruck erhöhen. Auch wer viel Alkohol trinkt, läuft Gefahr, einen höheren Blutdruck zu entwickeln

Da der Bluthochdruck lange Zeit keine Beschwerden macht, fällt die Erkrankung oft erst viel zu spät auf. Die Blutdruckmessung ist eine einfach durchzuführende und nicht schmerzhafte Untersuchung. Sie sollte regelmäßig durchgeführt werden. (Apotheke!)


Tipp:
Wenn es Ihnen trotz der Medikamente nicht gleich besser geht, so liegt das daran, dass Ihr Körper sich an einen sehr hohen Blutdruck gewöhnt hat. Er braucht nun einige Zeit, um sich auf den niedrigeren, normalen Blutdruck einzustellen. Nehmen Sie auch in dieser Übergangsphase Ihre Medikamente regelmäßig und zuverlässig ein. Wenn Nebenwirkungen auftreten, sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt und setzen Sie die Medikamente nicht einfach ab. Oft lässt sich ein Kompromiss finden, indem ein anderes Medikament oder eine andere Art oder Zeit der Einnahme ausprobiert werden. Am sinnvollsten sind die Medikamente, die das beste Ergebnis erzielen (Blutdrucksenkung) und dabei möglichst wenig Nebeneffekte auslösen.