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Baum des Jahres 2006 - Die Schwarz-Pappel
 
In der Volksheilkunde wird die Pappelsalbe auch heute noch angewendet.
 

Schwarzpappel mit charakteristischer Borke
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Fotos: Kuratorium Baum des Jahres (KBJ)
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Die Europäische Schwarz-Pappel (Populus nigra L.) ist ein typischer Baum der flussnahen Auwälder und gehört zur Familie der Weidengewächse "Salicaceae“, in der sie die Gattung Populus bilden. Im Lateinischen bedeutet dieses Wort „Volk“, das weist möglicherweise auf die Bedeutung dieser Baumgattung für das Volk hin. Der Sage nach gaben allerdings die Römer der Pappel den Namen Populus, weil deren Blätter, wie das Volk, sich im Zustand andauernder Unruhe befinden.
    Der Baum ist im Auwald unverwechselbar, sehr beeindruckend ist die Borke alter Pappelriesen. Die dunkle Rinde, die den Schwarzpappeln auch den Namen gibt, reißt dann tief und x-förmig auf. Pappeln sind zweihäusige Bäume, aus denen zahlreiche Hybriden gezüchtet wurden. In Mitteleuropa sind von den etwa 35 Pappelarten der nördlichen Halbkugel die folgenden drei Arten am weitesten verbreitet:
      Die 15 bis 20 Meter hohe Zitterpappel oder Espe (Populus tremula) Da der seitlich zusammengedrückte Blattstiel ziemlich lang ist, zittert das Laub schon bei der geringsten Luftbewegung - "er zittert wie Espenlaub", sagt eine Redensart.
        Die Silberpappel (Populus alba) kann 30 Meter hoch und 300 Jahre alt werden. Ihren Namen verdankt sie der silbrigen Unterseite ihrer dunkelgrünen Blätter.
          Die Schwarzpappel (Populus nigra) ähnelt im Wuchs der Silberpappel, ist aber dichter verzweigt und hat eine dunklere Rinde. Sie benötigt viel Wasser, bevorzugt durchlässige Böden und toleriert vorübergehende Überschwemmungen, aber keine Trockenheit. Ihre bartlosen, gezähnten Blätter haben feine Blattstiele und sind an den langen Trieben größer und dreieckiger, an den Kurztrieben rautenförmig. Die männlichen Blüten sind purpurfarben und geschmeidig, die weiblichen sind grüngelb und hart.
          Flussbegradigungen und die landwirtschaftliche Nutzung der fruchtbaren Auen haben die Schwarzpappel europaweit in ihrem Bestand zurückgedrängt. Eine natürliche Vermehrung der zweihäusigen Schwarzpappel konnte vielerorts nicht mehr stattfinden, wenn die männliche Schwarzpappel etliche Kilometer entfernt von den nächsten weiblichen Bäumen steht.


          Schwarzpappeln in der antiken Mythologie: die in Trauer erstarrten Töchter des Sonnengottes.
          Mythologie

          Nach der griechischen Mythologie entstand die Pappel aus den Heliaden, den Schwestern des Phaeton, Sohn des Sonnengottes Helios. Eines Tages durfte Phaeton den Sonnenwagen über den Himmel lenken. Er fuhr jedoch viel zu rasch, die Pferde gingen durch und der Wagen kam so nahe an die Erde heran, dass Flüsse austrockneten, Land verdorrte und Städte brannten. Um der Katastrophe Einhalt zu gebieten traf ihn der strafende Blitzschlag von Zeus. Phaeton stürzte in den riesigen Strom Eridanus. Aus Trauer um ihren getöteten Bruder erstarrten die Heliaden am Ufer des Eridanus zu Schwarzpappeln. Die Menschen der Antike sahen in der klebrigen Flüssigkeit der Knospen die Tränen der Heliaden. (OVID, Metamorphosen II, 47-366).

            Und Leuke, eine widerspenstige Nymphe und Geliebte von Hades, wurde von Persephone in eine Silberpappel verwandelt, die am Ufer des Teiches der Erinnerung steht. Schwarzpappel und Silberpappel, beide Bäume werden mit dem Tod in Verbindung gebracht, der eine verdunkelt ihn, der andere erhellt ihn.

            Verwendung
            Das glatte Holz der Schwarzpappel gilt als das wertvollste unter den heimischen Pappeln, ist zäh und leicht und ist bei Skulpturenschnitzern sehr beliebt. Auch Holzschuhe werden gerne aus Pappelholz gemacht. Da es eines der leichtesten Laubhölzer ist, verwendet man es auch für die Herstellung von Sperrholz, Obstkisten, für Streichhölzer, Spankörbe, Spanschachteln und Blindholz. Der Pappelflaum - die watteähnlichen Samen - kann als Füllung für Kissen oder als Isoliermaterial eingesetzt werden.

            Pharmazeutisches zur Schwarzpappel

            Die Pappel-Blattknospen (Gemmae Populi, Oculi Populi, Turiones Populi) sind in alten Arzneibüchern zu finden und enthalten Wirkstoffe, die denen der Weidenrinde ähneln, nämlich Flavonoide und Phenolglykoside, vor allem Salicin, Salicortin und weitere Ester des Salicins, weiters ätherische Öle, Gerbstoffe, Harze, Mannit und Gallussäure.

            Schon vor 4000 Jahren empfahl der griechische Arzt Galen eine Salbe aus den Knospen der Schwarzpappel gegen Entzündungen. Unguentum Populi galt lange Zeit als Allheilmittel. In der Volksheilkunde wird die Pappelsalbe traditionell auch heute noch bei Hautentzündungen und Hämorrhoiden angewendet.

            Abbildung Schwarzpappel (aus Prof. Dr. Thomé, Otto Wilhelm - Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz - in Wort und Bild für Schule und Haus; 1885 - 1905): In der Mitte ein männlicher, rechts ein weiblicher Blütenzweig.


            Baum des Jahres 2006: Ein schnell wachsender Riese, vom Aussterben bedroht.
            Die Schwarz-Pappel gehört zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Dabei gibt es viele Gründe, dem schönen Baum wieder mehr Lebensraum zu geben: Mit Schwermetallen verseuchte Böden lassen sich mit Pappeln entgiften, was Fachleute als Phytosanierung bezeichnen. Und keine andere Baumart kann mehr Kohlendioxid aus der Luft binden und damit den Treibhauseffekt bremsen. Wegen dieses Klimaschutz-Effektes werden Pappeln in nächster Zeit nach Einschätzung des Kuratoriums „Baum des Jahres“ erheblich an Bedeutung und Beachtung gewinnen.

            Mehr zum Baum des Jahres 2006 auf der Homepage „Kuratorium Baum des Jahres