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Beratungstipps zum Thema Influenza
 
 
Link zu den neuesten virologischen Daten zur Influenzasituation:
Das Department für Virologie der MedUni veröffentlicht wöchentlich aktuelle Influenza-Informationen.

Beratungstipps
Influenzaviren kommen nicht nur bei Säugetieren und beim Menschen, sondern auch bei Vögeln vor. Die Vogelgrippe (aviäre Influenza, Geflügelpest) ist eine Tiererkrankung, die durch verschiedene Influenzaviren verursacht werden kann. Gefürchtet sind neue Subtypen des Influenza-A-Virus, die durch eine Antigenshift (eine Durchmischung von humanen und aviären Gen-Segmenten) entstehen können. Eine solche Durchmischung von Vogelgrippe- und humanen Influenzaviren kann beispielsweise im Schwein stattfinden, wenn diese Tiere Träger beider Viren sind, wie etwa bei der Variante des Subtyps A/H1N1, die Mitte April 2009 entdeckt wurde (bekannt als „Schweinegrippe“).

Das Influenza-Virus sieht im Elektronenmikroskop wie ein Seeigel aus. Allerdings sind die "Stachel" sehr spezifisch in ihrer Form und Funktion. Diese Spikes oder Peplomere genannten Fortsätze sind bei den Influenza-A-Viren von besonderem Interesse. Sie bestehen aus den Proteinen Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA). In der Natur existieren 15 verschiedene Subtypen dieses HA (HA1 bis HA15), die alle bei Vögeln gefunden werden. Nur drei davon (HA1, 2 und 3) haben es bisher geschafft, sich an den Menschen zu adaptieren und Bestandteil der Pandemieviren 1918 (H1), 1957 (H2) bzw. 1968 (H3) zu werden. Das nun bei Vogelgrippe isolierte Oberflächenprotein hat die Bezeichnung H5.
Mittels Hämagglutinin verschafft sich das Virus Zugang in fremde Zellen, es ist quasi der Schlüssel, mit dem das Virus reinkommt. Neuraminidase hat ebenfalls eine Art "Schlüssel-Funktion", denn mit ihrer Hilfe kann das Virus die befallene Zelle wieder verlassen. Genau hier setzen übrigens die Neuraminidase-Hemmer (z.B. Oseltamivir oder Zanamivir) an, die das Virus beim Verlassen der Zelle behindern, das Virus bleibt sozusagen in der Zelle gefangen und kann sich im Organismus nicht weiter ausbreiten. Die Behandlung mit Neuraminidase-hemmern verhindert also nicht die Infektion, sondern die Ausbreitung, und muss innerhalb der ersten 36 Stunden der Krankheit begonnen werden.

Die Vogelgrippe ist von Mensch auf Mensch derzeit nicht übertragbar. Durch ständige Veränderungen des Erbguts oder den Austausch ganzer Gene mit anderen tierischen oder auch menschlichen Influenzaviren könnten Geflügel-Influenzaviren allerdings die Fähigkeit erlangen, effektiver als bisher den Menschen zu infizieren und vor allem effizient von Mensch zu Mensch übertragen zu werden. Deshalb haben die Gesundheitsbehörden verschiedene Vorsorgemaßnahmen im sogenannten Influenza-Pandemieplan zusammengestellt. Mehr darüber siehe „Merkblatt Influenza Pandemie“.

Merkblatt Influenza Pandemie Merkblatt Influenza Pandemie.PDF

Checkliste zur Differenzierung von Influenza und banalem Infekt:
Symptomebei Influenzabei Erkältung
Beginn der Beschwerdenschlagartigverlangsamt
Fieber, Schüttelfrosthäufigselten
Hustenüblich, starkunüblich, leicht
Kopfwehvorherrschendselten
Gelenk- und Gliederschmerzenhäufig, oft sehr ausgeprägtkaum
Müdigkeit und Abgeschlagenheitvon 2–3 Wochen Dauernur kurz und schwach ausgeprägt
Suchen Sie bei Symptomen einer Influenza (v. a. hohes Fieber, Glieder- und Muskelschmerzen) unverzüglich einen Arzt auf! Als unbedingt behandlungsbedürftige Komplikationen und Folgeerkrankungen der Influenza können auftreten:
      Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Mittelohrentzündung (Otitis media), Lungenentzündung (Pneumonie), Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und Gehirnhautentzündung (Encephalitis). Bei Patienten, die bereits Gesundheitsprobleme haben, kann die Influenza sogar zum Tod führen. Kinder und alte Menschen sind besonders gefährdet, Sekundärkomplikationen zu erleiden.