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Gender Mainstreaming: Frauen werden anders krank
 
Fortbildungstagungen für ApothekerInnen
 
Dass sich Männer und Frauen grundsätzlich unterscheiden, ist eigentlich bekannt. Auch in der Medizin werden geschlechtsspezifische Erkrankungen entsprechend behandelt: Brustkrebs und Schwangerschaft beim Gynäkologen, Erkrankungen der Prostata beim Urologen. Inzwischen hat sich aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass Frauen tatsächlich bei vielen Erkrankungen anders krank werden als Männer und dass gerade in der Medizin neue Behandlungsansätze notwendig sind.


Ruf nach differenzierten Behandlungsmethoden

Nicht jede Therapie ist für beide Geschlechter gleichermaßen wirkungsvoll, Krankheitszustände werden sehr verschieden erlebt und Medikamente können höchst unterschiedliche Wirkungen entfalten. Es ist schon auf den ersten Blick plausibel, dass beispielsweise während des Monatszyklus oder während der Schwangerschaft eine andere Behandlung angebracht ist als eine gleiche Symptomatik, mit der sich ein männlicher Patient in der ärztlichen Praxis vorstellt.

In der Therapie kam der Ruf nach differenzierten Behandlungsmethoden mit der AIDS-Forschung in den USA auf. Frauen zwischen 20 und 40 Jahren klagten doppelt so oft wie Männer über Nebenwirkungen bei der Behandlung. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass die Medikamente überwiegend an Männern getestet worden waren und Frauen in den Medikamentenstudien kaum eine Rolle spielten.

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Arzneimittelwirkungen wurden in der Wissenschaft bis jetzt recht wenig betrachtet und sind derzeit wohl eher ein weißer Fleck. Dennoch sind Kenntnisse in diesem Bereich für Apothekerinnen und Apotheker in der täglichen Praxis sehr wichtig. Nur die wenigsten Beipackzettel enthalten zum Beispiel Dosierungsanleitungen nach Körpergewicht oder spezielle Hinweise für Frauen, die über die Angaben bei Einnahme während der Schwangerschaft hinausgehen.

Dass Männer und Frauen nicht gleich sind, ist nichts Neues. Oder doch? In Bezug auf Wirksamkeit und Verstoffwechselung von Arzneimitteln scheint der „kleine Unterschied“, der mitunter beträchtlich sein kann, fast eine Neuentdeckung zu sein.

Anmerkung: Die Fortbildungstagung für ApothekerInnen am 8. / 9. November 2003 in Salzburg und am 15. / 16. November 2003 im Austria Center in Wien beschäftigt sich mit dem Thema „Gynäkologie“.