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Arzneipflanze des Jahres 2006: Der Echte Thymian
 
Es ist verständlich, dass diese gut duftende Heilpflanze auch als Gewürz Verwendung findet.
 

Vom Thymian offizinell, d.h. im Arzneibuch beschrieben und in der Apotheke erhältlich: Thymi herba (Thymiankraut), Thymi aetheroleum (Ätherisches Thymianöl), die Hustensirupe: Sirupus Thymi und Sirupus Thymi comp. (Zusatz von Natriumbromid).
Als Tee: Species pectorales (Brusttee): je 10 Teile Malvenblüte, Königskerzenblüte und Thymianblatt, je 20 Teile Eibischblatt und Eibischwurzel, 25 Teile Süßholzwurzel, 5 Teile Anis.
Weiters: Extractum Thymi fluidum, Gallerta saponata camphorata (Opodeldok).
Das auch als Gewürz verwendete Heilkraut zähle zu den wertvollsten Arzneipflanzen bei Erkältungskrankheiten, begründete der Studienkreis "Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" der Universität Würzburg die Wahl zur Arzneipflanze des Jahres. Lunge und Bronchien, Magen und Darm sind Organe, denen der Thymian hauptsächlich Hilfe bringt. Thymian gehört zu den am häufigsten verwendeten pflanzlichen Expectorantien und ist Bestandteil vieler Phytopharmaka gegen Husten und Bronchitis. Als Inhaltsstoffe werden ätherisches Öl mit Thymol, Carvacrol und Cineol, Flavonoide, Triterpene und Gerbstoffe beschrieben.
    Thymiantee sollte sofort bei den ersten Anzeichen eines festsitzenden Hustens getrunken werden, meist kann auf diese einfache Art ein starker, hartnäckiger Husten verhindert werden. Teezubereitung: Ein gehäufter Teelöffel Thymiankraut (1,5 - 2 g) wird mit ¼ Liter kochendem Wasser übergossen. Nach 10 min abseihen und mäßig warm (bei Husten mit Honig gesüßt) trinken. Thymiankraut eignet sich auch hervorragend zur Inhalation (ca. 1 Teelöffel in etwa ½ Liter heißes, nicht siedendes Wasser geben). Ätherisches Thymianöl verflüssigt zähes Bronchialsekret und steigert die Zilienbewegung in den Bronchien. (Zilien sind Flimmerhärchen mit der Aufgabe, die oberen und unteren Luftwege zu reinigen. Sie transportieren den Bronchialschleim und darin festgehaltene Verunreinigungen in Richtung Kehlkopf, wo er abgehustet werden kann.)

    Auf den Verdauungstrakt wirkt Thymian belebend, der Appetit wird angeregt und die Speisen besser verdaut. Darüber hinaus hat es krampflösende und desinfizierende Wirkung. Wässrige Extrakte von Thymus vulgaris hemmen das Wachstum von Helicobacter pylori, einem Bakterium, das Magenschleimhautentzündungen und ernsthafte Folgeerkrankungen (Magengeschwüre) verursacht, signifikant.

    Es ist verständlich, dass eine auf Magen und Darm wirkende Heilpflanze, die noch dazu so gut duftet, auch als Gewürz Verwendung findet. Zusammen mit Rosmarin ergibt Thymian eine empfehlenswerte Gewürzmischung für fettes Fleisch und für Eintöpfe (z.B. Irish Stew). Für die Pizza wird eine Mischung von Thymian mit Oregano verwendet.

    Im alten Ägypten verwendete man schon Thymian-Arten (im ägyptischen wird die Pflanze "tham" bezeichnet)für Leichenwaschungen und zum Einbalsamieren, man kann daher annehmen, dass der Thymian damals auch schon arzneilich verwendet wurde. Die alten Griechen nutzten den Thymian, um Mut und Kraft zu tanken (thymos [θύμος] = griech. „Geist, Mut“). Plinius, Dioskorides und Theophrast beschrieben bereits die Heilwirkung des Thymian, über die Alpen kam die frostempfindliche Pflanze erst im 11. Jahrhundert. Thymian wurde in Klostergärten angebaut, Hildegard von Bingen (1098 - 1179) beschreibt die Pflanze schon in ihren Schriften ("Der Thymian ist warm und trocken…“). Im 16. und 17. Jh. ist Thymian in den Apotheken bereits offizinell, das ätherische Öl war schon 1589 im Dispensatorium Noricum (Nürnberger Arzneibuch) erwähnt. Thymol wurde 1853 aus Thymianöl isoliert und bald darauf medizinisch verwendet.

    Botanik
    Thymus vulgaris L., Thymus zygis L. (Lamiaceae) ist ein Zwergstrauch mit gegenständigen, kleinen graugrünen Blättern und violetten Blüten in köpfchenförmigen Blütenständen. Vom echten Thymian gibt es ungefähr 300 eng verwandte Pflanzen, darunter der weit verbreitete Feldthymian (Quendel).
    Synonyme
    Der echte Thymian ist auch unter folgenden Volksnamen bekannt: Gartenthymian, Römischer Quendel, Welscher Quendel, Kuttelkraut, Hühnerkohl, Demut, Immenkraut, Zimis.
    Engl.: Common Thyme, Garden Thyme, Rubbed Thyme, Herb of Thyme.
    Franz.: Herbe de thym

    Neue Forschungsergebnisse

    Professor Dr. Eugen J. Verspohl vom Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Universität Münster konnte kürzlich mit seiner Arbeitsgruppe in vitro nachweisen, dass Thymiankraut-Dickextrakte die Beta 2-Rezeptoren der Lungenmembran so modulieren, dass eine Propranolol - induzierte Kontraktion deutlich schwächer ausfällt. Für einen deshalb naheliegenden bronchospasmolytischen Effekt des Thymians sprechen auch die Ergebnisse weiterer Versuche: Einen vergleichbaren Effekt konnte Verspohl auch an der Rattenluftröhre nachweisen. Die Relaxationsversuche deuten auf eine Wechselwirkung des Thymianextraktes mit β2-Rezeptoren hin. Dies gibt insgesamt Hinweise auf den Wirkungsmechanismus der Bronchospasmolyse (Beteiligung von ß2-Rezeptoren) und bestätigt die vermutete Verbesserung der Zilientätigkeit.