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Arzneipflanze des Jahres 2018: Gewöhnlicher Andorn
 
Die Wiederentdeckung einer historisch bedeutsamen Arzneipflanze
 
Vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg wurde Andorn zur Arzneipflanze des Jahres 2018 gekürt. Damit steht 2018 eine Pflanze im Mittelpunkt, die zwar jahrhundertelang zu den beliebtesten Arzneipflanzen zählte, mittlerweile aber aus der allgemeinen Wahrnehmung weitgehend verschwunden ist und nur noch in Fachkreisen Beachtung findet. Dabei ist die Anwendung von Andorn bei Erkrankungen der Atemwege und bei Verdauungsbeschwerden bereits seit mehr als 2000 Jahren belegt.


© H. Zell /www.pflanzenfreunde.com

Andornkraut pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Marrubii herba
Deutsche Bezeichnung: Gewöhnlicher Andorn

Volksnamen: Weißer Andorn, Mauer-Andorn, Gemeiner Andorn, Weißer Doran

Englisch: White horehound

Stammpflanze: Marrubium vulgare L. (Familie Lamiaceae / Lippenblütler)

Verwendeter Pflanzenteil: Die getrockneten, ganzen oder zerkleinerten oberirdischen Teile von Marrubium vulgare L. zur Blütezeit

Offizinell: Andornkraut / Marubii herba (Ph. Eur.): mind. mindestens 0,7 Prozent Marrubiin, bezogen auf die getrocknete Droge

Inhaltsstoffe: Diterpen-Bitterstoffe (mit Marubiin als Hauptbestandteil) sowie Peregrinol, Vulgarol, Marrubenol und Marrubiol; ca. 5% Phenlethanoid-Derivate; Flavon- und Flavonolglykoside; Cholin, Stachydrin und Betonicin; bis zu 7% Lamiaceengerbstoffe und Hydroxyzimtsäuren; geringe Mengen ätherisches Öl mit Monoterpenen

Anwendungsgebiete: Expektorans bei erkältungsbedingtem Husten, Katarrhe der Luftwege; Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden (wie Völlegefühl und Blähungen)

Wirkung: Bitterstoff-Rezeptoren finden sich nicht nur auf der Zunge, im Mund und Rachen, sondern auch auf den glatten Muskelzellen des Bronchialsystems. Werden die Rezeptoren im Bronchialsystem aktiviert, resultiert das in einer Erweiterung der verengten Bronchien. Damit ist eine verbesserte Sauerstoffaufnahme und erleichterten Schleimentfernung verbunden.

Volksmedizinische Anwendung: Zusätzlich zur klassischen Anwendung bei Atemwegsbeschwerden auch äußerlich bei Hautschäden, Geschwüren und Wunden.

Teebereitung: 1,5 g fein geschnittene Droge mit kochendem Wasser übergießen. Nach 5-10 Minuten durch Teesieb gießen. Als Choleretikum wird vor den Mahlzeiten jeweils 1 Tasse getrunken, als Expektorans mehrmals täglich 1 Tasse. Tagesdosis 4,5 g Droge.

Phytopharmaka: Andornkraut ist z.B. als Dekokt in einem Hustensaft enthalten.

Zur Wahl der Arzneipflanze des Jahres: Die „Arzneipflanze des Jahres“ ist nicht mit der „Heilpflanze des Jahres“ zu verwechseln. Als solche wurde für das Jahr 2018 Ingwer gewählt.