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Weidenrinde im Vergleich mit synthetischen Salicylaten
 
Gute Verträglichkeit und eine geringe Nebenwirkungsrate
 
Insgesamt sind etwa dreihundert Weidenarten bekannt, die hauptsächlich in Europa, sowie in West- und Nordasien verbreitet und eher in gemäßigten bis kühlen Gebieten anzutreffen sind. Selbst in der Arktis (Spitzbergen) kommen noch einige wenige Arten vor.


Weidenkätzchen in der Lobau bei Mühlleiten
Weiden können als Strauch oder Baum vorkommen, alle Weiden sind zweihäusig, sodass auf einem Strauch oder Baum immer nur Blüten eines Geschlechts anzutreffen sind. Die Blüten der Weiden stehen in aufrechten Kätzchen, die männlichen erkannt man an den weit hervorragenden gelben Staubblättern, die weiblichen sind grün.

Bekanntester Frühblüher unter den Weiden und erste Nahrung für die Bienen im Frühjahr ist die strauchartig wachsende Sal-Weide mit den allseits bekannten grausilbrigen Palmkätzchen, das sind die Blüten, welche noch vor den Blättern erscheinen. Deshalb die Volksnamen Katzenstrauch, Weihbuschen, Fellhornrinde. Die Weiden sind Flussbegleiter. Sie bevorzugen feuchte Standorte, kommen an Gräben und am Rand feuchter Wiesen vor und können jährliche Überflutungen von durchschnittlich neunzig bis 190 Tagen und in Extremfällen bis zu dreihundert Tagen unbeschadet überstehen.

Woher kommt der Name?
Der lateinische Bedeutung des Namen Salix entspricht dem deutschen Wort Weide. Das deutsche Wort „Weide“ leitet sich vom althochdeutschen „ wida“ ab und ist mit dem griechischen Wort „itea“ = Weide urverwandt.

Die Weide pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Salix sp.

Stammpflanze: Salix sp. (Salicaceae)
Die heilsame Weidenrinde kann von verschiedenen Weidenarten stammen, in Betracht kommen in der Praxis z.B. Salix alba (Silber-Weide), Salix purpurea (Purpur-Weide), Salix daphnoides, Salix viminalis (Korb-Weide, Hanf-Weide), Salix caprea (Sal-Weide, Palm-Weide), Salix nigricans (Schwarz-Weide), Salix fragilis (Bruch-Weide), Salix pentandra (Lorbeer-Weide).


Die Rinde kann im Frühling, wenn
die Säfte steigen, leicht von den Ästen
und Zweigen gelöst werden.
Fotos: F.Biba
Volksnamen:
Felbern, Katzenstrauch, Korbweide, Maiholz, Weihebuschen

Verwendeter Pflanzenteil:
Rinde von 2 - 3-jährigen Zweigen verschiedener Salix-Arten (Cortex Salicis).

Synonyme:
Fieberweidenrinde, Maiholzrinde, Weißfelberrinde, Hartrinde, Knackrinde, Fellhornrinde, Kamprinde

Willow bark [englisch]
Ecorce de saule [französisch]

Verbreitung:
Heimisch in Europa und Asien, zum Teil auch in Nordamerika.

Inhaltsstoffe:
Phenolglykoside: 1,5-ca.11 % mit je nach Stammpflanze qualitativ und quantitativ unterschiedlicher Zusammensetzung (wichtige Komponenten sind Salicin, Salicortin, Tremulacin, Populin). Der Gesamtsalicylgehalt sollte mind. 1 % sein, wird aber von vielen Arten nicht erreicht. Hohe Gehalte haben S. purpurea (6-8,5 %), S. daphnoides (4,9-5,6 %) und S. fragilis (3,9-10,2 %).
Weitere Inhaltsstoffe: Aromatische Aldehyde und Säuren sowie Gerbstoffe (8-20 %).

Therapeutisch relevante Wirkungen:
Antipyretische, analgetisch-antirheumatische und antiseptische Wirkung: Die phenolischen glykosilierten Inhaltsstoffe der Weidenrinde gelten als "natürliche Prodrugs", die im Darmtrakt in Saligenin (Salicylakohol) und Traubenzucker gespalten werden. Erst nach Resorption wird Saligenin zur therapeutisch aktiven Salicylsäure oxidiert. Die letztendlich Fieber senkende, schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung beruht auf einer Hemmung der so genannten Prostaglandine, das sind Stoffe, die Entzündungen fördern. Salicylsäure hemmt die Cyclooxygenase-2 stärker als das Isoenzym COX-1. Cyclooxygenase (COX) ist ein intrazelluläres Enzym der Prostaglandinsynthese und spielt eine entscheidende Rolle bei der Entzündungsreaktion, aber auch einer Vielzahl weiterer Prozesse wie der Blutgerinnung. Es gibt Unterformen der Cyclooxygenase, die als COX-1 und COX-2 bezeichnet werden. Sie unterscheiden sich darin, in welchen Zellen sie vorkommen, ob sie ständig oder nur bei Bedarf aktiv sind sowie dadurch, durch welche Substanzen sie gehemmt werden. Dabei ist COX-1 ständig aktiv, während COX-2 nur bei Entzündungen aktiv ist.

Da die Umwandlung des Salicins im Körper langsam verläuft, setzt die Wirkung erst spät ein, hält aber dafür länger an. Etwa 14 Tage müsse sich der Patient gedulden, bis er eine Wirkung spürt. Daher sind Zubereitungen aus der Weidenrinde nicht zur Behandlung akuter Schmerzen geeignet, wohl aber für chronische Schmerzen, wie z. B. Rückenschmerzen. Untersuchungen zeigten gute Verträglichkeit der Weidenrindenzubereitungen und eine geringe Nebenwirkungsrate im Vergleich mit synthetischen Salicylaten. Im Unterschied zu Acetylsalicylsäure beeinflussen Weidenrindenextrakte die Thrombozytenfunktion nicht, weshalb sie auch zur Schmerzbehandlung nach Operationen eingesetzt werden können. Gegenüber Aspirin haben die Salicinverbindungen der Weidenrinde den Vorteil, dass sie keine aggregationshemmenden und damit die Blutgerinnung inhibierenden Eigenschaften (erhöhte Blutungsneigung) besitzen.

Unerwünschte Wirkungen:
Bei bestehender individueller Überempfindlichkeit gegenüber Salicylaten muß mit einer Auslösung der bekannten Reaktionen (Nesselausschläge, Asthma, Rhinitis, Bronchospasmen) gerechnet werden. An eventuellen Magenunverträglichkeiten sind nicht die Salicylate schuld, sondern die in der Rinde enthaltenen Gerbstoffe.

Verwendung:
Fieberhafte Erkrankungen, rheumatische Beschwerden

Dosierung:
Innerlich: mittlere Tagesdosis: 4,5 g Weidenrinde.
Äußerlich: 2-3 g Weidenrinde auf 100 ml Wasser.
Empfohlene Dosierung:
Mittlere Tagesdosis: entsprechend 60-120 mg Gesamtsalicin.
Berechnungsgrundlage: 90 mg Gesamtsalicin (entspricht im Mittel ca. 10 g Weidenrinde).

Teebereitung:
2 – 3 g der fein geschnittenen oder grob gepulverten Weidenrinde werden mit kaltem Wasser angesetzt, zum Sieden erhitzt und nach 5 Minuten durch ein Teesieb gegeben. 3 – 5 mal täglich 1 Tasse Tee trinken.
1 Teelöffel = etwa 1,5 g.

Salicylsäurederivate finden sich u.a. in folgenden Pflanzen, die auch in der Volksheilkunde gegen Fieber und Schmerzen eingesetzt werden bzw. wurden: im Mädesüß (Spiraea ulmaria, Spirstaude, Wiesengeißbart, Wiesenkönigin), in der amerikanischen Teebeere (Gaultheria procumbens, Wintergrün), sowie in den Pappeln (Populus alba, P. candicans, P. nigra und P. tremula).


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Die Weiden sind Flussbegleiter. Sie bevorzugen feuchte Standorte, kommen an Gräben und am Rand feuchter Wiesen vor und können jährliche Überflutungen von durchschnittlich neunzig bis 190 Tagen und in Extremfällen bis zu dreihundert Tagen unbeschadet überstehen. (Alle Fotos: F.Biba)

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