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Reisethrombose: Vorsorge-Tipps vom Apotheker
 
 
Von Reisethrombose (im Volksmund auch Touristenklasse-Syndrom, economy class syndrom genannt) spricht man, wenn sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Gefäß im Venensystem der Beine bildet. Sie tritt meist in Zusammenhang mit einer mehrstündigen Reise in hauptsächlich sitzender Position auf. Durch längeres beengtes und unbewegtes Sitzen auf einer Reise im Flugzeug, aber auch in Bus oder Bahn, wird der Blutfluss in den tiefen Beinvenen verlangsamt - es kann zur Thrombusbildung kommen. Besonders gefährdet sind Menschen mit Übergewicht, Diabetiker und Reisende über 60 Jahre. Zusätzlich sollte bei jedem Langstreckenflug generell nicht zu viel Alkohol und Koffein konsumiert werden - auch mit Schlaftabletten sollte man vorsichtig umgehen.

Menschen mit erhöhtem Risiko sollten unbedingt mir ihrem Arzt sprechen und eventuell eine Thromboseprophylaxe durchführen.

Tipps vom Apotheker

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  • Reichliche Flüssigkeitszufuhr in Form von Mineralwasser, stillem Wasser, Softdrinks, Kräutertee und Ähnlichem - 1 bis 2 Liter zusätzlich, je nach Reisedauer! Vermeiden Sie größere Mengen an Kaffee, schwarzem Tee und Alkohol, denn diese Getränke wirken entwässernd!
  • Bewegungsübungen im Flugzeug helfen den Blutstrom in den Venen zu beschleunigen.
  • Tragen Sie weite und bequeme Kleidung, um den Blutstrom in den Venen nicht einzuschränken
  • Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklasse 1-2 werden schon bei geringem Thromboserisiko empfohlen. Meist genügen Wadenstrümpfe. Bitte beachten Sie: Eine fachliche Beratung ist vor dem Kauf unbedingt notwendig, denn schlechtes Material oder schlechter Sitz mit Faltenbildung im Kniekehlenbereich eignen sich nicht zur Vorbeugung.
  • Gerinnungshemmende Medikamente - verwendet werden niedermolekulare Heparine, die kurz vor dem Flug in das Unterhautfettgewebe der Bauchdecke oder des Oberschenkels injiziert werden. Der Passagier muss die Selbstinjektion beim Arzt erlernen und über allfällige Nebenwirkungen und Kontraindikationen aufgeklärt werden*.
  • Nicht sinnvoll dagegen ist die fälschlicherweise oft angeratene Einnahme von Acetylsalicylsäure-Tabletten (ASS, am bekanntesten „Aspirin“) da der Wirkstoff ASS nur im arteriellen Teil des Kreislaufs gerinnungshemmend wirkt, es sich im Fall der „Reisethrombose“ aber um eine Venenthrombose handelt.

*) Das Mitführen von Injektionsnadeln kann in manchen Ländern zu Problemen bei der Ein- oder Ausreise führen. Drucken Sie die Erklärung aus und lassen Sie sie von Ihrem Arzt bestätigen. Dem niedermolekularen Heparin beigelegt, vermittelt es dem Kontrollorgan in mehreren Sprachen, dass es sich um ein registriertes Arzneimittel handelt.
Heparin_Deklaration.pdf

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