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Arzneimittel bei Herz- und Kreislauferkrankungen
 
 
Das Herz nimmt in der Wissenschaft, der Kunst und den Medien einen herausragenden Platz ein. In vielen Kulturkreisen gilt es als Sitz der Seele. Denn Gefühle wie Trauer, Freude, Aufregung oder Angst können unseren Herzschlag und die Leistung unseres Herzens so beeinflussen, dass wir selbst es spüren, obwohl wir normalerweise unseren Herzschlag nicht bemerken. Das drückt sich auch in unserer Sprache aus:


Springen und schlagen, bluten und brechen, hämmern, schmelzen, überfließen: Das ist nur eine kleine Auswahl der Verben, die ausdrücken, was unser Herz tun kann. Kein anderes Organ des Menschen, von den Augen abgesehen, ist im Laufe der Zeit mit so vielen Prädikaten belegt und Metaphern markiert worden wie das Herz. Entsprechend schlimm, wenn das Herz krank ist.

Die Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems sind mannigfaltiger Art und treten überaus häufig auf. In der westlichen Welt stellen sie die häufigste Todesursache dar, etwa jeder 2. Mitteleuropäer ist davon betroffen. Vor allem die Gefäßverkalkung der Herzkranzarterien, die sogenannte koronare Herzkrankheit, kann als Geisel Nummer eins der industrialisierten Länder angesehen werden. Reicht die zur Versorgung der Herzwand benötigte Blutmenge nicht aus, kann es zur Angina pectoris kommen, bei Verschlüssen zum gefürchteten Herzinfarkt. Aber auch erworbene Herzklappenfehler, Herzrhythmusstörungen, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, oder ganz allgemein die Herzschwäche, die als Folge von Entzündungen oder durch einen lange bestehenden, schlecht eingestellten Bluthochdruck entsteht, sind leider nur allzu häufige Erkrankungen des Herzens.

Bereits im Altertum ist der Gebrauch herzaktiver Drogen nachweisbar: Urginea maritima L., die Meerzwiebel, schon 1500 v.Chr. als Bestandteil einer ärztlichen Verordnung im Papyrus Ebers erwähnt, dürfte eine der ältesten Heilpflanzen überhaupt sein. Ebenso war das getrocknete Sekret der Haut- und Ohrspeicheldrüsen von Kröten – eine tierische Droge mit typischen herzwirksamen Stoffen, allerdings nicht glykosidischer Natur – ein wichtiges Herzmittel der chinesischen Medizin. Hippokrates empfahl die Christrose, der Fingerhut (Digitalis) hingegen wurde erst im 10. Jhdt erwähnt. Ab dem 15. Jhdt. beginnt sich die Medizin von der antiken Tradition zu lösen, und zahlreiche Pflanzen mit herzaktiven Glykosiden scheinen nun in Kräuterbüchern auf: Das Maiglöckchen ebenso wie das Adonisröschen. Eine Therapie mit diesen Giftpflanzen war schwierig, hatte viele Nebenwirkungen oder war bei Überdosierungen sogar tödlich. Zum Glück gibt es dafür heute viele gut verträgliche moderne Arzneimittel, dazu zählen aber nach wie vor auch Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs. Denn einige Phytopharmaka, die „gut fürs Herz sind“ haben aufgrund neuester Studien wieder an Bedeutung gewonnen: Dazu zählen etwa Weißdorn, Knoblauch, Ginkgo und Rosskastanienextrakt ebenso wie Ginseng und verschiedene andere isolierte Pflanzeninhaltsstoffe.

In den letzten Jahren gab es gewaltige Fortschritte in der medikamentösen Therapie der Herz-Kreislauferkrankungen.

Die Therapie wird immer gezielter und spezifischer, auch bei gleicher Zusammensetzung ist ein Medikament nicht ohne Probleme mit einem anderen austauschbar. Unterschiede können in der Arzneiform, beispielsweise in der Trägersubstanz der Tablette bestehen. Wer kann da noch den Überblick über die vielen Arzneimittel behalten?
Natürlich Ihre Apothekerin, Ihr Apotheker, denn das gehört ja zu deren Beruf.

In Österreich sterben jährlich über 40.000 Menschen an den Folgen kardiovaskulärer Erkrankungen, weltweit sind es 12 Millionen Tote pro Jahr. Mehr als jeder zweite tödliche Herzinfarkt oder Schlaganfall könnte aber nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch ausreichende Versorgung der Risikopatienten mit Medikamenten sowie durch Aufklärung und gesunden Lebensstil verhindert werden.

Eine jüngst veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders leichtsinnig verhalten: Viele nehmen ihre verordneten Tabletten nicht, falsch oder nicht regelmäßig ein, jedenfalls nicht „ausreichend“, wie es die WHO empfiehlt. Die erwünschten positiven Effekte auf den Krankheitsverlauf können aber nur eintreten, wenn die Medikamente auch tatsächlich laut Anweisung des Arztes eingenommen werden. Wir Apotheker wissen, dass viele Herzpatienten unzählige Fragen zum Thema Arzneimittel haben, denn in der täglichen Beratung in der Apotheke helfen wir, mit den Arzneimitteln richtig umzugehen. Und besser noch wie jede Therapie ist - so wie es die WHO auch fordert - die richtige Vorsorge. Auch dazu gibt es viele aktuelle Informationen in Ihrer Apotheke. Gesund werden, gesund bleiben – Ihr Apotheker informiert und hilft.

Siehe auch Apothekertagung "Herz- Kreislauferkrankungen" 2003 in Saalfelden