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Wenn die Linde wieder blüht
 
Düfte sind rezeptfrei, tausendfach von Mutter Natur angeboten (Sebastian Kneipp)
 

    Im Juni verbreiten blühende Lindenbäume wieder ihren herrlichen Duft: Lieblich, honigsüß verlockend — Bienen umschwärmen diese Pracht und Jung und Alt fühlen sich im Schatten dieser Bäume wohl. Sehr oft wurde die Linde in der Mitte des Dorfes oder vor Klöstern und an Wallfahrtsorten als Baum der Rast und der Besinnung gepflanzt. In Liedern wird die Linde besungen, in Gedichten gepriesen und in Orts- und Straßennamen findet man sie häufig wieder.

    Neun Apotheken sind in Österreich nach ihr benannt und ungezählt sind die Gasthäuser „Zur Linde“, wo wunderschöne Bäume im Garten Schatten spenden und zum Verweilen einladen. Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) blüht von Ende Mai bis August, die Blüten der Winterlinde (Tilia cordata) mit den etwas kleineren Blättern kommen einige Wochen später.

    Linden erreichen eine Höhe von 40 m, ihr kurzer, gerader und dicker Stamm trägt eine dicht geschlossene Krone. Die Bäume können sehr alt werden, mit etwa 150 Jahren stellen sie das Höhenwachstum ein, das Breitenwachstum wird hingegen weitergeführt. Aus Lindenholz wurden in der Spätgotik viele Heiligenstatuen geschnitzt, daher galt es als „lignum sacrum“ (lat. „heiliges Holz“).

    Lindenblüten sind als Flos Tiliae offiziell, d. h. in der Apotheke als Phytotherapeutikum erhältlich. Sie enthalten viel Schleim, Gerbstoffe und Spuren eines ätherischen Öls. Bereits in den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts wurde der Lindenblütentee als Heilmittel beschrieben. Der Tee wird in der Volksmedizin als schweißtreibendes Mittel eingesetzt. Durch den hohen Schleimgehalt empfiehlt sich die Anwendung besonders dann, wenn der grippale Infekt mit Reizhusten einhergeht.

    Lindenholzkohle (Carbo ligni tiliae) wurde und wird als medizinische Aktivkohle eingesetzt. Durch ihre große Oberfläche kann sie bestimmte Giftstoffe im Magen-Darm-Trakt besonders gut aufsaugen und dann mit dem Stuhl ausscheiden.

Die "1000-jährige Linde" in St. Lambrecht in der Steiermark.
Alle Fotos: F.Biba
    „Der Lindenbaum“ aus dem Gedichtzyklus „Die Winterreise“ von Wilhelm Müller (1794 -1827). Von Franz Schubert vertont ist „Am Brunnen vor dem Tore“ zum Volkslied geworden.

    Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum.
    Ich träume in seinem Schatten so manchen süßen Traum.
    Ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort,
    Es zog in Freud und Leide zu ihm mich immer fort.
    Ich musst auch heute wandern vorbei in tiefer Nacht,
    Da hab ich noch im Dunkel die Augen zugemacht.
    Und seine Zweige rauschten, als riefen sie mir zu:
    Komm her zu mir, Geselle, hier findst du deine Ruh!
    Die kalten Winde bliesen mir grad ins Angesicht,
    Der Hut flog mir vom Kopfe, ich wendete mich nicht.
    Nun bin ich manche Stunde entfernt von jenem Ort,
    Und immer hör ich's rauschen: Du fändest Ruhe dort!


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Wenn die Linde wieder blüht
Apothekerin Mag.pharm. Sonja Wurst in der TV-Sendung "Frühlingszeit" am 30.5.2012 in ORF 2

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