Damit Medikamente richtig wirken, ist die Zeit der Einnahme von Bedeutung
 
Fragen Sie Ihre Apothekerin, Ihren Apotheker!
 
Damit ein Arzneimittel wirken kann, muss der Wirkstoff eine bestimmte Konzentration erreichen. Ist der Blutspiegel zu niedrig, kann das Medikament nicht wirken, ist er zu hoch, treten verstärkte Nebenwirkungen auf. Manche Medikamente brauchen einen konstanten Blutspiegel um wirken zu können (3 mal 1), andere haben die höchste Wirksamkeit und die wenigsten Nebenwirkungen wenn man ihre Einnahme an körpereigene Rhythmen anpasst.

Tipps von der Apothekerin:

WAS HEISST EINNAHME 1 MAL AM TAG?
Das bedeutet, dass Sie ihre Dosis auf einmal am Tag zu immer einer bestimmten Uhrzeit einnehmen. Bedenken Sie, dass eine Dosis auch mehrere Tabletten oder auch nur eine halbe Tablette sein kann. Halten Sie die Uhrzeit plus minus 2 Stunden ein. Somit ist ein ausreichend hoher Wirkstoffspiegel im Körper gewährleistet.

WAS HEISST EINNAHME 2 MAL AM TAG?
Die Einnahme zweimal täglich bedeutet, dass Sie Ihre Dosis auf zwei Zeitpunkte, alle 12 Stunden, aufteilen. Halten Sie die Zeiten morgens und abends plus minus ca. 1 Stunde ein. Sie gewährleisten somit einen ausreichend hohen Wirkstoffgehalt im Blut. Nehmen Sie z.B. eine Dosis zum Frühstück um 8 und eine zum Abendessen um 18 Uhr ein, fällt der Wirkstoffspiegel in den 14 Stunden zwischen 18 und 8 Uhr eventuell unter den Wirkgrad des Medikaments.

WAS HEISST 3 MAL AM TAG?
Die Dosierung dreimal täglich bedeutet eine Einnahme alle 8 Stunden. Halten Sie die Einnahme plus minus 1/2 Stunde genau ein. Gerade bei dieser Form der Dosierung werden die häufigsten Fehler gemacht. Die landläufige Dosierung morgens, mittags, abends beginnt mit dem Frühstück und endet beim Abendessen. Hier ist der Zeitunterschied über Nacht mit seinen 12-14 Stunden gegenüber den 8 Stunden, die es sein sollten, natürlich erheblich größer und es ist nicht mehr garantiert, dass der Wirkstoff seine Wirkung voll entfalten kann. Besonders bei Antibiotika bedeutet das den Wirkungsverlust gegen die Bakterien.
Achten Sie also bitte auf die genaue Einhaltung der Einnahme alle 8 Stunden!
Die Einnahme 4mal täglich ist ebenso genau einzuhalten wie die Vorschrift dreimal täglich. Hierbei wird die Dosis alle 6 Stunden verabreicht. Bitte achten Sie auf die genaue Einhaltung der Zeitabstände!

WAS HEISST NÜCHTERN EINZUNEHMEN?
„Nüchtern sein“ heißt nichts anderes, als dass der Magen ab einem bestimmten Zeitpunkt leer bleibt. Der Nüchternzustand wird erst mehrere Stunden nach dem letzten Essen erreicht. Ein reichhaltiges Frühstück hat erst nach ca. 2 Stunden komplett den Magen verlassen, ein Mittag- oder Abendessen kann dazu schon 6 bis 8 Stunden brauchen. Damit das Arzneimittel seine Wirkung auch wirklich im nüchternen Magen entfalten kann, darf auch nach der Einnahme ca. 1 Stunde nichts gegessen werden.

WAS HEISST EINNAHME VOR DEM ESSEN?
Vor dem Essen meint, dass der Wirkstoff schnell in den Darm weiterbefördert wird. So kann die Arznei seine volle Wirkung rasch entfalten. Ein weiterer Grund: Nahrung kann "magensaftresistente" Tabletten unwirksam machen. Sie haben einen Überzug, der nur auf leeren Magen stabil bleibt. Dieser Überzug dient entweder dazu das Medikament vor der aggressiven Magensäure zu schützen oder aber den Magen vor dem Medikament. Nehmen Sie Ihr Medikament mindestens 1 Stunde (!) vor dem Essen.

Auf der anderen Seite gibt es auch Medikamente wie beispielsweise bestimmte Schmerzmittel, die besser vertragen werden, wenn man vor der Einnahme etwas isst.

WAS HEISST WÄHREND DES ESSENS?
Während des Essens werden Medikamente eingenommen, die z. B. magenschädlich sind und so kaum mit der Magenschleimhaut in Berührung kommen. Die Wirkung tritt erst verzögert ein, da der Wirkstoff im Essensgemisch nur langsam in Magen- und Darmwand gelangt, um von dort aufgenommen zu werden.

WAS HEISST NACH DEM ESSEN?
Nach dem Essen bedeutet, dass das Essen den Magen bereits verlassen haben muss. Nehmen Sie Ihr Medikament mindestens 2 Stunden nach dem Essen mit viel Wasser ein. Denn Nahrung kann diese Arzneien unwirksam machen. Ein wichtiges Beispiel dafür sind "magensaftresistente" Tabletten. Sie haben einen Überzug, der nur auf leeren Magen stabil bleibt. Dieser Überzug dient entweder dazu das Medikament vor der aggressiven Magensäure zu schützen oder aber den Magen vor dem Medikament.

WARUM SOLLTEN TABLETTEN ODER KAPSELN IMMER MIT VIEL WASSER EINGENOMMEN WERDEN?
Die Arznei gelangt durch schlucken in den Magen. Um von dort aus weiterbefördert zu werden, braucht der Magen ein Signal der Füllung. Das erreichen Sie durch trinken von Wasser. Der Nebeneffekt ist, dass Sie immer ausreichend Wasser für Ihren Körper zuführen. Nachweislich trinken wir alle zu wenig (optimal wäre mindestens 2 Liter). Zusätzlich wird das Medikament schnell in den Darm gespült, wo die meisten Präparate aufgenommen werden sollen.

WELCHE ROLLE SPIELEN ALKOHOL, GRAPEFRUITSAFT, MILCH ODER BROKKOLI?
Auch manche Lebensmittel vertragen sich unter Umständen schlecht mit Medikamenten. Kaffee, Tee, Milch, Grapefruitsaft oder alkoholische Getränke sind nicht zum Einnehmen von Tabletten/Kapseln geeignet, da es zu Wechselwirkungen kommen kann. So wirken zum Beispiel manche Antibiotika nicht oder viel weniger gut, wenn man sie mit Milch oder Milchprodukten einnimmt. Sogar einige Gemüsesorten wie Brokkoli, Kohl oder Käse können die Wirksamkeit mancher Arzneimittel verändern.

Ihre Apothekerin, Ihr Apotheker, kann Ihnen bei Fragen zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln jederzeit kompetent helfen.
Fragen Sie nach in Ihrer Apotheke! Denn
Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen informieren Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker.“

Lesen Sie auch:
Was versteht man unter Chronopharmakologie?
Medikamente und Lebensmittel vertragen sich nicht immer


Starten Sie hier die Sendung
.
TV-Apothekerin Mag.pharm. Sonja Wurst in der Sendung Sommerzeit am 22.8.2012 zum Thema:
Wechselwirkung: Medikamente mit Nahrungsmitteln
Damit Arzneimittel auch wirken können, müssen sie richtig eingenommen werden. Manche Medikamente müssen auf nüchternen Magen, andere vor dem Essen eingenommen werden. Meist mit Wasser, denn auch die Nahrung kann Medikamente beeinflussen, darüber sprechen wir heute mit unserer Apothekerin Mag.pharm. Sonja Wurst.

Zur Wiedergabe bitte das Startsymbol links im Bild anklicken (Windows Media-Audio-/Videodatei 340 KBits/s)