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Suppositorien: Herstellung in der Apotheke und Anwendungshinweise für den Patienten
 
 
    Suppositorien (Zäpfchen) sind zur Einführung in den Mastdarm bestimmte, konische, torpedo- oder eiförmige bzw. zylindrische einzeldosierte Arzneizubereitungen, in deren Grundmasse die Arzneistoffe gleichmäßig verteilt sind. Sie wiegen im allgemeinen 1 -3 Gramm.

    Zäpfchen werden oft mit systemischer Wirkung (den ganzen Körper betreffend) angewandt, z.B. als Antirheumatika, Analgetika oder Spasmolytika. Gewünscht sein kann aber auch nur eine lokale Wirkung wie bei der Behandlung von Hämorrhoiden.

    Die Resorption der Wirkstoffe unterliegt großen individuellen Schwankungen, deshalb sind Zäpfchen für manche Therapien, z.B. zur Antibiotikatherapie, ungeeignet.

Man wird diese Arzneiform immer dann in Erwägung ziehen, wenn
    • Arzneistoffe vom Magen schwer vertragen werden,
    • Arzneistoffe von Fermenten des Magen- oder Darmsaftes in ihrer Wirkung verändert werden,
    • andere Komplikationen (Kinder, Patienten mit Schluckbeschwerden, Erbrechen) hinzutreten.
Weitere Vorteile von Zäpfchen: Durch die rektale Applikation wird die erste Leberpassage umgangen (der sog. First pass-effect), dadurch steht mehr Wirkstoff zur Verfügung. Bei Schlucktabletten passiert der Wirkstoff nach Aufnahme im Magen und Dünndarm via Pfortadersystem die Leber, wo er zum Teil abgebaut wird, bevor er wirken kann.

Nachteile: unästhetische Applikation, Stuhldrang, verzögerte Wirkung bei systemischer Therapie sowie individuelle Schwankungen der Wirkstoffresorption.

Vaginalzäpfchen sind spezielle Zubereitungen, die zum Einführen in die Scheide bestimmt sind. Sie haben fast ausschließlich lokale Wirkung, wie antimikrobielle oder empfängnisverhütende Eigenschaften.
    Herstellung von Suppositorien in der Apotheke:
    Die Herstellung kann durch Ausgießen der Mischung von geschmolzener Grundmasse und Arzneistoff in Gießformen oder durch Pressen der festen geraspelten Mischung in Pressformen erfolgen. Als Zäpfchengrundmasse wird meist Adeps neutralis oder Oleum Cacao verwendet. Adeps neutralis (Neutralfett) wird aus pflanzlichen Ölen gewonnen. Durch chemischen Eingriff (Fetthärtung) werden Grundmassen mit guter Haltbarkeit und definiertem Schmelzverhalten hergestellt. Oleum Cacao (Kakaobutter) wird aus geröstetem und geschältem Kakaosamen ausgepresst. Da Kakaobutter leicht ranzig wird und etwas schwieriger zu verarbeiten ist, wird als Zäpfchengrundmasse an erster Stelle Adeps neutralis verwendet.

        Foto: ORF / Willkommen Österreich


    Zäpfchenherstellung in der Apotheke nach dem Gießverfahren. Download Video aus der TV-Sendung "Willkommen Österreich":

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      Gießverfahren: Die fein gepulverten Arzneistoffe werden in der geschmolzenen Zäpfchengrundmasse gleichmäßig verteilt. Diese Mischung wird kurz vor dem Erstarren, wenn sie schon dickflüssiger wird, unter Rühren in die Gießform ausgegossen.

      Je nach verwendeter Grundmasse sind die Gießformen besonders zu behandeln. Die Verwendung von Oleum Cacao (Kakaobutter) macht ein Auspinseln der Formen mit Seifenspiritus erforderlich. Für Adeps neutralis (Neutralfett) ist keine Vorbehandlung notwendig.

      Nach dem Erstarren werden die fertigen Zäpfchen der Form entnommen und in Suppositorienschiebekästen oder Salbentiegel verpackt. Es gibt auch Kunststoffblister als Gießformen, die gleichzeitig als Verpackung dienen.

      Industriell gefertigte Zäpfchen werden vielfach in Alu-Folien oder Kunststoff eingeschweißt.

    Zäpfchenpresse in der Apotheke
      Pressverfahren: Zum Pressen wird die geraspelte Grundmasse mit den Arzneistoffen vorsichtig unter nicht zu starkem Druck gemischt. Diese Mischung wird in die Zäpfchenpresse eingefüllt und in Formen gepresst.

      In jedem Fall muss der Wirkstoff mit der geraspelten Grundmasse vor dem Pressen homogen gemischt werden. Dies ist jedoch praktisch nie hundertprozentig zu erreichen, wodurch das Pressverfahren dem Gießverfahren in der erzielbaren Qualität der Zäpfchen unterlegen ist.


    Anwendungshinweise für den Patienten
      • Die Suppositorien werden vor der Entnahme aus der Umverpackung mit der Hand etwas angewärmt.
      • Zum besseren Einführen können Suppositorien oder Ovula kurz in kaltes Wasser getaucht werden. Die Patienten empfinden allerdings das Einführen mit einem Gleitmittel (z.B. Vaseline) als angenehmer. Es sollte wenig Gleitmittel verwendet werden, um die Wirkstoffaufnahme über die wässrige Darmschleimhaut nicht zu beeinflussen.
      • Zum Einführen legt sich der Patient hin.
      • Viele Patienten empfinden nach dem Einführen des Suppositoriums starken Stuhldrang. Dieser kann durch Einführen des Suppositoriums mit dem stumpfen Ende voran gemildert werden.
      • Nach dem Einführen sollte der Patient noch einen Moment liegen bleiben.

    Lagerung von Suppositorien
    Zäpfchen sind vor Temperaturen über 30°C zu schützen. Eine Kühllagerung ist jedoch nur für wenige Zubereitungen zu empfehlen. Tropenfeste Zäpfchen werden aus wasserlöslichen Macrogolgrundlagen hergestellt.

    Weitere rektale Verabreichungsformen: Rektalkapseln, Klysmen (Klistier), Mikroklistier