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Vitamin E: Positive Effekte durch eine Reihe von Studien bestätigt
 
 
Vitamin E ist ein wichtiges Antioxidans, das heißt, es sitzt auf der Zellmembran und schützt die Zelle vor freien Radikalen und Sauerstoffradikalen, die durch Stoffwechselvorgänge entstehen oder aus der Umwelt aufgenommen werden und Krankheiten, möglicherweise auch Krebs, auslösen können. Die positiven Wirkungen von Vitamin E sind durch eine Reihe von Studien ausreichend belegt. Vitamin E schützt auch vor Schlaganfall, es ist aber auch bekannt, dass bei Hochrisikopatienten, also etwa Personen mit starkem Bluthochdruck, durch Vitamin E keine Linderung der Beschwerden erzielt werden kann. Darauf hat Univ.-Prof. Dr. H. Spreitzer bei der Apotheker-Fortbildung* hingewiesen:
......Der Begriff Vitamin E umfasst genau genommen eine Serie von Tocopherolen, die sich durch unterschiedliche Methylierungsgrade am Phenylring unterscheiden (Alpha, Beta, Gamma und Delta-Tocopherol) – im Allgemeinen wird meist die Bezeichnung Vitamin E synonym für Alpha-Tocopherol verwendet.

Die 3 asymmetrischen C-Atome liegen in der natürlich vorkommenden Verbindung in der R, R, R-Konfiguration vor, während dagegen das synthetische, all-racemische Vit. E, nicht ganz korrekt auch als DL-Alpha-Tocopherol bezeichnet, eine Mischung aus 8 (23) Stereoisomeren darstellt. Da das natürliche Alpha-Tocopherol, das in der Regel pflanzlichen Ursprungs ist, nicht nur die höchste biologische Wirksamkeit aufweist, sondern sich auch hinsichtlich Aufnahme, Transport, Speicherung und Eliminierung von den anderen Stereoisomeren unterscheidet, ist im Vergleich zum synthetischen Produkt von einer etwa 2- bis 3-fachen Wirkungsstärke auszugehen [14]. Derzeit gültig ist aber nach wie vor folgende Relation: 100 mg (all-rac) D,L-Alpha-Tocopherolacetat entsprechen 100 I.E. bzw. 67,5 mg (R,R,R) D-Alpha-Tocopherol.

Die Effekte von Vitamin E sind äußerst vielfältig (siehe Abb. 5) und lassen daher auch eine Vielfalt an positiven Wirkungen erwarten, die vor allem kardiovaskulären Erkrankungen aber auch Krebs vorbeugt.

Abb. 5: Biologische Effekte von Alpha-Tocopherol

Dies wird in der Tat durch eine Reihe von Studien bestätigt: So konnte bei der finnischen ASAP-Studie [15] gezeigt werden, dass bei der Kombination von 200 mg Vit. E und 500 mg Vit. C die Zunahme der Intimaverdickung am geringsten war (alleinige Gabe der Vitamine war wenig wirksam). Dieser interessante Befund wird auch durch weitere Studien gestützt [16, 17]. Die NOMAS-Studie [18] zeigt bereits bei der Aufnahme von 40 I.E. Vit. E ein um 53% reduziertes Schlaganfallrisiko. Auch die NHS- bzw. HPFS-Studien [19, 20] (87.000 bzw. 40.000 Teilnehmer) zeigten eine eindeutige, inverse Korrelation zwischen hohen Alpha-Tocopherol-Spiegeln (durch Nahrung und Supplementierung) und niedrigen kardiovaskulären Risiken. Allein auf Grund der Plasma-Tocopherolkonzentration konnten die Unterschiede für Tod durch Herzinfarkt in 16 europäischen Ländern zu 80% vorausgesagt werden (MONICA-Studie [21]). Daraus ergibt sich, welch dominierende Rolle eine ausreichende Vitamin E-Zufuhr spielt. Selbst bei Patienten mit koronaren Herzkrankheiten (CHAOS-Studie [22]) gelang es zumindest, die nichttödlichen Herzinfarkte in der Folge um 77% zu senken (tägl. Suppl. mit 400 I.E.). Bei tödlichen Herzinfarkten war hingegen kein Effekt zu erzielen, dies galt auch für die HOPE-Studie [23] mit Hochrisiko-Patienten, bei denen die Vitamin E-Gaben keine Änderungen am Krankheitsverlauf bewirken konnten. Dies widerlegt nicht die Fülle positiver Studien über die effiziente prophylaktische Wirkung, sondern zeigt wohl lediglich, dass bei Hochrisikopatienten, die mit Antihypertensiva, Lipidsenkern und Acetylsalicylsäure bzw. antithrombotisch wirksamen Pharmaka behandelt werden, durch eine zusätzliche Vitamin E-Supplementierung kein weiterer positiver Effekt mehr erzielt werden kann. Interessanterweise dürfte Vit. E bei der Entstehung von Grauem Star gleichfalls eine vorbeugende Wirkung ausüben: Studienteilnehmer, deren Vit. E-Spiegel im oberen Drittel lagen, hatten – verglichen mit denjenigen Teilnehmern, deren Vitamin E Spiegel im unteren Drittel lagen – ein um 60 % niedrigeres Risiko, an Grauem Star zu erkranken [24]. Hinsichtlich der krebsprophylaktischen Wirkung zeigte sich lediglich beim Prostatakarzinom ein deutlich protektiver Effekt [25, 26], für eine vorbeugende Wirkung bei Kolonkarzinom [27] und Blasenkrebs [28] gibt es Indizien.

Wichtig erscheint jedenfalls, dass zur Erzielung positiver Effekte bei der Aufnahme von Vit. E im Rahmen der Ernährung wesentlich geringere Mengen ausreichen (IOWA-Study mit 34.000 Frauen [29]). Bei einer Supplementierung sind die positiven Auswirkungen erst bei einer täglichen Aufnahme von 100–200 I.E. Vitamin E ab einer Dauer von ca. 2 Jahren erkennbar [19, 20].

Eine weitere bekannte Anwendung für Vitamin E ist der Einsatz als Hautschutzfaktor. Es bewirkt eine Erhöhung der minimalen Erythem auslösenden Lichtdosis, ist entzündungshemmend und ödemverringernd, schützt vor Fältchenbildung und reduziert die Anzahl der Sonnenbrandzellen. Um die genannten Ziele zu erreichen, ist allerdings eine lokale Applikation notwendig. Vitamin E penetriert als Acetat gut in die Epidermis, wobei eine mikrosomale Verkapselung den Effekt erhöht, und entfaltet nach der Hydrolyse des Acetats die genannten Schutzeffekte.

*Quelle: "Arzneien für Gesunde" - Vortrag von Univ.-Prof. Dr.H.Spreitzer bei der Sommerakademie der Österreichischen Apothekerkammer, Pörtschach 2001

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[14] J. Kreimeyer und M. Schmidt: »Vitamin E: Zur Bioverfügbarkeit der Alpha-Tocopherol-Stereoisomere«, Pharm. Ztg. 143, 823–828 (1998).
[15] J. T. Salonen et al.: »Antioxidant Supplementation in Atherosclerosis Prevention (ASAP) study: a randomized trial of the effect of vitamins E and C on 3-year progression of carotid atherosclerosis«, J. Intern. Med. 248, 377–386 (2000).
[16] S. B. Kritchevsky et al.: »Dietary antioxidants and carotid artery wall thickness. The ARIC Study. Atherosclerosis Risk in Communities Study«, Circulation 92, 2142–2150 (1995).
[17] H. N. Hodis et al.: »Serial coronary angiographic evidence that antioxidant vitamin intake reduces progression of coronary artery atherosclerosis«, J. Am. Med. Ass. 273, 1849–1854 (1995).
[18] »Vitamin E schützt sowohl das Herz als auch das Hirn«: http://www.aerztezeitung.de/docs/1999/04/21/ 073a1101.asp
[19] M. J. Stampfer et al.: »Vitamin E consumption and the risk of coronary disease in women«, N. Engl. J. Med. 328, 1444–1449 (1993).
[20] E. B. Rimm et al.: »Vitamin E consumption and the risk of coronary disease in men«, N. Engl. J. Med. 328, 1450–1456 (1993).