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Viola odorata: Das Wohlriechende Veilchen
 
Ein beliebter Frühlingsbote und seine Bedeutung in der Pharmazie
 
    Das aus dem Mittelmeergebiet stammende Wohlriechende Veilchen (Viola odorata) ist in Europa weit verbreitet und bis hin zum Kaukasus und Kurdistan beheimatet. Bereits in der Antike hat man Veilchen kultiviert, Hippokrates setzte die Pflanze unter anderem gegen Sehstörungen, Kopfschmerzen und Melancholie ein. Spätestens seit dem frühen Mittelalter wurde das Veilchen auch in Mitteleuropa als Zier- und Heilpflanze angebaut. Die schöne Frühlingsblume taucht in vielen Sagen und Märchen, Gedichten und Liedern auf, und spielte im Brauchtum immer schon eine besondere Rolle.
    Die ersten aufgefundenen Veilchen sollen besondere Heilkraft haben. Wahrscheinlich geht darauf auch das Veilchenfest zurück, das unter dem Babenberger Herzog Leopold VI. (1198-1230) entstanden sein dürfte: Wer das erste Veilchen in den Donauauen fand, bedeckte es mit seinem Hut und verständigte den Herzog, der mit dem Hofstaat auszog, das Veilchen zu begrüßen.
Lange Zeit waren die Veilchenblüten als Flores Violarum, das Kraut als Herba Violariae "offizinell", d. h. als Medikament im Arzneibuch beschrieben und in Apotheken vorrätig (lat. officina: Abgaberaum, Anfertigungsraum, Werkstatt, Fabrik; Offizin: Verkaufsraum in der Apotheke).

Das Veilchen pharmazeutisch betrachtet:

Lateinische Bezeichnung: Viola odorata L.
Stammpflanze: Viola odorata L. (Violaceae)
Botanische Merkmale: Im Boden kriechender und sich ausbreitender Wurzelstock, aus dem sich die Blühtriebe und Ausläufer entwickeln, die sich bewurzeln können.

Fotos: F.Biba
    Herzförmig gestielte Blätter. Der Blütenstängel trägt neben den Blüten, die tiefviolett, seltener weiß oder rötlich gefärbt sind und angenehm duften, gelegentlich kleine Nebenblätter.

    Blütezeit: März bis April (Mai)
    Vorkommen: an Zäunen, Hecken und an Waldrändern.
    Verwendeter Pflanzenteil:
      • Blühende oberirdische Teile (Herba Violae odoratae) und
      • Wurzelstock (Radix Violae odoratae)
    Sammeltipps: Das Veilchen-Kraut wird zur Blütezeit gesammelt und an der Luft getrocknet.

Inhaltsstoffe:
      • Ätherisches Öl: in Spuren
      • Hämolytisch aktive Substanzen
      • Phenolische Säuren

Indikationen
    Wissenschaftlich belegt: keine.
    Erfahrungsmedizin: Bei Husten, als schweißtreibendes Mittel und bei nervöser Überreizung sowie Schlafstörungen.

Anwendung: In der Erfahrungsmedizin bei Atemwegserkrankungen (Halsentzündung, Bronchitis mit festsitzendem Schleim) und bei nervösen Befindlichkeitsstörungen wird der Tee sowohl innerlich als auch äußerlich zu Hautwaschungen empfohlen.

Teezubereitung: 1-2 Teelöffel Veilchenkraut werden mit 1/4 l siedend heißem Wasser übergossen und 10 Miunten ziehen gelassen. Nach dem Abseihen kann von dem Tee (bei Husten mit Honig gesüßt) 2- bis 3mal täglich 1 Tasse getrunken werden. Zum Gurgeln und zu Hautwaschungen ist er unverdünnt zu verwenden.
Unerwünschte Wirkungen:Keine bekannt.
Empfohlene Dosierung: Mittlere Tagesdosis: 4-6 g Droge.

Abgabe und Kennzeichnung gemäß Abgrenzungsverordnung 2004
      Veilchenkraut (Herba Violae odoratae): Die während der Blütezeit (März bis April) gesammelten, getrockneten Blätter und oberen Stängelabschnitte von Viola odorata L.
      Anwendung: Bei Katarrhen der oberen Atemwege. Für eine Tasse Tee 1 Teelöffel voll mit kochendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abseihen. Nach Entnahme wieder gut verschließen. Für Kinder unerreichbar aufbewahren.

      Veilchenwurzel (Radix Violae odoratae) Der getrocknete Wurzelstock von Viola odorata L.
      Anwendung: Bei Katarrhen der oberen Atemwege. Für eine Tasse Tee 1 Teelöffel voll mit kochendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abseihen. Nach Entnahme wieder gut verschließen. Für Kinder unerreichbar aufbewahren.

Verwendung in der Homöopathie: Aus der frischen blühenden Pflanze (ohne Wurzeln) wird das Homöopathikum »Viola odorata« bereitet, das bei Ohrenschmerzen, rheumatischen Gelenkerkrankungen, Asthma und Keuchhusten sowie gegen Hautunreinheiten verwendet wird.

Beliebt ist auch der Veilchen-Sirup: Eine Kaffeetasse voll frische Veilchenblüten wird in ein Glasgefäß gefüllt und mit 1/4 l heißem Wasser übergossen. Diesen Ansatz lässt man 24 Stunden stehen. Dann wird abgeseiht, die Flüssigkeit zum Sieden erhitzt und nochmals über eine Kaffeetasse frische Blüten gegossen. Wieder 24 Stunden stehen lassen. Diesen Ansatz versetzt man nach dem Abseihen mit der gleichen Gewichtsmenge Honig und gibt ihn Kindern teelöffelweise gegen Husten.
        Tipp: Veilchensirup kann auch in der Küche zum Verfeinern von Nachspeisen verwendet werden. Hier wird nach dem Abseihen die Flüssigkeit mit der gleichen Menge Zucker (gewichtsmäßig) sowie dem Saft einer Zitrone versetzt und auf kleiner Flamme unter ständigem Rühren zu Sirup verkocht. Den Schaum abschöpfen und den Veilchensirup in kleine vorgewärmte Flaschen füllen.

Früher wurden Veilchenblüten auch als Nervenberuhigungsmittel empfohlen. Sie sollen frisch sein und werden mit Orangenmarmelade vermischt gegessen. Auch Sebastian Kneipp hielt viel von dem Veilchen bei Husten und Lungenleiden, bei Atemnot und Kopfweh, bei Halsentzündung (zum Gurgeln), aber auch bei Podagra, wogegen er einen Absud in Essigwasser für Umschläge empfohlen hat.

Zu Dekoration von Torten verwendet man kandierte Veilchenblüten: 300 g Zucker mit 50 ml Wasser verrühren und erhitzen. Das Sirupgemisch langsam einkochen lassen. Die Veilchenblüten waschen und einzeln in den Sirup eintauchen und auf ein Brettchen geben. Eventuell ein zweites mal in den Sirup geben. Trocknen lassen.

Veilchenduft zur Parfümherstellung:
dafür werden die intensiv duftenden Wurzeln der florentinischen Schwertlilie (Iris germanica var. florentína oder I. pallida) genommen. Deshalb wird fälschlicherweise die Iriswurzel auch "Veilchenwurzel" genannt, obwohl Iris und Veilchen nicht verwandt sind. Allerdings verwendet die Parfümerie-Industrie auch die Blätter des Veilchens, aus denen ein so genannter „grüner“ Duft extrahiert werden kann.

Kurios: Veilchenduft stoppt Prostatakrebs

Literatur:
Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band 6, Drogen P-Z, Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York 1994
Manfred Palow. Das große Buch der Heilpflanzen , Verlag Gräfe und Unzer, München.
Kubelka / Länger "Phytokodex" (Verlag Krause & Pachernegg)